Handball-Experte Kretzschmar: Auf zum Gruppensieg! - DER SPIEGEL
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Handball-Experte Kretzschmar Auf zum Gruppensieg!

Mit fünf Punkten ist die DHB-Auswahl auf Hauptrunden-Kurs. Allerdings stehen noch zwei schwere Partien aus. Am Mittwoch wartet Mazedonien, einen Tag später Polen. Netzathleten-Kolumnist Stefan Kretzschmar erwartet packende Duelle - und den Einzug in die nächste Runde.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Ich bin zufrieden mit den Jungs", hat Bundestrainer Heiner Brand am spielfreien Dienstag gesagt. Dem kann ich mich nur anschließen. Als Tabellenführer in die letzten beiden Vorrunden-Partien zu gehen, ist eine gute Ausgangslage. Ein Sieg am Mittwoch gegen Mazedonien (17.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) reicht bereits zum Weiterkommen. Das sollte machbar sein.

DHB-Verteidiger Roggisch: Abwehr sehr gut zusammengehalten

DHB-Verteidiger Roggisch: Abwehr sehr gut zusammengehalten

Foto: AP

Allerdings darf der Tabellenstand nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch nicht alles rund läuft beim deutschen Team. Viele Spieler suchen noch ihre Form, Holger Glandorf von der HSG Nordhorn-Lingen hat beispielsweise noch Luft nach oben. Seine Torquote von 41 Prozent - in drei Spielen brachte er 12 von 29 Versuchen im gegnerischen Kasten unter - ist sicher noch ausbaufähig. Spielmacher Martin Strobel muss noch ein wenig Nervosität abbauen, um eine verlässliche Alternative zu Michael Kraus zu sein.

Überzeugt haben mich vor allem die Hamburger Pascal Hens, Jogi Bitter und Torsten Jansen. Auch unsere vermeintliche Schwachstelle, die Abwehr, ist in den ersten Spielen von unseren Kreisspielern Oliver Roggisch und Sebastian Preiß sehr gut zusammengehalten worden.

Doch unsere Angriffe müssen noch variabler werden, vor allem Tempogegenstöße habe ich in den ersten beiden Partien vermisst. "Im Positionsangriff sind die Abläufe noch nicht optimal", sagt auch Bundestrainer Brand.

Mazedonien hat mit dem knappen 30:29-Sieg über Polen für eine dicke Überraschung in unserer Gruppe gesorgt. Das hätte ich so nicht erwartet. Unser nächster Gegner hat den Polen mit einer kämpferischen Meisterleistung und ihrem Superstar Kiril Lazarov, der unglaubliche 13 Treffer erzielte, das Leben schwer gemacht.

"Wenn wir Lazarov in den Griff bekommen, haben wir eine gute Chance", sagt Abwehrchef Roggisch. So oder so wird es eine interessante Partie. Die Mazedonier sind zu einem echten Favoritenschreck geworden. Erst der deutliche Sieg über den Olympia-Zweiten Island in der Qualifikation, jetzt der Erfolg gegen Polen.

Der Vorteil für diese Mannschaft besteht darin, dass sie keine Erwartungen erfüllen muss. Abgesehen von denen der frenetischen mitgereisten Fans, die bislang in Varazdin für die meiste Stimmung gesorgt haben. Die WM-Qualifikation war – angesichts des Gegners – schon eine kleine Sensation. Immerhin holte Island wenig später die olympische Silbermedaille.

Die Mazedonier können jetzt befreit aufspielen und haben nichts zu verlieren. Für unsere Jungs gilt es, sie über den Rückraum zu schlagen. Die mazedonische Verteidigung ist nicht allzu robust, so dass unsere Rückraumwerfer Hens und Glandorf auch über den Abwehrblock hinweg zum Abschluss kommen können.

Anschließend wartet dann im letzten Gruppenspiel am Donnerstag (17.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) die polnische Mannschaft. In Partien gegen Polen geht es immer sehr emotional zu. Dies hat weniger mit dem letzten WM-Finale zu tun, das Deutschland 2007 in Köln gewann.

Es liegt vielmehr daran, dass es praktisch zu einem Bundesligaduell kommt. Die Leistungsträger der polnischen Mannschaft spielen nahezu alle in Deutschland und selbst ihr Trainer Bogdan Wenta war als Spieler und Trainer in der Bundesliga tätig.

Man weiß dementsprechend sehr genau um die Stärken und Schwächen seines Gegenübers. Hinzu kommt, dass die Polen nach der Niederlage gegen Mazedonien unter enormem Druck stehen. Sie werden vermutlich gewinnen müssen, wenn sie sicher in die Hauptrunde einziehen wollen.

Das Team besteht aus hervorragenden Individualisten, wie dem Hamburger Marcin Lijewski oder Karol Bielecki von den Rhein-Neckar Löwen. Auch dessen Mannschaftskollege, Polens Keeper Jaroslaw Szmal, hat sich in der Vergangenheit bei großen Turnieren als sicherer Rückhalt bewiesen.

Viele der Stammspieler haben schon ausreichend internationale Erfahrung. Allerdings bleibt abzuwarten, wie dieses Team von Einzelkönnern als Mannschaft funktioniert. Um gegen Polen zu bestehen, muss es uns gelingen, ihren stark besetzten Rückraum aus dem Spiel zu nehmen. Im Angriff hingegen sollten wir 1-gegen-1-Duelle vermeiden und den Ball laufen lassen.

Ich bin mir sicher, dass wir unsere Jungs dann ab Samstag in der Hauptrunde wiedersehen.

Stefan Kretzschmars Profil bei Netzathleten.de finden Sie hier .