Interview mit Phil Mickelson: "Die Emotionen sind das Einzigartige" - DER SPIEGEL
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Interview mit Phil Mickelson "Die Emotionen sind das Einzigartige"

Phil Mickelson ist ein überaus erfahrener Golfprofi. Doch der Ryder Cup stellt selbst für den US-Amerikaner etwas ganz Besonderes dar. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht Mickelson über die große Begeisterung beim Kontinentalvergleich und warum ihn der Teamwettbewerb sonst so reizt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Mister Mickelson, ihr Kapitän Curtis Strange hat Sie als großartigen Lochwettspieler bezeichnet. Können Sie uns etwas über den besonderen Reiz dieser Art von Wettkampf sagen? Über den Sieg im direkten Duell zweier Spieler entscheidet ja nicht die Gesamtzahl der Schläge, sondern die der gewonnenen Löcher.

Phil Mickelson: Ich liebe das Lochwettspiel. Es ist eine angenehme Abwechslung zum Zählwettspiel, das wir normalerweise bei Turnieren spielen. Zudem mag ich die Intensität, die bei einem Lochwettspiel zwischen zwei Spielern entsteht.

SPIEGEL ONLINE: Es heißt, das Lochwettspiel ein Wettbewerb sei, der Ihnen besonders liegt, weil Birdies Ihre Spezialität sind.

Mickelson: Lochwettspiel gefällt mir nicht nur, weil ich viele Birdies spiele. Das Besondere ist für mich eher der Zweikampf zwischen zwei Spielern. Beim Zählwettspiel spielt man gegen den Platz, gegen ein undefiniertes Spielerfeld und versucht so wenig Schläge wie möglich zu machen. Das Lochwettspiel ist jedoch ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Gegner, auf das man reagieren kann.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie uns etwas über die Rolle der Teamkapitäne erzählen?

Mickelson: Der Kapitän spielt eine wichtige Rolle in der Ryder-Cup-Woche. Jeder hat seinen eigenen Stil, wie er seine Paarungen zusammen stellt. Aber wenn es darauf ankommt, zählt nur, was die Spieler auf dem Platz leisten. Ich denke, die wichtigste Aufgabe eines Kapitäns, ist es, die Woche so gut wie möglich zu organisieren, um so wenig Ablenkungen und Unvorhergesehenes zuzulassen. Curtis Strange hat das diesmal ausgezeichnet gemacht. Schon früh wussten wir, wer mit wem spielen soll, in welchen Partien wir eingesetzt werden, natürlich je nach Trainingseindrücken. Da weiß jeder, woran er ist.

SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie, die Spieler wollen alles im Voraus wissen? Oder rührt der Enthusiasmus im Ryder Cup nicht daher, dass man lange im Unklaren ist, wer der Gegner sein wird?

Mickelson: Einerseits möchte ich als Spieler natürlich so früh wie möglich wissen, was in dieser Woche passieren wird: mit wem ich spiele, welche Golfballmarke wir benutzen, an welchen Löchern ich abschlage, welche Strategie wir fahren. Meine Leistung ist normalerweise viel besser, wenn ich weiß, was mich erwartet. Andererseits liegt auch der Reiz dieser Veranstaltung auch darin, dass lange nicht klar ist, wer mit wem und gegen wen spielt. Der Gegner wird ja ausgelost. Deshalb spekulieren auch die Fans von Anfang an mit.

SPIEGEL ONLINE: Ein Wort noch zu den Ereignissen in Brookline. Können Sie sich vorstellen, dass die Europäer diesmal besonders motiviert sind, weil es diesen berüchtigten Zwischenfall am 17. Grün gab? Damals stürmten ja Zuschauer auf den Platz, obwohl die Partie noch nicht beendet war.

Mickelson: Ich denke, die europäische Mannschaft wird diesmal eher motiviert sein, weil sie vor drei Jahren einen 10:6-Vorsprung am Sonntag verspielt hat. Die Emotionen 1999 waren eigentlich kaum anders als in den Ryder-Cup-Veranstaltungen zuvor. 1987, als ich erstmals eine Übertragung gesehen habe, haben die Leute auch auf den Grüns getanzt. Der Ryder Cup bringt Gefühle zum Vorschein, die es sonst im Golfsport nicht gibt. Das ist ja auch das Schöne an dieser Veranstaltung. 1997 sind die Zuschauer in voller Montur in Teiche gesprungen, obwohl Scott Hoch noch abschlagen musste. Die Emotionen sind das Einzigartige am Ryder Cup.

Aufgezeichnet von Andreas Lampert, Birmingham