Halbfinals der Handball-EM Kreativ-Kollektiv als Favorit
Dänische Nationalspieler: Breiter Kader, kreative Angriffe
Foto: CLAUS FISKER/ AFPWer von großen Überraschungen geträumt hat, der muss von dieser Handball-EM schwer enttäuscht sein. Wer aber die besten vier Mannschaften in Europa um den Einzug ins EM-Finale kämpfen sehen will, der freut sich am Freitag auf ein Handball-Fest.
Im Halbfinale der Europameisterschaft in Dänemark sind die großen Vier unter sich. Wie zu erwarten stehen neben Gastgeber Dänemark auch Weltmeister Spanien, Olympiasieger Frankreich und der WM-Dritte von 2013, Kroatien, im Semifinale. Damit kommt es in Herning zu den zwei Paarungen: Frankreich gegen Spanien (18.30 Uhr) und Dänemark gegen Kroatien (21.00 Uhr, jeweils im Liveticker bei SPIEGEL ONLINE, im TV bei SPORT1).
Die Dänen und Frankreich waren bereits vor ihren letzten Hauptrunden-Partien qualifiziert. Spanien sicherte sich den Sprung in die Vorschlussrunde am Mittwoch mit einem 33:22-Erfolg gegen Mazedonien. Die Kroaten zitterten eine Halbzeit lang, besiegten im entscheidenden Hauptrunden-Duell aber die Polen mit dem deutschen Trainer Michael Biegler 31:28.
"Der Druck ist groß, aber den haben wir uns selbst auferlegt"
Auch wenn die Halbfinalisten auf den ersten Blick in etwa gleich stark erscheinen und sich Prognosen schwierig gestalten, so können sich die Dänen nicht vor der Favoritenrolle drücken. Der Heimvorteil mit 14.000 handballbegeisterten Landsleuten im Rücken ist immens und Superstar Mikkel Hansen in der Form seines Lebens.
Hinzu kommt, dass die Dänen mit Niklas Landin den bislang besten Torwart des Turniers in ihren Reihen haben. Der am Ende entscheidende Vorteil kann aber vor allem die Breite des Kaders von Nationaltrainer Ulrik Wilbek sein.
Während bei der Konkurrenz einige Spieler wie Nikola Karabatic (Frankreich), Domagoj Duvnjak (Kroatien) oder Joan Canellas (Spanien) unersetzlich sind, können die Dänen viel wechseln - und tun das auch. Im letzten Gruppenspiel wurden etliche Akteure geschont, doch mit ihrer spielerischen Leichtigkeit reichte es dennoch zu einem 32:23-Sieg gegen Island. "Die Jungs haben phantastisch gespielt, auch wenn es in der Partie um nichts mehr ging", sagte Trainer Wilbek anschließend.
Ein weiteres großes Plus der Dänen: Unabhängig von den Spielern auf dem Feld halten sie an ihrem kreativen Offensiv-Plan fest. Als einziges Team haben sie bislang alle EM-Auftritte gewonnen. "Der Druck ist groß, aber den haben wir uns auch selbst auferlegt", sagt Wilbek, für den es das letzte große Turnier als Nationaltrainer ist. Nach neun Jahren, zweimal WM-Silber und bislang zwei EM-Trophäen wechselt er im Sommer auf den Posten des Sportdirektors im dänischen Verband (DHF).
Spanien zittert vor extrem starken Franzosen
Bislang konnte seine Mannschaft die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen und in positive Energie umwandeln. Der 55-jährige Wilbek ist überzeugt davon, dass es so bleibt: "In einem Land, in dem alles andere als der Halbfinal-Einzug einer nationalen Katastrophe gleicht, ist es schön, dass wir bereits so weit gekommen sind. Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir Gold gewinnen wollen."
So ähnlich klang das auch vor einem Jahr vor dem WM-Finale in Spanien. Dänemark war durch das Turnier spaziert und erlebte im Endspiel eine historische 19:35-Klatsche gegen die Gastgeber. Damit das nicht erneut passiert und der EM-Titel verteidigt wird, müssen die Dänen diesmal vor allem im Kopf bereit sein. Das WM-Trauma haben sie mit dem 31:28-Erfolg gegen Spanien in der Zwischenrunde zwar bereits abgelegt, den dritten EM-Titel seit 2008 deshalb aber noch lange nicht gewonnen.
"Ich bin mir ganz sicher, dass wir Dänemark schlagen können", sagt der Spanier Victor Tomas. Allerdings ist sich der Flügelspieler des FC Barcelona gar nicht sicher, ob sein Land überhaupt die Gelegenheit dazu bekommt. "Frankreich ist extrem stark und hat nach dem Sieg vor einigen Tagen gegen Kroatien viel Selbstvertrauen. In einem Halbfinale kann alles passieren."
Die Franzosen haben jedoch ebenfalls Zweifel, ob sie zum dritten Mal ein EM-Finale erreichen und sehen sich auf Grund des Spielplans im Nachteil. "Dänemark und Spanien haben den Vorteil, dass sie zwischen den beiden letzten Zwischenrunden-Begegnungen einen freien Tag hatten", sagt Daniel Narcisse. Der Welthandballer von 2012 musste mit seinem Team genau wie die Kroaten zwei Tage hintereinander spielen, weil der letzte Spieltag in der Hauptrunde parallel ausgetragen wurde.
Und die Kroaten? Nach zweimal EM-Silber (2008/2010) und zuletzt zwei Bronzemedaillen (EM 2012/WM 2013) wollen sie endlich mehr. Vor einem Jahr scheiterten sie aber im WM-Halbfinale sang- und klanglos 24:30. An Dänemark.