IAAF Baumann muss weiter zittern
Braunschweig - Auf dem Weg zu seinen vierten Olympischen Spielen könnte Dieter Baumann doch noch vom Internationalen Leichtathletik-Verband IAAF gestoppt werden. Während der Tübinger seine Vorbereitung auf Sydney intensiv vorantreibt, verdichten sich die Anzeichen, dass die IAAF den Fall des Olympiasiegers von 1992 noch einmal aufrollt. Die fünfköpfige Anti-Doping-Kommission der IAAF hat in einer schriftlichen Abstimmung entschieden, das Urteil des DLV-Rechtsausschusses nicht zu akzeptieren und vom Council des Weltverbandes überprüfen zu lassen. Sollte das höchste Gremium auf seiner Sondersitzung am Mittwoch in Monte Carlo dem Antrag folgen und das Schiedsgericht (Arbitration Panel) anrufen, würde Baumann nach den derzeit geltenden Regeln erneut suspendiert werden.
Der 35-jährige Schwabe sieht dem Treffen des Councils dennoch gelassen entgegen. "Die IAAF kann tagen, wird tagen. Es wird vom Ergebnis nichts Überraschendes bringen. Ich bin sehr optimistisch und glaube, dass ich mich ganz ungestört auf Sydney vorbereiten kann", erklärte Baumann nach seinem elften Titelgewinn bei den Deutschen Meisterschaften in Braunschweig.
Obwohl der Tübinger noch einmal zum Angeklagten werden kann, nutzte er die Meisterschafts-Bühne in Braunschweig zu schweren Anwürfen gegen die Konkurrenz. "Epo ist das Hauptproblem der Ausdauerathleten. Ohne die Anwendung von Epo schafft man keine Chancengleichheit", übte Baumann Pauschalkritik. Er will daher im Höhentrainingslager in St. Moritz auf legale Weise seine körpereigene Produktion von Erythropoietin "um zwei Drittel steigern", indem er einige Nächte auf 3000 m Höhe schläft.
Neben der anstehenden Entscheidung in Monte Carlo und dem Doping- Thema beschäftigen den Europarekordler über 5000 m derzeit auch noch andere Probleme. "Wer mich kennt, merkt, dass ich nicht fit bin. Meine körperliche Verfassung ist nicht so, wie sie sein soll. Das macht mich nachdenklich", meinte Baumann nach dem Sieg in Braunschweig über seine Spezialstrecke in mäßigen 13:39,17 Minuten. "Ich bin sportlich nicht in der Situation, wie ich das gern hätte", befand Baumann, der in Sydney unbedingt den Endlauf erreichen will. "Das ist mein Traum. Ob er realistisch ist, wird sich zeigen. Es wird auf jeden Fall eine ganz schwere Aufgabe. Ich muss mich auf einen knallharten Vorlauf einstellen und dort schon mein ganzes Leistungspotenzial zeigen."
Große Hoffnungen verbindet Baumann mit dem Höhentrainingslager in St. Moritz, wohin er sich im Anschluss an seinen Meetingstart am 20. August in Leverkusen begeben wird. Zuvor stehen noch Starts in Hechtel und beim Golden League-Meeting in Zürich auf dem Programm. "Das wird eine Bewährungsprobe, bei der ich eine Zeit um 13:10 Minuten laufen will", hofft Baumann auf einen rechtzeitigen Formanstieg.
Keinen Einfluss kann der Tübinger dagegen auf den Ausgang des Treffens in Monte Carlo nehmen. Da eine Einzelfallprüfung, wie sie auch von DLV-Präsident Helmut Digel gefordert wird, vor den Olympischen Spielen aus Zeitgründen nicht mehr erfolgen kann, ist eine Kompromisslösung denkbar. Die IAAF könnte den Fall Baumann an das Schiedsgericht weiter reichen, gleichzeitig aber die erst im Februar beschlossene und als Grundlage für eine sofortige Suspendierung dienende Regel 59.2. mit der Begründung außer Kraft setzen, dass sie nicht rückwirkend angewandt werden darf.