Handball-Nationalteam Hoffnung dank Heinl
Flensburg-Profi Heinl (v.): "Ich bin schon eine Rarität"
Foto: Carsten Rehder/ picture-alliance/ dpaVielleicht hatte er sich am Morgen absichtlich nicht rasiert und ein bisschen Bart stehen lassen, um im illustren Kreise ein wenig älter und selbstbewusster zu wirken. Jacob Heinl wandelte mal wieder im Wunderland. Wie so oft mit der SG Flensburg-Handewitt, aber an jenem Tag befand er sich ausnahmsweise tief im Westfälischen, im Sport-Centrum Kamen-Kaiserau.
Heinl trainierte mit der Nationalmannschaft, neben ihm wärmte sich Torsten Jansen auf, 32 und Weltmeister. Ob Jansen wohl eine besonders schwierige Übung wählte? Heinl bestaunte seinen berühmten Nachbarn und all die anderen. Noch immer beschäftigte ihn die "fröhliche Nachricht", die ihm sein Trainer Per Carlén einige Tage zuvor übermittelt hatte. Banklehrling Heinl ist noch zu jung im Geschäft, um dem Reiz des Besonderen nicht mehr zu erliegen.
Heinl wurde am Tag der Deutschen Einheit 23 Jahre alt. Eigentlich gibt es keinen Anlass für große Aufregung um seine Person, doch die Kombination einiger Eigenschaften macht Heinl zu einem sehr besonderen, derzeit fast einzigartigen Spieler: Er ist noch recht jung, spielt Kreisläufer, ist abwehrstark, kommt von der SG Flensburg-Handewitt und ist seit jeher im Besitz eines deutschen Passes.
"Ich bin schon eine Rarität", sagt Heinl und lächelt verlegen. Für die SG laufen zwar viele berühmte Nationalspieler aus aller Herren Länder auf, aber für den deutschen Bundestrainer Heiner Brand ist im hohen Norden traditionell sehr wenig zu holen. Neben dem 1,93 Meter großen Hundert-Kilogramm-Mann gäbe es nur noch den mittlerweile zum Kapitän aufgestiegenen Rechtsaußen Torge Johannsen.
Der letzte deutsche Nationalspieler aus Flensburg war der Torwart Jan Holpert, Rekordspieler der Bundesliga und 235-mal für Deutschland unterwegs. Brand, der die Norddeutschen immer wieder für ihre verhaltene Zuarbeit zu seiner Auswahl kritisierte, sagt: "Die Flensburger werden sich freuen, dass mal wieder einer aus ihren Reihen kommt." Die Freude liegt aber auch auf seiner Seite, weil Heinl "für sein Alter sehr gute Abwehrqualitäten" besitzt.
Heinl könnte einmal Abwehr-Ass Roggisch ersetzen
Brand schätzt solches Talent, und so einen Mann benötigt er eigentlich immer - als Back-up oder langfristig sogar als Nachfolger des Weltmeisters Oliver Roggisch. Heinl könnte der Sprung in die Nationalmannschaft leichter fallen als dem (nur) im Angriff hochbegabten Magdeburger Christoph Theuerkauf.
Wie harte Abwehr funktioniert, lernte der gebürtige Hamburger Heinl von einem höchst kompromisslosen Experten: Johnny Jensen, Norwegens Antwort auf Roggisch. Wie er am Kreis noch geschickter angreifen könnte, demonstriert ihm Michael V. Knudsen, mit Dänemark Europameister und mehrmals in All-Star-Teams großer Turniere. All dies fügt Trainer Carlén zusammen; der Schwede ist prädestiniert für den Job, schließlich war er Kreisläufer der legendären Weltmeistermannschaft von 1990.
Heinl hat auch von einem anderen Lehrer mit bestem praktischen Ruf profitiert: Matthias Hahn, ehedem selbst Kreisläufer, versorgte den Jugendlichen in der zweiten Mannschaft mit Fachwissen und empfahl ihn 2006 an den damaligen Flensburger Chefcoach Kent-Harry Andersson, als dieser eine Aushilfe fürs Training suchte. "Dadurch", sagt Heinl, "habe ich einen Riesenschritt gemacht."
Heinls Weg in die Bundesliga war mühsam: Die Saison 2006/2007 erlebte er vor allem als Trainingsgast, vor der Spielzeit 2007/2008 bestritt er die komplette Vorbereitung und erlebte gegen Balingen sein erstes Spiel. "So richtig los ging es aber erst in der letzten Saison", sagt Heinl. Als Jensen verletzt war, kam seine Zeit im Abwehrzentrum - im Viertelfinale der Champions League glänzte er trotz des dramatischen Ausscheidens gegen Hamburg und gewann Sicherheit.
"Man weiß, dass man da angekommen ist", so Heinl und fordert dennoch nichts: "Ich stelle mich hinten an. Das gehört sich so, wenn man jung ist." Bis 2011 läuft sein Vertrag mit der SG. "Ich bin glücklich in Flensburg. Im Moment", sagt er, "gibt es nichts Besseres für mich."