Handball-Krise: Witte will weitermachen - DER SPIEGEL
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Handball-Krise Witte will weitermachen

Keine Konsequenzen aus der Bestechungsaffäre im Handball: HBL-Präsident Reiner Witte will sein Amt trotz Befangenheitsvorwürfen fortführen. Bundestrainer Heiner Brand ist für eine Einschränkung des Interpretationsspielraums von Schiedsrichtern, warnt aber vor zu großen Eingriffen.
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Hamburg - Reiner Witte will seine Tätigkeit als Präsident der Handball-Bundesliga (HBL) ohne Unterbrechung fortführen. Damit widersprach Witte der Forderung des Bundesligisten HSV Hamburg, der den Präsidenten am Montag aufgefordert hatte, sein Amt bis zur Klärung der Manipulationsvorwürfe beim THW Kiel ruhen zu lassen. HSV-Präsident Andreas Rudolph hatte seinen Vorstoß mit der früheren Aussage Wittes begründet, er sei "in dieser Angelegenheit befangen und mit Uwe Schwenker freundschaftlich verbunden".

HBL-Präsident Witte: Das normale Tagesgeschäft erledigen

HBL-Präsident Witte: Das normale Tagesgeschäft erledigen

Foto: DPA

"Ich werde mich selbstverständlich bei allen Entscheidungen, die den THW Kiel betreffen, der Stimme enthalten", sagte Witte vor der turnusmäßigen Präsidiumstagung am Dienstag in Hamburg. Das Gremium wollte sich auch mit der Forderung Rudolphs befassen. "Als HBL-Präsident kann ich doch das normale Tagesgeschäft erledigen", sagte Witte. Bob Hanning, Geschäftsführer des Bundesligisten Füchse Berlin, äußerte Verwunderung über die Vorgehensweise des HSV: "Ob man das so machen muss, weiß ich nicht." Der frühere Hamburger Coach erklärte jedoch: "Wir brauchen endlich Aufklärung."

Rudolph hatte am Montag bei einer Pressekonferenz in Hamburg seine Aussage erneuert, bei einem Besuch auf seinem Anwesen auf Mallorca habe Schwenker im Sommer 2007 Schiedsrichterbestechung zugegeben. Schwenker soll gesagt haben: "Andreas, die Champions League werdet ihr nie gewinnen. Ich brauchte lange, um zu erfahren, dass dafür Schiedsrichter bestochen werden müssen."

Noch in dieser Woche will die Kieler Staatsanwaltschaft dem THW Einsicht in die Ermittlungsakten gewähren. Der Kieler Club und sein Manager Schwenker haben bislang alle Vorwürfe bestritten.

Brand gegen zu große Änderungen

Bundestrainer Heiner Brand glaubt nicht daran, dass umfangreiche Regeländerungen die Sportart vor Bestechungsvorwürfen schützen können. In einem Interview mit der "Berliner Zeitung" warnte der Weltmeister-Trainer vor Schnellschüssen: "Man muss sicherlich darüber nachdenken, den Interpretationsspielraum der Schiedsrichter etwas einzuschränken. Aber das wird nicht die allheilbringende Maßnahme sein", sagte Brand.

Er sprach sich gegen die Idee von zeitlich begrenzten Angriffen aus. "Die Angriffe dauern ja jetzt im Durchschnitt schon alle unter 30 Sekunden. Und eine zeitliche Begrenzung wie im Basketball ist nicht möglich, da im Handball der Abwehrspieler immer die Möglichkeit hat zu unterbrechen. Das Spiel würde ja dann zur Farce werden: Eine Abwehr ist etwas offensiver und aggressiver, sie unterbricht immer den Angriff - und am Ende hat die angreifende Mannschaft in 30 Sekunden noch gar keinen Versuch gestartet, aufs Tor zu werfen", so Brand. "Da wird viel Blödsinn erzählt. Aus jeder Ecke kommt irgendjemand, der seinen Senf dazu tut. Da muss man schon aufpassen. Ich hoffe, dass die Entscheidungsträger verantwortlich handeln."

Brand wünscht sich aber klarere Regeln: "Es gibt einen relativ großen Freiraum für Schiedsrichter, und das ist nicht nur in Verbindung mit dem Bestechungsskandal, sondern insgesamt ein Problem - weil der Zuschauer einige Dinge nicht nachvollziehen kann. Oft stellt sich bei den Kämpfen am Kreis die Frage: Ist es ein Stürmerfoul oder ein Abwehrspielerfoul? Das müsste klar definiert sein. Man muss auch überlegen: Was ist der Sinn der einzelnen Regeln? Vieles kann heute zu unterschiedlich geahndet werden", bemerkte Brand, den die Dimensionen der Enthüllungen überraschen.

jar/dpa