Interview mit Fabian Hambüchen "Alles wird schwieriger und riskanter"
Frage:
Vergangenes Jahr sind Sie in Athen Olympia-Siebter am Reck geworden. Wie haben Sie im Anschluss den Rummel um Ihre Person verkraftet?
Hambüchen: Es war schon ziemlich stressig. Nach dem Finalwettkampf in Athen hatte ich in einer Woche 72 Pressetermine. Ich hätte nicht gedacht, dass der Rummel so groß wird.
Frage: Athen war das Highlight im vergangenen Jahr. Welche Höhepunkte stehen 2005 auf dem Programm?
Hambüchen: In vier Wochen reise ich zum Weltcup nach New York, danach folgt ein Start beim Weltcup in Cottbus. Im Mai stehen die Einzel-Europameisterschaften in Debrecen an und als Höhepunkt folgen dann die Weltmeisterschaften im November in Melbourne.
Frage: Welchen Stellenwert besitzen diese Wettkämpfe für Sie?
Hambüchen: Der Weltcup ist für mich eine zweite Weltmeisterschaft. Er steht noch über den Europameisterschaften, obwohl es für mich die erste EM bei den Senioren ist. Zudem gab es noch nie eine Einzel-EM, in die der Mehrkampf integriert ist.
Frage: Sie waren in Athen am Reck der drittbeste Europäer. Wie sehen Sie ihre Chancen bei der EM?
Hambüchen: Ich möchte natürlich mindestens ein Finale erreichen und im Mehrkampf unter die besten 15 kommen. Es gibt aber ein neues Wertungsverfahren. Da muss man abwarten, wie sich die Konkurrenz darauf einstellt.
Frage: Was gibt es für Veränderungen?
Hambüchen: Der Ausganswert jeder Note lag früher bei 8,8. Durch seine Übung konnte man dann auf die Note 10,0 kommen. Jetzt liegt der Ausgangswert nur noch bei 8,4. Dies hat zur Folge, dass die Übungen länger werden und sich die Anzahl der Flugteile und Drehungen erhöhen. Ich werde ein bis zwei neue Drehungen in meine Übung einarbeiten müssen. Alles wird schwieriger und riskanter.
Frage: Jeder Sportler hat Stärken und Schwächen. Wo liegen diese bei Ihnen?
Hambüchen: Ich bin sehr ehrgeizig, trainiere 20 bis 24 Stunden in der Woche. Vor den Wettkämpfen bin ich zwar nervös, aber ich kann mich bei der Übung sehr gut konzentrieren. Meine Schwächen liegen am Pauschenpferd und an den Ringen. Ich hoffe, dass ich in eineinhalb Jahren ausgewachsen bin. Dann kann ich das notwendige Krafttraining angehen und die entsprechende Muskulatur für die Ringe aufbauen. Nur dann kann man auch im Mehrkampf Weltklasse sein. Ich plane im Sommer einen dreiwöchigen Aufenthalt in Japan, um zu sehen, wie dort die Top-Leute trainieren.
Frage: Was können wir dann von Fabian Hambüchen 2008 in Peking erwarten?
Hambüchen: Solange ich turne, möchte ich Mehrkämpfer bleiben und mich an allen Geräten weiter verbessern. Das wird nicht einfach, besonders wenn sich die Regeln weiter verändern sollten. Ich bin noch jung und möchte mich für Peking nicht unter Druck setzen. Ich denke, dass ich noch an drei Olympischen Spielen teilnehmen werde. Natürlich ist es mein Ziel, einmal Olympiasieger zu werden. Egal ob 2008, 2012 oder 2016.
Frage: Wie sehen denn ihre Planungen für Peking aus?
Hambüchen: Wenn alles glatt läuft, werde ich 2007 mein Abitur machen. Danach habe ich ein Jahr Zeit, um mich in Ruhe vorzubereiten. 2007 stehen aber auch noch die Weltmeisterschaften in Stuttgart an.
Frage: Wie gehen Sie mit dem Thema Doping um?
Hambüchen: Das würde ich nicht riskieren. Es würde auch im Turnen nicht viel bringen, höchstens an den Ringen. Und außerdem glaube ich, dass man auch ohne erfolgreich sein kann.
Frage: Und wie sehen Ihre privaten Pläne aus?
Hambüchen: Erst einmal das Abi schaffen, dann muss ich entscheiden, was ich studiere. Vielleicht gehe ich nach Köln zur Sporthochschule, vielleicht ins Ausland.
Frage: Bleibt eigentlich Zeit, Ihre ganze Fanpost zu beantworten?
Hambüchen: So viel ist das gar nicht. Meist sind es nur Autogrammwünsche. Ab und an sind aber auch nette Briefe mit Fotos von Mädchen dabei. Und ich bin seit anderthalb Wochen Single.
Aufgezeichnet von Oliver Mucha, sid