Interview mit Sven Strüver "Ich war zu ungeduldig"
SPIEGEL ONLINE:
Herr Strüver, nach Runden von 75 und 71 Schlägen haben Sie den Cut bei der Deutsche Bank/SAP-Open verpasst. Wie groß ist die Enttäuschung?
Sven Strüver: Natürlich bin ich etwas enttäuscht. Ich hätte, gerade vor heimischen Publikum, gerne besser gespielt. Auf der anderen Seite ist dies ein Turnier wie jedes andere auf der European Tour. Da kann so etwas immer passieren.
SPIEGEL ONLINE: Woran lag es?
Strüver: Ich war etwas zu ungeduldig. Besonders am ersten Tag habe ich mir einige Fehler erlaubt, und in einem Konzentrationssport wie Golf ist das fatal. Dabei habe ich die Bälle eigentlich gut getroffen. Heute morgen lief es sogar richtig gut, aber es war zu spät. Ich kam mir vor wie jemand, der die ganze Zeit einem Zug hinterher gelaufen ist, und als ich ihn endlich erreicht hatte, gab es keinen Sitzplatz mehr.
SPIEGEL ONLINE: War der Druck höher als bei einem anderen Turnier, weil Tiger Woods am Start war?
Strüver: Eigentlich nicht. Ich habe ja schon mit Tiger zusammengespielt. Es hat eigentlich richtig Spaß gemacht, denn endlich war mal etwas los in Deutschland. Dass wir deutschen Spieler ausgerechnet hier nicht so richtig überzeugen konnten, ist natürlich großer Mist.
SPIEGEL ONLINE: Weil hier soviel los war und es wegen Woods zu teilweise chaotischen Verhältnissen kam, gab es Kritik von der britischen Presse. Wie sehen Sie diese Vorwürfe?
Strüver: Das finde ich übertrieben. Natürlich haben wir hier nicht dieselbe Tradition wie in Großbritannien oder den USA. Deshalb gibt es mehr Leute, die nicht so viel Ahnung vom Golfen haben. Da geht es den Medienleuten nicht anders als den Leuten auf der Tribüne. Wir Deutschen befinden uns noch in einem Lernprozess. Aber es war nicht so schlimm, wie berichtet wird. Ich habe ja einen Flight vor Tiger Woods gespielt, und da gab es nur einen kleinen Zwischenfall.
SPIEGEL ONLINE: Sie haben zwei Runden zusammen mit dem Führenden Michael Campbell gespielt. Wie war das?
Strüver: Ich kenne Michael schon ziemlich lange, und es hat mich nicht allzu sehr überrascht, dass er hier so gut spielt. Er ist super aus den Startlöchern gekommen, lag immer sicher auf den Fairways und den Grüns, dazu hat er sehr gut geputtet. Wenn man so spielt, sieht Golf wie eine einfache Sache aus. Er hat keine Fehler gemacht, und wenn er seine Form über die letzten zwei Runden halten kann, wird er nicht zu schlagen sein.
SPIEGEL ONLINE: Wie sehen Sie trotz des frühen Aus' hier in St. Leon-Rot ihre bisherige Saison?
Strüver: Wenn man auf die Geldrangliste schaut, kann ich mich nicht beschweren. Da habe ich schon soviel verdient wie das gesamte letzte Jahr. In dieser Hinsicht werde ich mich auf jeden Fall verbessern. So wie ich die Bälle in diesem Jahr treffe, bin ich eigentlich auch zufrieden. Das einzige Problem ist, dass die Komponenten meines Spiels bislang noch nicht richtig zusammengekommen sind. Da muss man die Ruhe bewahren, was mit das Schwierigste ist. Hier in St. Leon-Rot war ich besonders am ersten Tag viel zu ungeduldig.
SPIEGEL ONLINE: Was macht man nun mit so einem angebrochenem Wochenende?
Strüver: Naja, man kümmert sich um die Familie und trainiert noch ein wenig. Aber heute ist die Sache einfach, da steht Fußball im Vordergrund. Ich hoffe, dass mein Lieblingsverein Werder Bremen es noch irgendwie in den Uefa-Cup schafft, obwohl die Chancen nicht allzu groß sind. In der Meisterfrage spricht natürlich alles für die Bayern, aber ich habe das Gefühl, dass es Schalke doch noch packt. Die Hamburger mögen es nicht, wenn man sie nicht richtig ernst nimmt.