Rennfahrer Glock: Königsklasse adé, DTM olé
DTM-Pilot Glock "Das Ziel sind die Top Fünf"
SPIEGEL ONLINE: Herr Glock, wie schwer fiel Ihnen die Umstellung von der Formel 1 auf die DTM?
Glock: Das ging grundsätzlich relativ schnell. Was etwas dauert, ist die neue Fahrweise den jeweiligen Strecken anzupassen. In einem DTM-Auto muss man jeden Kurs, obwohl man vielleicht schon in einem Formel-1-Wagen auf ihm gefahren ist, wieder neu kennenlernen.
SPIEGEL ONLINE: Was genau ist der größte Unterschied zwischen den Rennserien?
Glock: Das Gewicht des Autos ist fast doppelt so hoch. Die Reifen sind auch andere. Diese Kombination sorgt dafür, dass man einen viel früheren Bremszeitpunkt wählen muss. In der Formel 1 versucht man, so spät wie möglich zu bremsen.
SPIEGEL ONLINE: Sie sind DTM-Neuling, aber zugleich schon einer der Stars. Ist das eine Belastung?
Glock: Soweit würde ich nicht gehen. Aber ich spüre die Aufmerksamkeit schon. Ich habe noch nie so viele Fragen beantwortet wie in den vergangenen Wochen.
Glock reiht sich ein in die Liste der Fahrer, die von der Formel 1 in die DTM wechselten. Andere prominente Beispiele sind der zweimalige F1-Weltmeister Mika Häkkinen, Ralf Schumacher, David Coulthard und Heinz-Harald Frentzen. Was alle einte: Sie waren bei ihrem Wechsel schon über 30 Jahre alt und überschaubar erfolgreich in der DTM.
SPIEGEL ONLINE: Schumacher und Coulthard haben ihre DTM-Karriere nach der vergangenen Saison beendet, einen Sieg haben beide nie erreicht. Warum werden Sie erfolgreicher sein in der DTM?
Glock: Ich weiß doch gar nicht, ob ich erfolgreicher sein werde. Leider habe ich nicht mit Ralf und David sprechen können, wo ihre Probleme lagen. Aber beide saßen ja auch viel länger als ich in einem Formel-1-Auto, vielleicht war die Umstellung einfach zu groß. Ich bin jedenfalls sehr motiviert und bereit, mich auf dieses neue Abenteuer einzulassen.
SPIEGEL ONLINE: Was ist das Ziel in Ihrer ersten Saison?
Glock: Die ersten Rennen sehe ich als Lernphase und Teil der Vorbereitung. Wenn dabei der eine oder andere Punkt, sprich Platz neun oder zehn herausspringt, wäre das klasse. Zum Ende der Saison sollte es aber schon das Ziel sein, um die ersten fünf Plätze mitzufahren.
SPIEGEL ONLINE: Wer sind für Sie die Favoriten auf den Titel?
Glock: Titelverteidiger Bruno Spengler und Martin Tomczyk gehören sicherlich dazu. Dann die üblichen Verdächtigen, Mattias Ekström, Timo Scheider, Gary Paffett. Und Augusto Farfus halte ich für einen sehr guten Fahrer.
Seit 2008 fuhr Glock in der Formel 1, zunächst für Toyota, später für den Virgin-Rennstall und dessen Nachfolger Marussia. Sein Vertrag dort lief eigentlich noch bis Ende 2014, dennoch wurde er Anfang dieses Jahres aufgelöst, Glock wurde abgefunden. Weil Marussia finanzielle Probleme hatte, wollte das Team einen sogenannten Bezahlfahrer verpflichten. So werden Piloten genannt, die zahlungskräftige Sponsoren mitbringen. Die Wahl fiel auf Jules Bianchi.
SPIEGEL ONLINE: Sie mussten beim Formel-1-Team Marussia gehen und einem Bezahlfahrer weichen, weil der Rennstall nicht genug Geld hatte. Ist das eine schlechte Entwicklung?
Glock: Es gab ja schon immer diese Bezahlfahrer in der Formel 1, von daher ist das nichts grundsätzlich Neues. Wenn dieser Trend aber anhält, wird es gefährlich.
SPIEGEL ONLINE: Was meinen Sie genau?
Glock: Es wäre nicht gut, wenn immer mehr Teams auf Fahrer angewiesen sind, die Geld mitbringen, weil die Rennställe zu geringe finanzielle Mittel haben. Die Schere zwischen den großen und kleinen Teams ist in den vergangenen Jahren immer weiter aufgegangen. Hält das an, hat außer Red Bull, Ferrari und McLaren kaum ein Rennstall noch eine Chance auf Siege.
SPIEGEL ONLINE: Sie haben einmal gesagt, fahrerisch sei die Formel 1 das Höchste vom Höchsten. Würden Sie gerne dorthin zurückkehren?
Glock: Momentan ist die Formel 1 für mich ganz weit weg, jetzt freue ich mich auf die DTM. Aber man soll niemals nie sagen.