Interview mit Jutta Kleinschmidt: "Der Mensch als Puffer" - DER SPIEGEL
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Interview mit Jutta Kleinschmidt "Der Mensch als Puffer"

Für Jutta Kleinschmidt war die 27. Dakar-Rallye ein großer Erfolg. Die Siegerin von 2001 wurde Dritte. Dennoch war die Freude der Deutschen getrübt. Die vielen Toten bei der diesjährigen Auflage konnte auch Kleinschmidt nicht verdrängen. Die Veranstalter müssen die Streckenführung entschärfen, fordert sie.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frage:

Frau Kleinschmidt, am Ende sind Sie bei der 27. Dakar-Rallye zusammen mit Ihrer italienischen Beifahrerin Fabrizia Pons Dritte geworden. Welche Bilanz ziehen Sie?

Kleinschmidt: Es ist das, was ich erhofft hatte, denn erwarten konnte man das nicht. Das Starterfeld war wirklich sehr stark. Alle im Team haben ein bisschen vom Podium geträumt, deshalb bin ich sehr, sehr glücklich, dass wir das geschafft haben.

Frage: Sie hatten bis auf den vorletzten Tag, als es ein Problem mit der Lenkung gab, kaum Schwierigkeiten. Wie haben Sie die Rallye erlebt?

Kleinschmidt: Wir hatten ein sehr gutes Rennen und haben es bis auf diesen einen Tag immer geschafft, unter den ersten zehn zu sein, meistens sogar unter den ersten fünf. Das hatte ich mir vorgenommen, denn nur so kann man am Ende einen guten Platz holen. Wir hatten einige kritische Momente wie bei der Etappe nach Tichit, als wir uns mit dem Sprit ein bisschen verkalkuliert hatten. Oder einen Tag, als wir das Differenzial gewechselt haben und erst fünf Minuten vor dem Start fertig waren. Das waren Situationen, in denen man schon geschwitzt hat.

Frage: Und dann kam der Lenkungsbruch auf der drittletzten Etappe.

Kleinschmidt: Im ersten Moment dachte ich wirklich: Das war's - fürs Podium auf alle Fälle. Dann konnte ich aber dank Robby Gordon und seinem Co-Piloten Dirk von Zitzewitz das Teil ausbauen, und das sogar sehr schnell. Die hatten nach ihrem Unfall ja schon einmal die Lenkung ausgebaut. Es war spitze, wie das Team zusammengehalten und gemeinsam für diesen Podiumsplatz gekämpft hat.

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Frage: Neben Ihrem Spitzenplatz gab es auch noch vier Etappensiege, zwei von Robby Gordon und je einen von Ihnen und Bruno Saby. Besser konnte es für VW nicht laufen, oder?

Kleinschmidt: Wir haben das, was wir uns vorgenommen haben, voll erfüllt. Es hat sich gezeigt, dass unser Auto sehr robust ist und viel aushält. Drei Etappensiege, das Podium, dazu Rang fünf und selbst für Robby Gordon noch ein guter Platz trotz seiner vielen Probleme, das ist schon toll. Aber wir werden jetzt noch härter arbeiten, um im nächsten Jahr ganz vorne mit dabei zu sein und vielleicht auch Mitsubishi zu schlagen.

Frage: Leider ereigneten sich bei dieser Dakar-Rallye auch wieder tragische Unfälle. Zwei Motorradfahrer sind tödlich verunglückt, dazu gab es noch drei Tote im Umfeld der Veranstaltung.

Kleinschmidt: Das ist natürlich sehr traurig. Vor allem Fabrizio Meoni war jemand, der jahrelang dabei war und den man daher sehr gut kannte. Gerade für die Motorradfahrer ist das Rennen sehr gefährlich. Ich hoffe, dass der Veranstalter für das nächste Jahr die Strecke ein wenig ändert. Weniger Kamelgras und reine Offroad-Passagen, denn dort ist es sehr gefährlich, weil es viel mehr Fallen gibt als auf einer Dünenstrecke oder einer reinen Piste, wo man einfach sicherer unterwegs sein kann.

Frage: Muss man vielleicht für die Motorradfahrer andere Etappen planen als für die Autos?

Kleinschmidt: Ich glaube nicht, dass das nötig ist. Man muss die Streckenführung insgesamt ändern. Auch für uns sind diese Strecken nicht schön. Man hat auch gesehen, wie viele Unfälle es bei den Autos gegeben hat, bei denen zum Glück nicht so viel passiert ist. Die Fahrzeuge sind heute so wahnsinnig sicher, dass man das ganze Auto zerknuddeln kann, aber einigermaßen unbeschädigt aussteigt. Das ist der Unterschied zum Motorrad, da ist immer gleich der Mensch der Puffer. Der Veranstalter hat wohl geglaubt, dass durch die vielen Offroad-Strecken die Geschwindigkeit ein bisschen reduziert wird. Aber ich glaube, dass es nur gefährlicher wird.

Das Interview führte Thomas Straka, sid

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