Serbien vs. Deutschland: Ausgleich Sekunden vor Schluss
Handball-EM 2012 Christophersens Wurf ins Glück
Hamburg - Die Uhr in der Belgrader Arena zeigte noch acht Sekunden, Gastgeber Serbien führte mit einem Tor gegen die DHB-Auswahl. Bundestrainer Martin Heuberger nutzte eine kurze Unterbrechung, um an der deutschen Bank aufgeregt auf Sven-Sören Christophersen einzureden.
Der Rückraumspieler kam anstelle von Torwart Silvio Heinevetter auf die Platte - Heuberger musste auf volle Offensive setzen. Ein letztes Mal lief der Ball durch die deutsche Reihe, dann landete er bei Christophersen, der ihn wuchtig zum Ausgleich ins Netz warf. Die verbleibenden zwei Sekunden gingen im Jubel des deutschen Teams unter. Am Ende stand es 21:21 (7:12) und das DHB-Team kann weiter vom Einzug ins Halbfinale träumen.
"Wir haben heute - auf gut Deutsch gesagt - scheiße gespielt", sagte Deutschlands Torhüter Silvio Heinevetter, "aber mit Kampf und Willen haben wir dann noch einen Punkt geholt." Bundestrainer Martin Heuberger war voll des Lobes für sein Team: "Diese Mannschaft ist einfach phänomenal, einfach unglaublich."
Bester deutscher Werfer gegen die Serben war Uwe Gensheimer mit fünf Treffern. Während die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) die Tabelle der Hauptrundengruppe 1 nun mit 5:1 Zählern anführt, folgt das punktgleiche Serbien auf Rang zwei.
DHB-Team mit nervösem Start
Die Deutschen wirkten zu Beginn äußerst nervös. Häufig wurde der Ball gegen die Serben unstrukturiert nach vorn getragen und überhastet der Abschluss gesucht. Erst nach sieben Minuten erzielte Lars Kaufmann, der erneut den Vorzug für Kapitän Pascal Hens erhalten hatte, das erste Tor für das DHB-Team. Es war das 1:4. Von dem Selbstvertrauen, das Heubergers Mannschaft durch das 29:24 zum Vorrundenabschluss gegen Schweden gewonnen hatte, war in dieser Phase nichts zu spüren.
Dabei hatte der Coach seine Startformation gegenüber dem Sieg gegen die Skandinavier nicht verändert. Gensheimer begann auf Linksaußen, Silvio Heinevetter im Tor. Dieser gab seinen Kollegen durch einige guten Paraden mit der Zeit ein wenig mehr Sicherheit - zumal die Serben sich keineswegs als Spitzenmannschaft präsentierten. Auch die Atmosphäre in der mit 18.000 Zuschauern nicht ganz gefüllten Belgrad Arena war nicht annähernd so einschüchternd wie bei manchem Spiel des von heißblütigen Anhängern unterstützen Außenseiters Mazedonien.
So kamen die Deutschen in der 18. Minute erstmals wieder bis auf ein Tor heran - um dann allerdings erneut nachzulassen. Im Angriff blieben zahlreiche Chancen ungenutzt, auf der andere Seite setzte sich Serbiens Kapitän Momir Ilic vom deutschen Rekordmeister THW Kiel immer häufiger in Szene und führte seine Mannschaft bis zur Pause zu einer Fünf-Tore-Führung. Das DHB-Team hatte bis dahin nur 35 Prozent seiner Wurfversuche getroffen.
Heinevetter mit starker Leistung
Kurz vor dem Wiederbeginn schwor Heuberger seine Spieler noch einmal ein, ballte die Fäuste und forderte eine Leistungssteigerung. Sein Wunsch blieb zunächst unerhört. Bis zur 35. Minute waren die Serben mit sieben Toren davongezogen. Doch die DHB-Auswahl gab nicht auf und profitierte am Ende von ihrer besseren Physis. Eine Viertelstunde später hatte man den Rückstand ausgeglichen. Rückhalt Heinevetter lief erneut zur Höchstform auf und Christophersen traf zum Punktgewinn. "Ich bin einfach froh, dass wir nach diesem harten Kampf noch einen Punkt geholt haben", sagte Christophersen.
Damit rückt die angestrebte Teilnahme an einem der olympischen Qualifikationsturnier im kommenden April immer näher. Auf Platz drei der Gruppe I rangiert Polen (3:3 Punkte), das zu einem 29:29 (9:20) gegen den WM-Vierten Schweden kam. Weitere Bewerber sind die zum Start der Hauptrunde Dänemark mit 32:33 (19:16) unterlegenen Mazedonier (1:5 Punkte) und Slowenien, das am Sonntag in der Gruppe 2 gegen den bisher enttäuschenden Weltmeister Frankreich in die zweite Turnierhälfte einsteigt.
Serbien - Deutschland 21:21 (12:7)
Serbien: Stanic, Marjanac - Ilic (6/1), Nikcevic (4), Stankovic (3), Prodanovic (2), Cutura (2), Stojkovic (2), Manojlovic (1), Toskic (1)
Deutschland: Heinevetter, Lichtlein - Gensheimer (5/3), Glandorf (4), Groetzki (4), Roggisch (2), Christophersen (2), Kaufmann (2), Pfahl (1), Theuerkauf (1), Haaß, Hens, Sprenger, Klein, Wiencek
Schiedsrichter: Abrahamsen/Kristiansen (Norwegen)
Zeitstrafen: 4:4
Siebenmeter: 1/1:4/3
Zuschauer: 18.000