Jan Ullrich: Gelassenheit nach Dopingvorwürfen - DER SPIEGEL
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Jan Ullrich Gelassenheit nach Dopingvorwürfen

Im Doping-Prozess von Lille, in dem der Tour-de-France-Skandal von 1998 beleuchtet wird, gerät die Spitze des internationalen Radsports durch Verdächtigungen ins Zwielicht. Auch die Tour-Sieger Jan Ullrich und Miguel Indurain werden belastet.
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Lille - Der Name Jan Ullrich ist beim derzeit laufenden Festina-Prozess in Zusammenhang mit Doping ins Gespräch gekommen, doch Telekom-Teamchef Walter Godefroot lassen derlei Spekulationen kalt. "Wir müssen nicht jedes Jahr aufs Neue darauf reagieren, wenn irgendjemand wieder alte und nie bewiesene Geschichten auftischt", sagte der Belgier.

Den angeblichen Dopingsünder Ullrich hatte der frühere Radprofi Erwan Mantheour beim Festina-Prozess im nordfranzösischen Lille ins Gespräch gebracht. Wie schon im vergangenen Jahr, als Mantheour ein Buch veröffentlicht hatte, wiederholte der Franzose mit einem Rundumschlag seine Vorwürfe gegen die Radsportszene und ließ dabei auch Jan Ullrich nicht aus. "Mantheour hat in seiner Laufbahn nie etwas erreicht und will jetzt so auf sich aufmerksam machen. Das hat er schon im vergangenen Jahr versucht. Zu diesem Mann braucht man sich nicht zu äußern", sagte Godefroot.

Bei dem Prozess gegen ehemalige Mitglieder des Festina-Rennstalls, durch den 1998 der Dopingskandal bei der Tour de France ausgelöst wurde, hatten auch andere Zeugen außer Mantheour hochrangige Namen ins Gespräch gebracht. Mantheour bezieht sich mit seinen Beschuldigungen gegen Ullrich auf angebliche Äußerungen des ehemaligen Telekom-Betreuers Jeff D'Hondt, der von EPO-Blutdoping bei Ullrich gesprochen haben soll. Das bestreitet Godefroot vehement: "D'Hondt hat das nie gesagt. Er hat bei der damaligen Befragung gesagt, dass er von Dopingfällen bei Telekom nichts wisse und es dafür auch keinerlei Beweise gebe."

Während Ullrich beim Urlaub in Kalifornien ziemlich unberührt von den Vorwürfen bleibt, hat der in Lille ebenfalls als Dopingsünder genannte Ex-Profi Miguel Indurain mit einem offenen Brief in der spanischen Tageszeitung Marca reagiert. "Ich habe immer alle Regeln respektiert und mir nichts vorzuwerfen. Ich will mich nicht an der Polemik beteiligen, weder von den tausenden Kontrollen während meiner langen Karriere sprechen, noch wieder und wieder erklären müssen, dass ich durch hartes Training und viel Disziplin zu meinen Siegen gekommen bin", sagte der fünfmalige Tour-de-France-Sieger.

Indurain war von seinem früheren Banesto-Teamkollegen Thomas Davy belastet worden. "Persönlich messe ich den Aussagen von Davy keinerlei Bedeutung zu, weil das seine eigene Meinung ist und er sich selbst verteidigen will, indem er sein Umfeld belastet. Das sind meine ersten und letzten Sätze zu diesem traurigen Thema", schreibt Indurain.

Skepsis an der Leistungsfähigkeit der Rad-Asse ohne verbotene Hilfsmittel äußerte der frühere Festina-Trainer Antoine Vayer, der als Beispiel die enorme Belastung des zweimaligen Tour-Siegers Lance Armstrong beim Zeitfahren und Pyrenäen-Aufstieg nach Hautacam erwähnte und in diesem Zusammenhang auch den früheren Telekom-Kapitän Bjarne Riis nannte.

Eine Kehrtwendung machte Vincent Speder, der Anwalt des Franzosen Richard Virenque. Der fünfmalige "Berg-König" der Tour de France hatte nach über zweijährigem Leugnen zum Prozessauftakt in der vergangenen Woche ebenso EPO-Doping zugegeben wie sein früherer Festina-Kollege Pascal Herve. Nun fragt Speder plötzlich "nach dem sportlichen Wert" bei den Vorstellungen der fünf Tour-Sieger der vergangenen zehn Jahre. Das war neben Indurain (1991 bis 1995), Riis (1996), Ullrich (1997) und Armstrong (1999/2000) noch der Italiener Marco Pantani (1998), der nach seinem Ausschluss beim Giro d'Italia ständig von Dopingvorwürfen verfolgt wird.