Herren-Schützen "Ich habe Bockmist geschossen"
Sydney - Ralf Schumann suchte nach seinem fünften Platz gar nicht erst nach Ausreden. "Ich habe Bockmist geschossen. Das war mein schlechtester Wettkampf seit 14 Jahren. 584 Ringe sind weit unter meinem Niveau", übte der 38 Jahre alte zweimalige Olympiasieger vom Förderverein Schießsportzentrum Suhl barsche Selbstkritik. Während Schumann in keiner Phase der zweitägigen Entscheidung im Cecil-Park bei Sydney zu Normalform fand, fehlten Maik Eckhardt nur ein halber Ring oder zwei Millimeter zu Bronze. Der Dortmunder wurde Vierter im Liegendmatch mit dem KK-Gewehr, so dass die deutschen Schützen nach zwei Drittel aller Entscheidungen weiter auf eine Medaille warten.
Die Olympiasiege erkämpften im Liegendschießen der Schwede Jonas Edmann, mit der Schnellfeuerpistole Sergej Alifirenko (Russland) und im erstmals ausgetragenen Skeet-Wettkampf der Frauen die Aserbeidschanerin Zemfira Meftachetdinowa.
"Mister Perfect" Schumann zeigte unerwartet Unsicherheiten. "Ich war brutal nervös. Mit zunehmenden Alter wird man nicht abgeklärter. Im Gegenteil, es wird immer schlimmer - vor allem, wenn man stets daran erinnert wird, dass der dritte Olympiasieg möglich wäre", bekannte der in Stockheim in der bayerischen Rhön wohnende gebürtige Sachse. Er sei sehr gut vorbereitet gewesen und habe im Training hervorragend getroffen. "Deshalb halte ich jetzt auch von außen ins Team getragenen Diskussionen über die Trainer für völligen Quatsch. Die haben ihren Job gemacht. Die Schuld an der Niederlage liegt einzig bei mir", erklärte er.
Die vierte Olympia-Medaille beim vierten Start verfehlte Schumann aber auch wegen der zwei Ringe Abzug, die er als Strafe für seinen Protest am ersten Tag erhalten hatte. In der letzten Serie zeigte die Trefferauswertung eine "8" an, die der beste Schnellfeuerschütze aller Zeiten als "10", zumindest aber als "9" gesehen hatte. "Die Elektronik hat schon öfter versagt, zuletzt bei den deutschen Meisterschaften in München, als ich mit einem Protest Erfolg hatte. Das Risiko musste ich eingehen, denn die Ungewissheit für immer und ewig wäre viel schlimmer gewesen als die zwei Ringe Abzug", erklärte Schumann. Ohne die Strafe durch die sportlich höchst fragwürdige Regel wäre er Dritter geworden.
Gewehr-Spezialist Maik Eckhardt war als Siebter ins Finale eingezogen und schoss in der Schlussrunde mit 103,8 Ringen das beste Resultat. "Am Ende fehlte ein bisschen Glück. Die Medaille habe ich nicht im Endkampf vergeben. In den ersten drei Serien des Vorkampfs hätten es zwei Zehner mehr sein müssen", meinte der Dortmunder. "Ich bin aber lieber Vierter als Neunter wie vor vier Jahren", fügte der Hobby-Musiker zufrieden lächelnd an.
Nach dem ersten Tag in der Gewehr-Disziplin Laufende Scheibe liegen Michael Jakosits (Homburg/Saar) als Achter mit 290 Ringen (3 Zähler Rückstand) und Weltrekordler Manfred Kurzer (Frankfurt/Oder/287) als 13. nur Mittelfeld.