Key Biscayne Agassi im Halbfinale gescheitert
Key Biscayne - Pete Sampras und Gustavo Kuerten haben ein neues Kapitel Tennis-Geschichte geschrieben. Nach überraschend klaren Halbfinalsiegen werden der Amerikaner und der Brasilianer am Sonntag (Ortszeit) in Miami erstmals in einem Masters-Endspiel aufeinander treffen. Der als Nummer zwei gesetzte Sampras hatte am Freitag bei dem mit 3,2 Millionen Dollar dotierten Turnier den australischen Seriensieger Lleyton Hewitt mit 6:3, 3:6, 6:1 ausgeschaltet. Die Nummer sechs Kuerten gewann gegen den gesundheitlich angeschlagenen Weltranglistenersten Andre Agassi (USA) nach nur 64 Minuten noch deutlicher mit 6:1, 6:4. Anke Huber war der letzte Schritt ins Finale nicht vergönnt. Die Karlsdorferin verlor mit ihrer Doppelpartnerin Barbara Schett gegen Julie Halard-Decugis/Ai Sugiyama (Frankreich/Japan) mit 2:6, 6:7 (5:7).
Das zweite diesjährige Masters-Endspiel wird weniger die Amerikaner als die in Scharen angereisten Brasilianer von den Sitzen reißen. Die Ausrichter hatten sich das Finale Sampras gegen Agassi erträumt, doch "Guga" Kuerten spielte nicht mit. Rigoros nutzte der Sandplatz-Spezialist, der noch nie ein Hartplatz-Turnier gewann, die Schwächen von Agassi aus. Vor den Augen seiner Freundin Steffi Graf und deren Mutter Heidi wirkte der 29-Jährige von Anbeginn chancenlos. Agassi steckte noch das über zweieinhalbstündige Viertelfinal-Spiel vom Mittwoch gegen den Briten Tim Henman in den Knochen. "Das war eine Tortur. Ich habe mich davon noch nicht richtig erholt", meinte der Verlierer, der zudem mit einem verstauchten Knöchel antrat.
"Es war nicht mein Tag. Ich hätte nicht gedacht, das die Verletzung mich so behindern würde", ärgerte sich Agassi, dessen Start für das US-Team am kommenden Wochenende in Los Angeles im Daviscup-Viertelfinale gegen Tschechien allerdings nicht in Frage stehe. "Andre tut mir wirklich leid. Wenn er und ich gegeneinander gespielt hätten, wäre eine Elektrizität im Match gewesen, die es sonst nicht gibt", behauptete Sampras. "Doch ein Finale Sampras gegen Agassi lässt sich eben nicht mit dem Bleistift aufmalen."
Dass sich Sampras, der zum zweiten Mal in diesem Jahr nach den Australian Open ein Finale spielt, letztlich so souverän gegen Hewitt durchsetzen würde, war auch nicht erwartet worden. Der 19-Jährige scheitere vornehmlich an dem "faszinierenden ersten Aufschlag" seinen routinierten Kontrahenten. "Der war unglaublich. Manchmal habe ich den Ball gar nicht richtig gesehen. Mit Ausnahme des zweiten Satzes kam ich überhaupt nicht in meinen Rhythmus", gestand Hewitt, der insgesamt 16 Asse kassierte.
Für unfreiwilligen Gesprächsstoff hatte die entthronte Weltranglisten-Erste Martina Hingis gesorgt. Einen Tag vor ihrem Finale an diesem Samstag gegen Lindsay Davenport wurde ein 45-Jähriger Mann von der Polizei festgenommen, der der Schweizerin und ihrer Mutter seit Wochen hinterreist und ihnen fortlaufend Briefe schreibt. "Ich bin nach Amerika gekommen, um nah bei Martina zu sein", sagte Dubravko Rajcevic bei seiner Festnahme. Er möchte ein "Teil ihres Lebens sein". Zur Festnahme kam es, nachdem Rajcevic trotz Verbots am Donnerstag auf dem Turniergelände erschienen war. Er musste dafür eine Strafgebühr von 1000 Dollar zahlen.