Handball-EM: Deutschland enttäuscht gegen Spanien - DER SPIEGEL
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Handball-EM Deutschland enttäuscht gegen Spanien

Einfallslos, hilflos, punktlos: Die deutsche Nationalmannschaft konnte auch in der zweiten Partie der Hauptrunde bei der Handball-EM gegen Spanien nicht überzeugen. Die Probleme waren die gleichen wie in den Spielen zuvor - die Ansprachen von Bundestrainer Heiner Brand blieben wirkungslos.
Von Jan Reschke
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Niederlage gegen Spanien: Schwach in der Abwehr, einfallslos im Angriff

Foto: OGNEN TEOFILOVSKI/ REUTERS

Hamburg - Sein Gesicht lief knallrot an, er holte kaum einmal Luft. Bundestrainer Heiner Brand hatte seinen Spielern während der Auszeit neun Minuten vor dem Ende einiges zu sagen. Doch auch als der lautstarke Wortschwall geendet hatte, schien die deutsche Mannschaft kein Stück schlauer - und knüpfte nahtlos an die zuvor gezeigte schlechte Leistung an. Am Ende unterlagen die deutschen Handballer nach ihrer schwächsten Turnierleistung bei der EM in Österreich 20:25 (9:14). Auch das neu gesteckte Ziel Platz fünf wurde somit verpasst.

In Innsbruck blieb das Team von Brand über weite Strecken chancenlos. Vor allem im Angriff bot die deutsche Mannschaft eine enttäuschende Leistung. Abwehrchef Oliver Roggisch bewies am gegnerischen Kreis eindrucksvoll, warum er Defensivspezialist ist. Mal scheiterte er am gegnerischen Torwart, mal beging er ein Stürmerfoul. Doch seine Mannschaftskollegen standen ihm in nichts nach. "Es ist eine Ansammlung von einfachen Dingen", so Brand.

Vor nur etwa 5000 Zuschauern erwischte die DHB-Auswahl wie schon in einigen vorangegangenen Partien einen schlechten Start. "Wir haben uns in den ersten Minute von der Härte der Spanier den Schneid abkaufen lassen. In der Folge haben wir es ihnen zu einfach gemacht", sagte Kapitän Michael Kraus. Etliche technische Fehler prägten das deutsche Spiel - und als sich die Leistung der DHB-Auswahl etwas stabilisiert hatte, wurde Lars Kaufmann eingewechselt.

Auch der später eingesetzte Christophersen machte es nicht besser

Doch sein Auftritt währte nicht lange, denn sein bekannter Hang zum schnellen Abschluss kam immer wieder zum Vorschein und der Ball immer wieder hinter das spanische Tor. Doch auch der später eingesetzte Sven-Sören Christophersen machte es nicht viel besser. Spielerisch zwar stärker, aber ohne die nötige Effektivität konnte er die deutsche Problemzone nicht besser ausfüllen.

Bei einer insgesamt indiskutablen Torausbeute war Uwe Gensheimer mit fünf Toren noch der beste deutsche Werfer. Nach dem Aufwärtstrend der Partien gegen Rekord-Europameister Schweden (30:29) und Weltmeister Frankreich (22:24) häuften sich gegen Spanien wieder die Fehler. "Sie wollte schon, aber es war ein körperliches Problem", so Brand. "Ich habe mich auch sehr geärgert, aber mit ein bisschen Abstand habe ich für einiges Verständnis, weil ich weiß, dass die Mannschaft alles gibt."

In der Abwehr kassierte die DHB-Auswahl gegen die ebenfalls nicht sicheren Spanier zu viele leichte Tore. Selbst beim Prunkstück, der Abwehrmitte, taten sich einige Male große Lücken auf.

Im Angriff wurde der Ball zu häufig fahrlässig aus der Hand gegeben. Die Trefferquote lag in der ersten Spielhälfte gerade einmal bei 43 Prozent. Spanien dominierte die Partie von Beginn an und erarbeiteten sich schnell einen komfortablen Vorsprung, ohne dabei zu glänzen. In den ersten 18 Minuten gelangen dem DHB-Team lediglich vier Treffer, sodass der Rückstand zu diesem Zeitpunkt bereits vier Tore betrug (4:8).

Kein Konzept gegen die gut organisierte spanische Deckung

Bis zur Halbzeit erhöhte sich die spanische Führung sogar auf fünf Tore. Auch nach der Pause blieb zunächst Spanien am Drücker und kam schnell zur 17:10-Führung. Erst danach fing sich die Brand-Truppe ein wenig und hielt den Rückstand zumindest in Grenzen. Im Tor konnte sich dabei Schlussmann Silvio Heinevetter mehrfach auszeichnen, der im zweiten Durchgang für den etwas glücklosen Johannes Bitter kam.

Die deutsche Abwehr fand auch in der zweiten Halbzeit überhaupt kein Konzept gegen die gut organisierte spanische Deckung. Die einfachen Dinge, die Heiner Brand schon während der ersten Auszeit gefordert hatte, wurden zu selten gespielt.

Mit 1:7 Punkten ist für die deutsche Mannschaft somit auch das Platzierungsspiel am Samstag in Wien außer Reichweite. In der Hauptrunde holte das Team noch keinen Zähler. "Ich habe vielleicht auch gedacht, dass die Mannschaft einen Schritt weiter wäre", sagte Brand. Die Spanier wahrten durch den Erfolg dagegen ihre Chance auf den Halbfinaleinzug.

In einer weiteren Partie der Gruppe zwei setzte sich Titelfavorit Frankreich trotz Halbzeit-Rückstands am Ende souverän 37:28 (17:18) gegen Slowenien durch. Am Abend siegte Polen 35:34 (18: 19) gegen Tschechien, das am Donnerstag letzter Gegner der deutschen Mannschaft ist. In Gruppe eins unterlag Gastgeber Österreich gegen Kroatien 23:26 (10:11).

Mit Material von sid und dpa