Interview mit Erol Simsek "Tiger Woods ist sein Geld wert"
SPIEGEL ONLINE:
Herr Simsek, Sie sind in der Türkei geboren und zusammen mit Ihrer Familie vor 21 Jahren nach Deutschland gekommen. Ihr Vater hat in einer Fabrik gearbeitet. Wie kommt man da zum Golfsport?
Erol Simsek: Ich bin in Bad Pyrmont aufgewachsen und habe im dortigen Golfclub zunächst als Caddy ein wenig Taschengeld verdient. Dann bin ich dort Mitglied geworden und irgendwann auch mal Clubmeister. Nach meinem Wechsel 1989 nach Bad Salzuflen habe ich meine Golflehrerausbildung begonnen und mich Ende 1995 dazu entschlossen, "Playing Pro" zu werden - also keinen Unterricht mehr zu geben, sondern als Profi zu spielen. Wenig später konnte ich mich erstmals für die Challenge Tour qualifizieren und dort sechs Jahre spielen. Dieses Jahr habe ich dann endlich den Sprung in die European Tour geschafft.
SPIEGEL ONLINE: Wie ist Ihre erste Saison mit den besten Golfern Europas bisher verlaufen?
Simsek: Ich habe zwölf Turniere gespielt, bei denen ich neunmal im Cut war. Damit kann ich ganz zufrieden sein. Außerdem durfte ich im Rahmen der European Tour zu Beginn dieses Jahres erstmals außerhalb Europas antreten, in Südamerika, Australien, Südafrika und Malaysia.
SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie große Umstellungsprobleme?
Simsek: Die Golfplätze in Übersee sind anders, die Grasssorten sind verschieden. Da muss man sich wirklich völlig umstellen. Aber da das Wetter im Frühjahr in Deutschland so schlecht ist, wollte ich möglichst viele Turniere spielen - und die äußeren Bedingungen dort sind optimal. Wenn ich den Cut mal nicht schaffte, hatte ich den ganzen Samstag und Sonntag zum Trainieren. Außerdem reise ich sehr gerne, deshalb haben mir die ganzen Distanzen nichts ausgemacht.
SPIEGEL ONLINE: Welche weiteren Unterschiede gibt es im Vergleich zur unterklassigen Challenge Tour?
Simsek: Es gibt bessere Plätze, die Organisation ist ausgezeichnet und der Service der Schlägerfirmen optimal. Das Entscheidende aber ist, dass man mit vielen exzellenten Spielern unterwegs ist, von denen man sich schon das eine oder andere abschauen kann. Die Spitze auf der European Tour steht sehr, sehr eng zusammen. Um da mithalten zu können, muss man von Anfang an voll draufspielen. Defensiv zu agieren, geht überhaupt nicht. Man geht immer auf die Fahne, muss sich dauernd Chancen herausspielen und die sofort nutzen, sonst ist man sofort weg vom Fenster.
SPIEGEL ONLINE: Wie lautet ihr Ziel für die laufende Saison?
Simsek: Ich möchte am Ende des Jahres unter den ersten 115 der europäischen Geldrangliste sein. Dann ist man automatisch für die folgende Saison auf der European Tour qualifiziert. Im Augenblick liege ich um Platz 125 - das wird also ein Kampf bis zum Ende der Saison.
SPIEGEL ONLINE: Und was haben Sie sich für die Tage hier in St. Leon-Rot vorgenommen?
Simsek: Ich habe hier jetzt nach langer Zeit meinen Trainer Henning Strüver wiedergetroffen, den Onkel meines Tourkollegen Sven Strüver. Wir haben uns lange nicht mehr gesehen und wollen jetzt noch ein paar Sachen umgestellen. Das ist zwar ein kleines Risiko so kurz vor einem Turnier, aber es wird wichtig sein im Hinblick auf die nächsten Wochen. In mein Spiel haben sich über die letzten Monate einige Sachen eingeschlichen, die behoben werden müssen.
SPIEGEL ONLINE: Tiger Woods, der wie Sie hier in St. Leon-Rot antritt, bekommt angeblich ein Startgeld von zwei Millionen Dollar. Haben Sie damit ein Problem?
Simsek: Natürlich hat Tiger Woods seinen Preis, aber den ist er auch wert.
SPIEGEL ONLINE: Können Sie das etwas genauer begründen?
Simsek: Jeder kennt Tiger Woods, auch die Leute, die kein Golf spielen. Zum Turnier hier werden Zuschauer kommen, die noch nie etwas mit Golf zu tun gehabt haben. Wenn sie ihm zusehen, werden sie auch die anderen guten Spieler kennen lernen.