Italiens Held: Grosso ist der Größte - DER SPIEGEL
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Italiens Held Grosso ist der Größte

Ein unbekannter Verteidiger aus der Fußball-Provinz hat Italien auf die Siegesstraße gebracht. Doch während der Torschütze des 1:0 gegen Deutschland begeistert gefeiert wird, verhandelt ein Gericht weiter gegen die Arbeitgeber der meisten italienischen Spieler.
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Hamburg - "Grande, grandissimo, Grosso!" So bejubeln die italienischen Zeitungen heute Außenverteidiger Fabio Grosso, der die deutsche Mannschaft mit seinem Schlenzer in der 119. Minute in den K.o. schoss. Ausgerechnet Grosso, der lange als Schwachpunkt in Italiens Mannschaft galt, ist mit seinem Treffer endgültig zum WM-Helden der Tifosi aufgestiegen.

Denn ohne den 28-Jährigen wäre die Squadra Azzura womöglich gar nicht bis ins Halbfinale gekommen. Schließlich war es auch Grosso, der beim zähen Achtelfinal-Match gegen Australien in letzter Minute einen Elfmeter herausholte, den Francesco Totti zum spielentscheidenden 1:0 verwandelte.

Dabei spielte Grosso bis zur WM nicht einmal bei einem der großen italienischen Clubs, sondern stand beim Provinzverein US Palermo unter Vertrag. Zur neuen Saison hat ihn allerdings Inter Mailand verpflichtet - für 5,5 Millionen Euro. Nach dem Turnier dürfte Grosso mindestens das Doppelte wert sein.

Der Neu-Mailänder war aber nicht der einzige Held des Abends. Trainer Marcello Lippi verblüffte die Fans mit seinem ungewohnten Mut zur Offensive, als er in der Verlängerung mit den Stürmern Alessandro Del Piero und Vinzenco Iaquinta gleich zwei neue Offensivkräfte brachte. In der Folge waren die Italiener zumeist überlegen und erspielten sich die besseren Chancen.

Dass sie ausgerechnet die beiden letzten Möglichkeiten zum 2:0-Sieg nutzten, sorgte in Deutschland beinahe für Staatstrauer, während die Italiener in einen kollektiven Freudenrausch verfielen. Selbst der zurückhaltende Lippi schwärmte los: "Wir haben einer Nation den Enthusiasmus zurückgegeben. Jetzt müssen wir das Werk nur noch vollenden."

Nach dem Finale am kommenden Sonntag könnten Italiens WM-Helden allerdings schnell wieder vom trüben Alltag eingeholt werden. Auch heute, am Tag nach dem großen Triumph über den Gastgeber Deutschland, verhandelte das Sportgericht in Rom weiter über den Korruptionsskandal in der italienischen Liga.

Sollten die von der Staatsanwaltschaft angedrohten Strafen tatsächlich ausgesprochen werden, droht fast der Hälfte der Nationalmannschaft nach dem möglichen Gewinn des Weltmeistertitels postwendend der Zwangsabstieg in die 2. oder 3. Liga.

Darüber wollten die Sieger von Dortmund aber so wenig wie möglich sprechen. Nur Alessandro Del Piero stichelte mit Blick auf die Gerichtsverhandlung: "An einem solchen Tag ist es eine Genugtuung zu zeigen, was für großartige Profis bei Juve spielen." Juventus Turin steht im Mittelpunkt des italienischen Fußballskandals.

Trotz der unschönen Nachrichten aus der Heimat hat sich die italienische Mannschaft bislang so homogen und entschlossen präsentiert, dass sie für das Finale am Sonntag in jedem Fall als Favorit gelten muss - egal, ob der Gegner Frankreich oder Portugal heißt.

Denn gegen die Abwehr um Buffon, Cannavaro, Materazzi und natürlich Grosso scheint kein Durchkommen möglich: In sechs Spielen hat Italien erst einen Gegentreffer kassiert - und musste dabei auch noch mithelfen: Gegen die USA traf Cristian Zaccardo ins eigene Tor.

Angesichts dieser Stärke ist sich der immer besser aufspielende Kapitän Francesco Totti sicher: "Wir sind dabei, Fußball-Geschichte zu schreiben." Gewinnt sein Team das Endspiel, ist Italien mit vier WM-Titeln die erfolgreichste Fußballnation hinter dem fünffachen Titelträger Brasilien. Und vor dem dreifachen Weltmeister Deutschland.

all/dpa/ap

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