John McEnroe: Kiefer ist ein Held - DER SPIEGEL
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John McEnroe Kiefer ist ein Held

Für viele Tennisexperten war das Erstrundenmatch der US Open zwischen Nicolas Kiefer und Marat Safin bereits das Spiel des Turniers. Der knapp geschlagene Nicolas Kiefer, der den Centre Court nach viereinhalb Stunden Spielzeit fast im Rollstuhl verlassen musste, konnte sich mit einem riesigen Kompliment von John McEnroe trösten.
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New York - Der Kopf wollte, doch die Beine versagten den Dienst. Von Muskelkrämpfen geplagt, schleppte sich Kiefer nach seinem Aus bei den US Open am Montagabend mit letzter Kraft vom Platz. "Es war das längste und härteste Match meiner Laufbahn. Dass ich verloren habe, macht mich traurig. Doch die Niederlage hat auch etwas Gutes: Ich weiß, ich bin wieder da", sagte der deutsche Daviscupspieler, auf den nach dem denkwürdigen Fünfsatzkrimi gegen den an Nummer zwei gesetzten Russen Safin schon ein Rollstuhl wartete. Sogar der große John McEnroe, 1979, 1980, 1981 und 1984 Sieger der US Open, schwärmte von Kämpfer Kiefer: "Speziell in diesem Jahr kommen die Leute nach Flushing Meadows, um Helden zu sehen. Heute wurde einer geboren."

3:6, 6:4, 6:4, 4:6, 6:7 (4:7) - das Ergebnis spiegelt nicht halbwegs das Drama wider, das sich zwischen Safin und Kiefer viereinhalb Stunden auf dem Center Court des Arthur Ashe Stadiums abspielte. "Das Spiel des Turniers, und das schon in der ersten Runde", urteilten die Reporter der Fernsehstation ESPN.

Zunächst gab Kiefer - nach einem schwachen Jahr auf Rang 64 des ATP-Rankings abgerutscht - den ersten Satz ab. Dann leistete sich Safin einen einstündigen Durchhänger, der seinen deutschen Widersacher wieder ins Spiel brachte. "Plötzlich stand das Match auf einem hohen Niveau, die Stimmung im Stadion begann zu kochen", erinnerte sich Kiefer nach dem Spiel, der nach einem erneuten Break im vierten Durchgang schon mit dem Matchball liebäugelte. Doch der Schiedsrichter überstimmte nach einem vermeintlichen Ass des Deutschen seinen Linesman und gab Safin die Chance zur Rückkehr ins Match. Dieser rettete sich wenige Minuten später mit einem Break in den fünften Satz.

Safin: "Ich fühlte mich klinisch tot"


Im Schlussdurchgang wurde zunächst Kiefer wegen Krämpfen behandelt, dann Safin, schließlich wanden sich beide beim Seitenwechsel schmerzverkrümmt auf ihrem Stuhl. "Es tat überall weh. Beine, Oberschenkel, Hinterteil", stöhnte Kiefer. Safin: "Ich fühlte mich klinisch tot und betete, dass er zuerst aufgibt." Als dem nur noch humpelnden Kiefer mit schmerzverzerrtem Gesicht der kaum noch für möglich gehaltene Ausgleich zum 6:6 gelang, riss es die tennisverwöhnten New Yorker endgültig von den Sitzen.

Bis zum Stand von 3:3 schien der Ausgang des finalen Tiebreaks offen, dann unterliefen Kiefer jedoch drei Fehler. Den Matchball seines Gegners erlebte er nur noch stehend, weil ihn ATP-Masseur Bill Norris nach einem erneuten Zusammenbruch vom Boden aufgerichtet und ihn Safin vom Netz aus zum Weitermachen ermunterte: "Come on, Boy, noch ein Punkt."

"Marat hat sich sehr fair verhalten und mir alle Zeit der Welt gegeben. Wir sind Freunde, ich hätte es auch so gemacht", sagte Kiefer, der den Gedanken an Aufgabe genauso schnell verwarf wie das Angebot, den Center Court nach dem Spiel im bereitstehenden Rollstuhl zu verlassen.