Ingo Schultz: Opfer des schnellen Aufstiegs - DER SPIEGEL
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Ingo Schultz Opfer des schnellen Aufstiegs

Weil er angeblich nicht genügend unangemeldete Trainingskontrollen vorweisen kann, soll dem neuen deutschen Leichtathletik-Star Ingo Schultz die ihm zustehende Prämie entzogen werden.
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Edmonton - Verwirrung um Ingo Schultz: Um den Anspruch des Sensations-Zweiten über 400 Meter bei der Leichtathletik-WM in Edmonton auf die 30.000 Dollar Prämie des Weltverbandes (IAAF) herrscht noch Unklarheit. Zunächst hatte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV), in Kanada erklärt, dass Schultz nicht die von der IAAF für die Auszahlung von Platzierungsgeldern vorgeschrieben mindestens zwei Dopingkontrollen vorweisen kann, ehe die DLV-Geschäftsstelle in Darmstadt am Donnerstagnachmittag dagegen auf zwei Kontrollen des "Aufsteigers" im Juni 2000 und Januar 2001 verwies.

Buß wurde kontrolliert


Nicht bestätigt hat sich dieses Problem indes bei Hochsprung-Weltmeister Martin Buß. Der DLV korrigierte am Donnerstagnachmittag Angaben von Rüdiger Nickel. Der Vorsitzende des Bundesausschusses Leistungssport hatte in Edmonton erklärt, dass bei Buß im vorgegebenen Zeitraum überhaupt kein unangemeldeter Test vorgenommen worden sei. Die Darmstädter DLV-Zentrale stellte dagegen fest, die Daten der Anti-Doping-Kommissionen von Deutschem Sportbund (DSB) und DLV sagten eindeutig aus, dass Buß zwischen Januar und August 2001 sechsmal unangemeldet im Training kontrolliert worden sei.

Ingo Schultz hingegen, der so schnell aufstieg, dass die Doping-Bürokraten ihn nicht mit gleichem Tempo erfassen konnten, wurde laut Prokop dieses Jahr noch gar nicht und im vergangenen Sommer lediglich einmal auf verbotene Substanzen getestet. Eingebunden in das Programm der IAAF sind die 50 weltbesten Athleten jeder Disziplin. Die DLV-Geschäftsstelle wies auf Schultz' bisherigen Status als B-Kader-Athlet und die damit verbundene geringere Zahl von Kontrollen als bei anderen WM-Startern hin: "Es liegt nicht im Einfluss des Athleten, wie häufig er zu Trainingskontrollen ausgelost wird."

Weltverband prüft


"Es liegt jetzt am Weltverband IAAF. Es wird eine Überprüfung aller Athleten durchführen, die in Edmonton Prämien erkämpft haben", erklärte der neue IAAF-Vizepräsident und ehemalige DLV-Chef Helmut Digel. Prokop, Digels Nachfolger als DLV-Präsident, sieht eine "begründete Chance, dass Ingo Schultz seine Prämie erhält". Er wolle dafür sorgen, dass die 400-Meter-Entdeckung "nicht Opfer des Systems" werde, und sich dafür einsetzen, dass Schultz im Falle einer Weigerung der IAAF aus anderer Quelle belohnt wird.

Zwischen den Mühlsteinen der Bürokratie


Prokop kündigte ein neues System an, das Aufschluss darüber gebe, wie oft Athleten während eines bestimmten Zeitraums getestet worden seien. Ingo Schultz war schon vor der WM 1999 "Opfer" seines schnellen Aufstiegs. Weil er 1998 nur eine 400-m-Bestzeit von 49,51 Sekunden verzeichnete, gehörte er nicht zu den besten Deutschen, die im Kontrollsystem erfasst sind. Nur sie dürfen international für den DLV starten. So kam Schultz vor zwei Jahren um den WM-Start in Sevilla. Damals war es der DLV gewesen, der sich im Januar 1999 bürokratisch zeigte und Schultz wegen der drei Wochen zu spät erfolgten Anmeldung nicht ins Kontrollsystem aufnahm.