Handball-Pokal Flensburg nähert sich dem Double
Hamburg - Der "ewige Zweite" SG Flensburg-Handewitt bezwang im Finale um den Pokal des Deutschen Handball-Bundes den HSV Hamburg klar mit 29:23 (14:8) und steht damit erstmals in seiner Vereinsgeschichte unmittelbar vor dem Gewinn des Doubles. "Das wollte ich auf meine alten Tage unbedingt noch schaffen, das ist riesig", freute sich Nationaltorwart Jan Holpert, der mit einer absoluten Weltklasseleistung die Grundlage für den Triumph in der mit 12.971 Zuschauern ausverkauften ColorLine Arena in Hamburg legte und von seinen Fans schon Minuten vor dem Abpfiff mit Sprechchören gefeiert wurde.
Verdienter Flensburger Sieg
Den Flensburgern ist damit erstmals die Verteidigung eines Titels gelungen. Sören Stryger war mit sechs Toren der erfolgreichste Werfer in einer homogenen Mannschaft. Bei den Hamburgern war Jonas Ernelind mit ebenfalls sechs Treffern der beste Werfer. Den Unterschied machte aber vor allem Holpert, der am Dienstag seinen 36. Geburtstag feiert und sich selbst schon vorher beschenkte. Bereits 30 Sekunden vor Schluss klatschte er seine Mitspieler ab und versank nach dem Schlusspfiff mit ihnen in einer Jubeltraube. "Jetzt wollen wir glücklich sein und feiern", so Holpert.
Starke Abwehrreihen prägten die Begegnung in der Anfangsphase. Es dauerte bis zur 7. Minute, ehe die Flensburger durch Christian Berge den ersten Treffer erzielten. Die Gastgeber wirkten zudem nervös und überhastet. "Wir haben unsere Angriffe zu früh abgeschlossen", meinte Mannschaftskapitän Thomas Knorr. Dabei unterliefen insbesondere Nationalspieler Pascal Hens im zweiten Spiel nach seinem Mittelhandbruch einige Fehlwürfe. "Der Flensburger Sieg ist auch in der Höhe völlig verdient", sagte HSV-Trainer Bob Hanning, "wir haben zu viele leichte Fehler gemacht."
Handballfest in Hamburg
Die ColorLine Arena erlebte am Wochenende ein Handballfest, das den DHB-Verantwortlichen vor Freude glühende Wangen bescherte. Alle Erwartungen an die beste Endrunde aller Zeiten mit vier der fünf derzeit führenden Mannschaften wurden übertroffen. An beiden Tagen machten jeweils 12.971 Zuschauer in der seit Wochen ausverkauften Arena ein Höllenspektakel. "Wir hätten locker auch 50.000 Karten verkaufen können", sagte Bundesliga-Geschäftsführer Frank Bohrmann. Bis 2007 bleibt das Event auf jeden Fall im "Handball-Wembley" Hamburg, der Vertrag mit den Arena-Betreibern wurde schon vor dem Finalturnier verlängert.
"Dieses Wochenende war richtungsweisend für Handball, war allerbeste Werbung", freute sich Bohrmann, "wir sind auf einem sehr guten Weg, auch das Feedback von Sponsoren war sehr gut." Der eingeleitete Boom durch den Gewinn der Europameisterschaft Anfang des Jahres hat sich offenbar fortgesetzt. Die Medienpräsenz war außerdem so groß, wie seit Jahren nicht mehr. Jeweils rund 100.000 Euro blieben für die vier beteiligten Vereine nach Abzug aller Kosten noch als zusätzlicher Scheck übrig.
Tränen bei Stefan Kretzschmar
Bereits die Halbfinals am Samstag waren an Dramatik kaum zu überbieten. Flensburg setzte sich dabei mit 33:31 (13:15) gegen den Erzrivalen THW Kiel durch. Hamburg hatte zuvor durch einen 27:26 (14:9)-Erfolg über den SC Magdeburg erstmals nach dem Umzug aus Bad Schwartau im Sommer 2002 in die Hansestadt das Endspiel erreicht. Torwart Goran Stojanovic wurde dabei zum Matchwinner für die Gastgeber. Der 38-Jährige parierte vier Sekunden vor Schluss einen Siebenmeter von Bennet Wiegert. Nationalspieler Stefan Kretzschmar war nach der Partie so enttäuscht, dass er hemmungslos in der Kabine weinte: "Was für ein beschissenes Jahr, wir verlieren alles mit einem Tor", jammerte der Linksaußen.
Bei den Kielern machte sich das Fehlen von Spielmacher Stefan Lövgren (Bänderriss) bemerkbar. Der Spanier Demetrio Lozano war mit elf Toren der alles überragende Spieler, blieb aber weitgehend auf sich allein gestellt. Flensburgs Torwart Jan Holpert steigerte sich nach einer schwachen ersten Halbzeit außerdem in der entscheidenden Schlussphase, als sein Team nach einem zwischenzeitlichen 18:23-Rückstand Mitte der zweiten Hälfte nach einer Aufholjagd zwei Minuten vor Schluss erstmals mit 31:30 in Führung gehen konnte. Lars-Krogh Jepesen war mit 8 Toren in der insgesamt homogeneren Flensburger Mannschaft der erfolgreichste Werfer.