Handball-WM: Ein bitterer Sieg - DER SPIEGEL
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Handball-WM: Zittern um Platz elf

Foto: Jens Wolf/ dpa

Handball-WM Ein bitterer Sieg

Die deutschen Handballer haben beim WM-Abschluss trotz eines Sieges mit einer desolaten Leistung den schwachen Gesamteindruck bestätigt. Die Diskussionen um die Zukunft von Trainer Heiner Brand dürften an Intensität zunehmen. Er hat aber offenbar schon eine Entscheidung getroffen.
Von Gereon Detmer
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Johannes Bitter ahnte wohl schon, was auf ihn zukommen würde. Der Torhüter der deutschen Handball-Nationalmannschaft stand regungslos und mit leerem Blick in seinem Kasten, während die argentinischen Spieler in der Auszeit wild gestikulierend den nächsten Spielzug diskutierten. Und es kam, wie es kommen musste. Fünf Sekunden waren in der regulären Spielzeit noch zu absolvieren, als Deutschland den Ausgleich zum 27:27 kassierte. In der ersten Verlängerung wiederholte sich die Prozedur, diesmal fehlten knapp 15 Sekunden zur Entscheidung.

Heiner Brand

Der Weltmeister von 2007 benötigte im abschließenden Spiel um Platz elf noch eine weitere Verlängerung, um den tapfer kämpfenden Außenseiter aus Argentinien schließlich standesgemäß mit fünf Toren Vorsprung zu besiegen (40:35). Dass die Mannschaft von Bundestrainer bei der lästigen Pflichtaufgabe - an der schlechtesten WM-Platzierung seit 73 Jahren und dem verpassten Olympia-Qualifikationsturnier war schon vor dem Anwurf nichts mehr zu ändern - noch in die Verlängerung gezwungen wurde, passte zum völlig verkorksten Auftritt der DHB-Auswahl in Schweden.

Nach den demütigenden Hauptrunden-Niederlagen gegen Ungarn und Norwegen hatte es Brand offensichtlich nicht geschafft, seinen Spielern für einen versöhnlichen Abschluss das nötige Selbstbewusstsein einzuimpfen. "Wenn man sich das Turnier vor Augen hält, dann konnte man sich schon denken, dass wir uns gegen Argentinien schwer tun", sagte Abwehrmann Oliver Roggisch, der in der Endphase nach drei Zeitstrafen nicht mehr mitspielen durfte.

Auch Bitter war bemüht, dem erneut desolaten Auftritt gegen den Panamerikameister keine allzu hohe Bedeutung beizumessen. Argentinien sei ja keine Laufkundschaft, sagte der Hamburger. "Wir haben uns richtig viel Mühe gegeben. Aber man hat heute gesehen, dass es in einigen Teilen auch wieder gefehlt hat." Brand hatte erstmals Rückraumspieler Sven-Sören Christophersen, Kreisläufer Jacob Heinl und Rechtsaußen Patrick Groetzki von Beginn an eine Chance gegeben. Doch wie bereits im gesamten WM-Verlauf offenbarte die deutsche Mannschaft auch gegen Argentinien wieder große Schwächen in Angriff und Abwehr.

Von perfekten Auftritten weit entfernt

Und so fiel es auch Bitter nicht schwer, das Dilemma nach dem Schlusspfiff auf den Punkt zu bringen. "Wir haben einfach nicht die Qualität, um ganz oben mitzuspielen." Man könne allenfalls "mal oben reinriechen", wenn alles passe. Von perfekten Auftritten war die Mannschaft in Kristianstad und Jönköping seit dem WM-Auftakt vor zwei Wochen jedoch weit entfernt. Auch gegen Argentinien schaffte es das Team nach einer guten Phase nicht, das Niveau zu halten. Eine Fünf-Tore-Führung in der ersten Hälfte wurde leichtfertig wieder aus der Hand gegeben, zur Halbzeit lag man nur noch einen Treffer in Front.

Der blutleere Auftritt gegen Argentinien wird die Spekulationen um die Zukunft von Trainer Brand weiter anheizen, zuletzt schien ein vorzeitiger Ausstieg aus dem noch bis 2013 laufenden Vertrag nicht mehr ausgeschlossen. Die Aussagen des Betroffenen nach dem Argentinien-Spiel deuten jedoch daraufhin, dass der 58-Jährige die Mannschaft auch weiterhin betreuen möchte. Er wüsste schon, wo es hingeht, antwortete Brand auf die Fragen nach seiner Zukunft. "Beide Seiten müssen aber über gewisse Dinge reden. Nach so einem Turnier kann man nicht sagen, man geht zur Tagesordnung über."

Torhüter Bitter kann sich einen Abgang des Coaches, der sich wohl nur selber entlassen kann, schwerlich vorstellen. "Ich gehe nicht davon aus, dass Heiner Brand zurücktritt. Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich denke, es ist seine Motivation, uns wieder nach oben zu führen", sagte Bitter.

Mit Material von dpa und sid