Hawks-Forward Josh Smith: Bloß keine Dreier! - DER SPIEGEL
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Hawks-Forward Josh Smith Bloß keine Dreier!

Für spektakuläre Dunks und Blocks war Josh Smith schon immer zu haben - nur eben leider auch für unkontrollierte Distanzwürfe. Seit der Forward diese bleiben lässt, mischen seine Atlanta Hawks ganz vorne mit. Das Basketballmagazin "FIVE" analysiert.
Hawks-Forward Smith (r.): Mit Macht zum Korb
Hawks-Forward Smith (r.): Mit Macht zum Korb

Hawks-Forward Smith (r.): Mit Macht zum Korb

Foto: Gregory Smith/ AP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Plötzlich war Josh Smith wieder ganz der Alte - seinen Atlanta Hawks hätte kaum etwas Schlimmeres passieren können. 6:21 Minuten waren noch zu spielen, und der Nummer fünf im Falken-Dress missfiel die Verteidigungsstrategie seines Gegners Al Harrington. Also fand Smith deutliche Worte in Richtung Schiedsrichter Bob Delaney. Der revanchierte sich mit einem technischen Foul. Smiths Reaktion? Noch deutlichere Worte - und die endgültige Disqualifikation. Atlanta verlor vor eigenem Publikum 107:114 gegen die schwachen New York Knicks.

Da war er also wieder: Der Josh Smith, zu dem die Fans in Georgia über die vergangenen fünf Jahre eine innige Hassliebe entwickelt haben. Der begnadete Hitzkopf, der sein Talent nicht dem Teamwohl, sondern der eigenen Agenda unterstellt. "Er darf sich nicht in solche Situationen bringen", kritisierte dann auch Hawks-Trainer Mike Woodson nach der Schlusssirene.

Zum Glück für die Nerven der Zuschauer und die Bilanz der Mannschaft sollte die unrühmliche Episode gegen die Knicks jedoch genau dies bleiben: eine Ausnahme, das reinigende Gewitter, der kurze, heftige Krach während der Hochzeitsreise. Tatsächlich erleben Smith, Team und Fan-Basis aktuell eine verspätete Honeymoon-Phase, die sie mitten in die Spitze der Eastern Conference hineinbefördert.

Rückblick: Vor dem Start der Saison 2009/10 schienen die Kräfteverhältnisse im Osten klar definiert. Boston, Cleveland und Orlando, die drei dominierenden Mannschaften der abgelaufenen Spielzeit, hatten sich auf dem Transfermarkt kräftig verstärkt. An diesem Triumvirat schien kein Vorbeikommen, der Konkurrenz blieb nur der Streit um die weiteren Platzierungen.

Nach etwas mehr als der Hälfte der regulären Saison jedoch sind die Atlanta Hawks mit einer Bilanz von 34 Siegen bei 20 Niederlagen ein mehr als ernstzunehmenden Bewerber um den Heimvorteil in den Playoffs.

Den Dreier aus dem Arsenal gestrichen

Doch wo liegen die Gründe für den Aufwärtstrend der Hawks? Die nackten Zahlen lassen nur einen Schluss zu: Mit Smith scheint der wohl talentierteste Athlet im Kader in seiner sechsten Saison den Sprung vom Hoffnungsträger zum (All-)Star-Spieler zu schaffen. Dabei beeindruckt der oberflächliche Blick auf die Statistiken des 24-Jährigen zunächst kaum. Gut 15 Punkte pro Partie bedeuten den drittniedrigsten Saisonschnitt der Karriere, dazu versenkt er kaum 63 Prozent seiner Versuche von der Freiwurflinie.

Doch besonders bei der Auswahl seiner Distanzwürfe hat Smith eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. 152 Dreierversuche hatte er sich noch in der Saison 2006/07 gegönnt, in den vergangenen beiden Spielzeiten waren es immer noch 99 beziehungsweise 87 Würfe von jenseits der Linie. Nur ein Mal knackte Smith dabei eine Quote von 30 Prozent, und das auch nur hauchdünn (30,9 Prozent im Jahr 2005/06).

Und in der laufenden Saison? Ganze sechs Mal probierte Smith sein Glück von ganz weit draußen, darunter ein Wurf in letzter Sekunde gegen die Houston Rockets. Als Konsequenz liegt er bei einem annähernd gleichen Punkteschnitt wie in der vergangenen Spielzeit - allerdings bei weniger Wurfversuchen und gesunkener Einsatzzeit.

Dominanz in der Defensive

Doch damit nicht genug: Wann immer ein Gegenspieler den Zug zum Korb riskiert, sollte er diesen mit Nachdruck zu Ende bringen. Korbleger (und nicht zuletzt zaghafte Dunkversuche) duldet Smith nicht. Viel lieber bestraft der 2,06-Meter-Mann halbherzige Offensivaktionen mit einem seiner spektakulären Blocks.

Als Musterbeispiel für die Vielseitigkeit des Hawks-Starters kann eine Aktion beim 130:107-Erfolg gegen die New Jersey Nets Mitte Dezember herhalten: Einen unpräzisen Diagonalpass von Devin Harris erstickt Smith im Ansatz, treibt den Ball mit Macht in die andere Richtung, lässt kurz zu Point Guard Mike Bibby abtropfen, der sich mit einem Alley-Oop-Anspiel bedankt. Es gibt wohl kaum einen zweiten Athleten in der Liga, der einen solchen Pass mit der gleichen Kombination aus Kraft und Eleganz mühelos in einen krachenden Dunking verwandelt. 213 Zentimeter Armspannweite, sensationelle Sprungkraft sowie ein perfektes Timing machen auch ungenaue Assists zur sicheren Beute.

Vom Schönspieler zum Drecksarbeiter

Im Übrigen können sich die Center der Liga noch so sehr strecken, mit durchschnittlich 2,1 Blocks pro Partie liegt Smith, als Small Forward gelistet, auf Platz vier in der NBA. "Am Anfang waren es einfach nur Jugend und Energie", erklärt Smith sein Händchen für defensive Höhepunkte. "Aber ich habe auch hart dafür gearbeitet. Jetzt verlassen sich meine Teamkollegen auf mich." Auch seinem Trainer erleichtert er so die Arbeit: "Es ist unglaublich. Er ist einfach ein überlegener Athlet. Josh sollte rausgehen und drei, vier Blocks pro Partie einsammeln. Er verändert den Spielverlauf", so Woodson.

Um das Paket komplett zu machen, nutzt Smith im bisherigen Saisonverlauf seine gute Beinarbeit und seine flinken Finger, um auch als Verteidiger abseits des Balls zu brillieren. Hier sind die Highlights seltener, der Bedarf an Energie und Einsatzwille dafür umso größer. In der Vergangenheit handelte sich der Forward gerade für seine Lethargie im Spiel ohne Ball immer wieder Kritik ein.

Lesen Sie morgen im zweiten Teil des FIVE-Portraits über Josh Smith: Wie der Forward sich und seinem Trainer das Leben schwer machte - und warum der Erfolg der Hawks für ihn eine Frage der Ehre ist.