Jaksche-Beichte "Fass voller Ekel"
Hamburg - "Das Geständnis Jaksches zeichnet das gnadenlose Porträt einer Sportart, die nach dem 'Fall Festina' (1998) mit allen Mitteln versucht hat, dass alles beim Alten bleibt, ohne dass jemand es merkt. Dieses Trugbild wurde dann durch die 'Operación Puerto' (2006) zerstört", kommentierte die spanische Zeitung "El País" Jaksches Aussagen im SPIEGEL. Der 30-Jährige hatte unter anderem davon gesprochen, dass Doping im Radsport zum Alltag gehören würde.
Das Madrider Blatt "Marca" schreibt: "Das Geständnis Jaksches hat wenige Tage vor Beginn der Tour de France im Peloton Alarmstufe Rot ausgelöst. Befürchtet werden eine Aufruhr und Hexenjagd wie im vorigen Jahr." Die dänische Zeitung "B.T." ergänzt: "Wenn Jaksche die Wahrheit sagt, könnte das der Tropfen sein, der das Fass voller Ekel zum Überlaufen bringt."
Die anderen dänischen Blätter konzentrieren sich auf die Aussagen, die ihren Landsmann Bjarne Riis betreffen: "Ein Frontangriff gegen Bjarne Riis. Der Boden unter ihm besteht nach den neuen Beschuldigungen seines früheren CSC-Fahrers Jörg Jaksche immer mehr aus Treibsand", schreibt "Berlingske Tidende". "Jyllands-Posten" blickt auf das wichtigste Radrennen der Saison, das am kommenden Samstag in London gestartet wird: "Es stellt sich die Frage, ob er (Riis, Anm. d. Red.) sich von der Tour de France zurückziehen wird."
Der "Kurier" aus Österreich verweist auf ein Geständnis, das vor zehn Jahren für nicht so viel Wirbel sorgte: "Der Kölner Jörg Paffrath hatte lange vor Jörg Jaksche über systematisch betriebenes Doping im Radsport berichtet. Die Beachtung hielt sich in Grenzen. Man schrieb das Jahr 1997. Da wurde Jan Ullrich zur Lichtgestalt, als er die Tour de France gewann."
Der Schweizer "Tages-Anzeiger" will sich nicht lange mit den gegebenen Aussagen aufhalten: "Es braucht noch mehr von Jaksche. Die Organisatoren der Tour haben bewiesen, dass sie nicht davor zurückschrecken, Fahrer auszuladen, die ein schlechtes Licht auf ihre Rundfahrt werfen. (...) Radprofi Jaksche hat dank einer Kronzeugen-Regelung als erster Fahrer mehr als nur den eigenen Namen genannt. (...) Gut möglich, dass seine Enthüllungsstory in den nächsten Tagen um weitere, aktuellere Verfehlungen erweitert wird."
Die belgische Zeitung "Le soir" hat einen eigenen, verlockenden Vorschlag an die eigene Zunft: "Um den Verdacht zu beseitigen, um diesen so populären Sport zu retten, um weitere menschliche Dramen zu vermeiden, sollte die Tour nicht mehr als ein Heldenepos dargestellt werden. Vielmehr als eine kommerzielle Attraktion. Oder eine Schauveranstaltung - wie das Catchen."
Jaksche selbst arbeitet unterdessen bereits an seinem Comeback: Der Radprofi nahm überraschend Kontakt mit dem verfeindeten Gerolsteiner-Manager Hans-Michael Holczer auf. "Ich habe heute bei den deutschen Meisterschaften einen kurzen Anruf von ihm bekommen und bin fast umgefallen. Er wollte nur mal Hallo sagen", erklärte Holczer in der SWR-Fernsehsendung "Sport im Dritten". Jaksche war 1995/1996 als Amateur unter Holczer in Öschelbronn gefahren. Ein unterschriftsreifes Vertragsangebot des Teams Gerolsteiner habe er später kurzfristig abgelehnt. "Ich habe mit ihm 2003 gebrochen", sagte Holczer.
Nach Ansicht des Managers versucht Jaksche, mit der Kronzeugenregelung "auf ein Jahr Sperre runterzukommen".
fpf/sid/dpa