Interview mit Ingo Schultz: "Es ist wie im Traum" - DER SPIEGEL
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Interview mit Ingo Schultz "Es ist wie im Traum"

Ingo Schultz kam ohne große Erwartungen zur Leichtathletik-WM nach Edmonton. Nun ist der für die LG Dortmund startende Hamburger Vizeweltmeister über 400 Meter.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Herr Schultz, quasi aus dem Nichts sind Sie über 400 Meter zu WM-Silber gestürmt. Wie haben Sie das gemacht?

Ingo Schultz:

Es ist wie im Traum. Es dauert sicher eine Zeit, bis ich aufwache. Mein Ziel hier war die Teilnahme am Halbfinale. Das habe ich locker geschafft. Alles, was danach kam, hätte ich niemals zu träumen gewagt. Ich habe alles gegeben, die Physis hat gestimmt, der Kopf war frei. Die meisten Finalteilnehmer kannten mich nicht, jetzt werden sie sich an mich gewöhnen müssen.

Wie ist so eine Leistungsexplosion möglich? Vor drei Jahren haben Sie erst mit dem 400-Meter-Laufen angefangen?

Schultz: Als ich 1994 zur Bundeswehr kam, bin ich in den Sport reingekommen. Vorher habe ich mich nicht so sehr dafür interessiert. 1997 hatte ich dann die Idee, mit Leistungssport anzufangen. Ich wollte etwas Neues ausprobieren, das Studium hat mich nicht ausgelastet. Ich wollte mehr. Ich habe verschiedene Disziplinen ausprobiert, mit dem Werfen und Stoßen hatte ich so meine Probleme. Für die Laufdisziplinen war ich eher geeignet.

Ihre Schwester hat verraten, dass Ihr Vater Ihnen einen Ferrari versprochen hat, wenn Sie hier eine Medaille gewinnen.

Schultz: Nein, ganz so ist das nicht. Als ich klein war, hat er einmal zu uns gesagt, dass er uns einen Ferrari schenken würde, wenn einer von uns eine Goldmedaille bei Olympia gewinnen würde. Daran muss ich noch arbeiten.

Ihre Mission bei der WM in Edmonton ist noch nicht beendet.

Schultz: Mein nächstes Ziel ist der Staffellauf, dort wollen wir ins Finale, dann werden die Karten neu gemischt. Wir sind alle in guter Form.


Aufgezeichnet von Berthold Mertes, sid.