Jan Ullrich "Ich kann jederzeit bei einem Team einsteigen"
Hamburg - Trotz seiner weiterhin ungeklärten sportlichen Zukunft kommt für Olympiasieger Jan Ullrich eine Rückkehr zum Team Telekom nicht in Frage. "Wir haben lange verhandelt, immer und immer wieder gesprochen und keinen gemeinsamen Nenner gefunden", sagte der 28-Jährige in einem Interview der "Welt am Sonntag". Man habe sich "in Frieden getrennt", aber einen Weg zurück gebe es nicht. Telekom-Teamchef Walter Godefroot hatte zuletzt erklärt, dass das ursprüngliche Angebot für Ullrich nach wie vor bestehe.
"Bei Telekom stagnierte meine Leistung. Man muss einem Profi einfach mal zugestehen, dass er ein Team wechselt und neue Wege beschreitet. Immerhin will ich nicht mehr und nicht weniger als ein zweites Mal die Tour gewinnen. Für dieses Ziel muss ich auch unpopuläre Maßnahmen ergreifen dürfen", verteidigt Ullrich seine Entscheidung.
Vertrag, wenn die Saison richtig losgeht
Die Hängepartie hinsichtlich eines Vertrages bei Ullrichs Wunsch-Team CSC oder einem anderen Rennstall beunruhigt den Tour-de-France-Sieger von 1997 noch nicht. "Ich kann jederzeit bei einem Team einsteigen. Natürlich will ich nicht zu irgendeinem Team. Es muss eine Mannschaft sein, bei der ich meine Vorstellungen
verwirklichen kann. Wenn die Saison richtig losgeht, werde ich auch einen unterschriebenen Vertrag in der Tasche haben", so Ullrich.
Bis zum Jahresende will der zweimalige Zeitfahr-Weltmeister seinen geplanten Umzug mit Freundin Gaby Weiss in die Schweiz vollzogen haben. "Weihnachten wollen wir uns schon gemütlich in unserem neuen Haus in Scherzingen im Kanton Thurgau eingerichtet haben", kündigte Ullrich an. Weitere Veränderungen in seinem Umfeld plane er derzeit nicht: "Was sich bewährt hat, daran halte ich fest." Das gelte sowohl für seinen langjährigen Trainer Peter Becker (Berlin) als auch für Manager Wolfgang Strohband (Hamburg).
"Ich will und werde wieder siegen"
Seinen Saisoneinstieg wünscht sich Ullrich für die Woche nach Ablauf seiner Sperre wegen Medikamenten-Missbrauchs am 23. März 2003. "Wenn alles normal verläuft, könnte ich Ende März bei der Katalanischen Woche in Spanien mein erstes Rennen bestreiten." Dabei hofft er, an seine Erfolge der Vergangenheit anknüpfen zu können: "Ich werde hart und zielstrebig trainieren, denn ich starte nicht ein Comeback, um dann im Pulk mitzurollen. Ich will und werde wieder siegen."