Interview mit Frank von Behren: "Können mit jedem Team mithalten" - DER SPIEGEL
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Interview mit Frank von Behren "Können mit jedem Team mithalten"

Am Dienstag beginnt in Frankreich die Handball-WM. Vor der ersten Partie der DHB-Auswahl gegen die USA sprach SPIEGEL ONLINE mit dem neuen Kapitän Frank von Behren, 24.
Von Till Schwertfeger
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Herr von Behren, können Sie sich an den letzten WM-Titel deutscher Handballer erinnern?


Frank von Behren: 1978 war ich erst zwei Jahre alt. Da bin noch vorm Weihnachtsbaum rumgelaufen.


SPIEGEL ONLINE: An welchen der "Helden von 1978" erinnern Sie sich besonders?


Von Behren: Mich verbindet eine Freundschaft zu Dieter Waltke, der damals als Joker drei Tore warf. Er war mein Leistungskurslehrer in der Schule. Als ich in der B-Jugend war, spielte Waltke noch in der dritten Liga für meinen Heimatverein TV Hille.


SPIEGEL ONLINE: Beim WM-Triumph war der heutige Bundestrainer Heiner Brand ebenfalls dabei. Auch vom Abschneiden bei der WM macht Brand abhängig, ob er seinen 2002 auslaufenden Vertrag verlängert. Setzt das die Mannschaft unter Druck?


Von Behren: Unsere Vorbereitungsergebnisse waren nicht gerade herausragend. Deshalb befinden wir uns in einer guten Situation: Wir haben nichts zu verlieren. Wir müssen gegen die USA und Grönland gewinnen, klar. Aber ansonsten verspüren wir keinen Erfolgsdruck. Das ist eine bessere Situation als vor den letzten Turnieren.


SPIEGEL ONLINE: Aus dem Olympia-Kader von Sydney sind nur sieben Spieler übrig geblieben. Droht da nicht der Rückfall in die Zweitklassigkeit?


Von Behren: So was kann immer passieren. Viel wird davon abhängen, wie wir ins Turnier starten. Aber Angst haben nicht. Wir spielen alle in der Bundesliga, haben uns da durchgesetzt. Auch mit unserem derzeitigen Kader können wir mit jeder Mannschaft der Welt mithalten.


SPIEGEL ONLINE: Wer sind die WM-Favoriten, was ist für die deutsche Mannschaft drin?


Von Behren: Wie immer - Spanien, Schweden, Frankreich, Russland. Wir wollen mindestens unter die ersten acht.


SPIEGEL ONLINE: Sie klingen selbstbewusst. Heiner Brand hat Sie, den 24-Jährigen, zum Kapitän ernannt, um "ein Zeichen zu setzen, dass eine neue Generation da ist". Ist das Motivation oder Last?


Von Behren: Eher Motivation. Der Bundestrainer gibt mir damit noch mehr Selbstvertrauen. Ich kann alles das machen, von dem ich glaube, dass es richtig ist.


SPIEGEL ONLINE: Warum ist Ihr Spitzname eigentlich Franz?


Von Behren: Das hat nichts mit Franz Beckenbauer zu tun. Ein Mannschaftskamerad hatte sich vor Jahren im Training versprochen. Seitdem werde ich Franz statt Frank gerufen.


SPIEGEL ONLINE: Sie fallen durch Ihre Rasta-Frisur auf, haben mal gesagt, Sie wären lieber Rockstar geworden.


Von Behren: Das war nicht ganz ernst gemeint. Ich sage zwar immer, dass ich gut singen kann, viele haben da aber eine andere Meinung. Ich würde gerne ein paar Instrumente spielen. Doch ich hatte nie Zeit. Über Blockflöte bin ich deshalb nie hinaus gekommen.


SPIEGEL ONLINE: Gibt es Songs, mit denen Sie sich vor dem Spiel aufputschen?


Von Behren: Ja, sicherlich. Songs, an die ich gute Erinnerungen habe. Lieder, die wir bei Olympia gehört haben: "Beds are Burning" von Midnight Oil und...wie heißt die kleine Australierin noch?

SPIEGEL ONLINE: Kylie Minogue?


Von Behren: Genau. "Spinning around" von Kylie Minogue.


SPIEGEL ONLINE: Ihr Nationalmannschaftskollege Stefan Kretzschmar hat auf MTV seine eigene Show. Können Sie sich so etwas auch vorstellen?

Von Behren: Nein. Ich habe kein Bedürfnis, mich öffentlich zu präsentieren. Man steht sonst schnell in der Kritik, wird angreifbar.


SPIEGEL ONLINE: Seit Kretzschmars Beziehung zu Franziska von Almsick öffentlich wurde, wird ihm vorgeworfen, schlechter zu spielen. Wie geht das Nationalteam damit um?


Von Behren: Das ist Kretzschmars Privatsache. Er weiß, dass er unter besonderer Beobachtung steht. Über die Ausmaße der Berichterstattung, sagte er, sei er aber selbst sehr überrascht gewesen. Er war froh, dass die Geschichten über Boris Becker alles andere in den Schatten stellten.


SPIEGEL ONLINE: Spielte er zuletzt nicht tatsächlich schlechter?


Von Behren: Nein. Als Außen ist er abhängig von den Anspielen. Als Magdeburg in Kiel verlor, bekam er nur wenige Bälle, verwandelte aber alle. Insgesamt bot er eine gute Leistung. In der "Bild"-Zeitung stand dann, der Franzi-Freund sei blass geblieben. Da hab ich gedacht: Donnerwetter. Das ist hart und steigert nicht gerade das Selbstvertrauen.


SPIEGEL ONLINE: Der Satz "Es ist schwieriger, im Verein einen Stammplatz zu erkämpfen als in der Nationalmannschaft" stammt von Ihnen. Was sagt er über die Probleme im deutschen Handball aus?


Von Behren: Das galt erst mal nur für mich. Über die Nationalmannschaft habe ich im Verein einen Stammplatz erhalten. Obwohl ich in Minden gar nicht spielte, hat mich Heiner Brand immer wieder nominiert, bis ich dann auch im Verein zum Zug kam. Weil unmittelbar nach dem Bosman-Urteil so viele Ausländer in die Bundesliga gekommen sind, hatten junge Rückraumspieler keine Chance. Auch heute noch ist es schwer. Aber aus finanziellen Gründen setzen einige Teams wieder auf den Nachwuchs. Wallau hat das bislang toll durchgezogen.

SPIEGEL ONLINE: Zurück zur WM. Spanien, Kroatien und Südkorea sind die schwersten Gegner in der deutschen Vorrundengruppe. Aber haben Sie schon mal gegen Grönland gespielt, das für Kuba nachgerückt ist?


Von Behren: Noch nie. Das ist die zweite Auswahl der Dänen. Die Dänen sagen, das sei sogar nur ihre dritte Garnitur.


SPIEGEL ONLINE: Da können Sie von Glück sprechen. Kuba wäre ein schwierigerer Gegner gewesen.


Von Behren: Grönland ist uns auf jeden Fall lieber als Kuba. Als wir in Sydney gegen die Kubaner mit acht Toren führten, warf einer von denen drei Tore hintereinander. Der hat sich dann nach jedem Treffer auf die Brust gehauen und "Für mein Vaterland" geschrien.