Interview mit Marcel Hacker: "Ich bin ein seriöser Freak" - DER SPIEGEL
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Interview mit Marcel Hacker "Ich bin ein seriöser Freak"

Bei der vergangenen Weltmeisterschaft musste Marcel Hacker eine bittere Niederlage einstecken. Doch in Sevilla war der 25-Jährige topfit und holte verdient den WM-Titel. Entsprechend zufrieden zeigte sich der Einer-Ruderer aus Kassel nach seinem Triumph.
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Herr Hacker, Ihre Karriere verlief bisher sehr wechselhaft, jetzt sind Sie Weltmeister. Was empfinden Sie?

Marcel Hacker: Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Aber der große Traum ist der Olympiasieg. Darauf arbeite ich hin. Deshalb sehe ich den Erfolg von Sevilla als Zwischenstation. Allerdings hatte ich nicht damit gerechnet, dass es mit dem WM-Titel schon in diesem Jahr klappen würde.

Sie haben in diesem Jahr alle Rennen mehr oder weniger souverän gewonnen. Lässt sich so eine Vormachtstellung bis zu den Olympischen Spielen halten?

Hacker: Der Sieg war sicherlich ein Ergebnis der gesamten Saison. Aber kein Mensch kann immer gewinnen. Von der Kraft her liege ich mit meinen Konkurrenten Iztok Cop und Olaf Tufte auf einem Level. Aber sehr häufig werden Einer-Rennen im Kopf entschieden.

Aber von mentaler Stärke war bei Ihnen zuletzt wenig die Rede. Seit Ihrem überraschenden Halbfinal-Aus bei der vergangenen WM, als sie das Rennen zu schnell angegangen waren, galten Sie als ungeduldig. In Sevilla wirkten sie sehr kontrolliert.

Hacker: Ich habe aus meinen Fehlern gelernt. So ein Rennen wie in Luzern fährt man vielleicht nur einmal im Leben. Hier im Finale ist die Taktik meines Trainers Andreas Maul voll aufgegangen. Es war ein perfektes Rennen, auf den letzen 500 Metern war Fliegen angesagt. Meine Knochen haben gebrannt, aber ich habe alles reingepackt, was ich habe.

Nach Ihrem Erfolg werden Sie mit den prominenten Vorgängern Thomas Lange und Peter-Michael Kolbe verglichen. Mögen Sie solche Vergleiche?

Hacker: Wenn ich ehrlich sein soll, sie gehen mir auf die Nerven. Ich bin Hacker und nicht Kolbe oder Lange. Bei Kolbe kann ich mich kaum noch daran erinnern, wie er aussieht. Ich bin anders als die beiden. Ich bin nicht so ruhig und habe auch keine Probleme damit, in Fernsehinterviews das Wort Scheiße zu benutzen.

Im Vergleich zu vielen anderen erfolgreichen Sportlern fristen Ruderer finanziell eher ein Schattendasein. Können Sie nun mit der Unterstützung durch neue Sponsoren rechnen?

Hacker: Nach dem Nullergebnis in Luzern war ich sogar in den B-Kader abgerutscht. Jetzt steige ich immerhin wieder in den A-Kader auf. Darüber hinaus bin ich sicherlich ein optimaler Werbeträger - auf der einen Seite ein Freak, auf der anderen Seite seriös.

Das Interview führte Heinz Büse, dpa

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