Infografik der Woche So führt Deutschland den Anti-Doping-Kampf
Der Deutsche Sport stellt sich gern als Vorreiter im Anti-Doping-Kampf dar und verweist dabei auf die im Vergleich zu anderen Nationen zahlreichen Dopingtests. Doch hier wäre mehr möglich, wie die Infografik der Woche von Statista und SPIEGEL ONLINE auf Basis der Jahresberichte der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) zeigt.
Insgesamt 8652 Trainingskontrollen hat diese im vergangenen Jahr demnach an deutschen Athleten durchgeführt. Das sind rund 500 mehr als im Vorjahr, aber nur rund hundert mehr als 2012 und sogar weniger als 2009. Hinzu kommt: Nur rund 27 Prozent der Tests sind Blutproben. Gerade einmal in 19 Sportarten werden überhaupt Bluttests gemacht.
Die Zahl der positiven Tests war 2014 gering. Die Nada verfolgte insgesamt 86 mögliche Verstöße gegen Anti-Doping-Bestimmungen. Insgesamt 22 Athleten wurden laut Jahresbericht sanktioniert, vier Verfahren endeten mit einem Freispruch und sieben dauern noch an. Hinzu kommen 18 Fälle, bei denen entsprechende Sonderzulassungen, etwa medizinische Atteste, vorlagen, sowie fünf Fälle, die wegen fehlender Zuständigkeit der Nada weitergeleitet wurden. Die Verfahren der übrigen 30 Fälle wurden eingestellt, da kein Dopingverstoß festgestellt wurde oder es nur mangelnde Anhaltspunkte gab.
Proben sind überwiegend sauber
Von den möglichen Verstößen waren nur 25 auf Trainingskontrollen zurückzuführen. Bei vier davon handelte es sich um einen Verdacht auf einen Verstoß gegen Vorschriften zur Verfügbarkeit für Trainingskontrollen. Bei genau so vielen Fällen gab es in Tests positive Ergebnisse im Hinblick auf verbotene Substanzen. Hinzu kommen 14 Fälle in denen vom "Gebrauch oder versuchten Gebrauch einer verbotenen Substanz oder Methode" ausgegangen wurde, sowie drei Fälle mit Anfangsverdacht auf Verweigerung oder unzulässiger Einflussnahme auf die Kontrolle.
Ob die Zahl der Fälle, die man gemeinhin unter einem Dopingfall versteht, so gering ist, weil der deutsche Sport so sauber oder weil das Kontrollsystem nicht hinreichend ist, darüber lässt sich streiten. Angekündigt hat die Nada, den Anti-Doping-Kampf weiter professionalisieren zu wollen. So werden 2015 erstmals auch alle Wettkampfkontrollen von der Nada organisiert. 2014 waren es noch rund ein Viertel.
Wie häufig getestet wird, ist zudem von Sportart zu Sportart unterschiedlich. Besonders Top-Athleten werden intensiver überprüft. Wer schnell in die Spitze aufsteigt, ist mitunter weniger Tests unterzogen worden als langjährige Top-Athleten.
Die meisten Kontrollen entfallen auf Leichtathleten
Auch anlassbezogen passt die Nada die Tests an: So habe man Anfang 2014 verstärkt Olympia- und Paralympics-Teilnehmer der Winterspiele in Sotschi kontrolliert. Einen weiterer Schwerpunkt habe die Agentur auf Tests der Fußballnationalspieler vor der Fußball-WM in Brasilien gelegt. Insgesamt wurden 2014 erneut die meisten Trainingskontrollen an Leichtathleten durchgeführt, wo der Athletenstamm aufgrund der vielen Disziplinen höher ist als in anderen Sportarten.
Finanziell sieht sich die Nada mittlerweile besser ausgerüstet, vor allem weil die Regierung im Koalitionsvertrag nachhaltige Finanzierung zugesagt habe. Die Vorstandsvorsitzende der Nada Andrea Gotzmann sagte auf der Jahrespressekonferenz: "Die Aussichten für die Zukunft sind erstmals deutlich besser als in den Jahren zuvor."
Auch das auf den Weg gebrachte Anti-Doping-Gesetze befürwortet die Agentur grundsätzlich. Aus Sicht der Nada diene das Gesetzesvorhaben der Anti-Doping-Arbeit und dem Schutz der sauberen Sportlerinnen und Sportler in Deutschland. Die Sorgen der Athleten nehme man sehr ernst, sagte und Chefjustiziar Lars Mortsiefer, der betonte: "Wichtig ist für uns, dass die Athleten über das Gesetz und die Inhalte umfassend aufgeklärt werden, um ihnen auch die Angst davor zu nehmen."
Zum Gesetzesvorhaben gab es am Mittwoch im Sportausschuss des Bundestags eine Anhörung, die zweite und dritte Lesung sollen im September stattfinden. In Kraft treten könnte das Gesetz zum ersten Januar 2016.