Interview "Das ist der reine Wahnsinn"
Nach zwei Olympiasiegen und einem Weltmeistertitel über 5000 Meter sind sie nun erstmals Allround-Titelträgerin. Welchen Wert hat dieser Erfolg für Sie?
Claudia Pechstein:
Das ist der reine Wahnsinn. Ich feiere jetzt erst einmal ein großes Fest. Auf solch einen Sieg gegen Gunda Niemann-Stirnemann habe ich lange warten müssen. Viermal war sie in den letzten Jahren die Bessere und hat mir immer nur Platz zwei gelassen.
Wann wuchsen die Hoffnungen auf den Sieg?
Pechstein: Nach dem direkten Erfolg über 1500 Meter wusste ich, es kann klappen, da war ich sehr optimistisch. Ich bin in diesem Jahr ohne Verletzungen oder die üblichen Erkältungskrankheiten durchgekommen und war topfit. Mein Trainer Achim Franke hat mir die entsprechende Sicherheit gegeben.
War die Entscheidung denn so klar?
Pechstein: Nein, es war die Hölle. Gegen Gunda muss man über seine Grenzen gehen. Sie hat ständig den Rhythmus gewechselt, und ich musste dranbleiben, egal wie. Die Beine wurden immer fester, auf der letzten Runde habe ich gar nichts mehr gemerkt oder gehört. Ich habe nur noch gesehen, dass der Rückstand nicht zu sehr wächst.
Haben Sie überhaupt mitbekommen, was um Sie herum vorgeht?
Pechstein: Oh ja. Hier waren rund 2000 Fans aus Holland in der Halle, die haben eine Stimmung wie beim Karneval gemacht. Ohne die Niederländer wäre es in der ganzen Welt beim Eislaufen langweilig. Ich würde mir so etwas auch mal von den Berlinern oder Erfurtern wünschen.
Das Interview führte Jürgen Strauß.