Klitschko-Gegner Mariusz Wach - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Klitschko-Gegner Wach: Der kampfeslustige Gentleman

Foto: Joern Pollex/ Bongarts/Getty Images

Klitschko-Gegner Wach Der höfliche Wikinger

2,02 Meter groß, 113 Kilogramm schwer - Wladimir Klitschko kriegt es am Abend mit einem Schrank zu tun. Mariusz Wach fordert den ukrainischen Champion heraus, seit Monaten trainiert der Pole für das Highlight seiner Karriere. Im Vorfeld des Kampfes beeindruckte er vor allem: mit Höflichkeit.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein bisschen langweilig war er schon, der alte Kampfname von Mariusz Wach. Als der "polnische Riese" war der 33-Jährige zu Beginn seiner Karriere in den Ring gestiegen. Das lag nahe bei 2,02 Metern Körpergröße und einem Kampfgewicht von 113 Kilogramm. Glück gebracht hatte ihm der Name auch: Seit 2005 ist Wach Profiboxer, bezwingen konnte ihn in den 27 Kämpfen seitdem niemand, durch K.o. gewann er über die Hälfte aller Fights.

Und doch musste der Name weg. "Keine Kraft" sei vom "polnischen Riesen" mehr ausgegangen, sagt Wach. Seit einiger Zeit nennt er sich deshalb lieber "The Viking", der Wikinger. "Kraft, Mut und Entschlossenheit" symbolisiere der Begriff, "das steht für Furchtlosigkeit, das passt zu mir, das bin ich", so Wach.

Wenn man an Wikinger, an die legendären Seefahrer von einst denkt, hat man am ehesten langhaarige, wilde Krieger vor Augen. Schüchtern und höflich stellt man sich die Wikinger kaum vor. Doch genau so, im feinen Anzug, präsentierte sich Wach bei der Pressekonferenz zu Beginn der Woche, an deren Ende nun das bisherige Highlight seiner Karriere wartet: Ein WM-Kampf gegen Wladimir Klitschko (22.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE).

Ungewohnt friedliche Stimmung vor dem Kampf

Immer wieder hatte es zuletzt Randale auf Presseterminen zu Boxkämpfen gegeben. Dereck Chisora oder David Haye etwa bepöbelten und prügelten sich. Letzterer provozierte mit Bildern von abgerissenen Klitschko-Köpfen. Wach ist anders. Er danke dem Titelverteidiger und dessen Team für den Kampf, sagte er. Er zolle Klitschko Respekt. Wach ist so unauffällig wie ein Mann seiner Statur unauffällig sein kann.

Auch wenn Wach betont, er sei bereits dermaßen auf seinen Gegner fokussiert, dass nur "ein Funken" fehle, damit es zu einem "Ausbruch" käme - der traditionelle Stare-Down, das Anstarren aus kürzester Distanz, fiel friedlich aus. Wie zwei Wachsfiguren standen sich Klitschko und Wach minutenlang starr gegenüber. Die Stimmung zwischen den beiden Boxern war ungewohnt friedlich.

Und noch etwas ist anders als sonst: Klitschko muss - zum ersten Mal in seiner Karriere - zu einem Gegner aufblicken. Mit seinen 2,02 Metern ist Wach vier Zentimeter größer als der Champion. Ganz schön "draufschlagen" könne der gebürtige Krakauer, so Klitschko, auch technisch und konditionell erwarte er einen starken Herausforderer. Dessen Körperlänge allein sei aber kein Vorteil. "Es kommt darauf an, wie man die Größe nutzt", sagt der Ukrainer.

Das weiß auch Juan De Leon. Der Puerto-Ricaner trainiert Wach, seit Juni läuft die Vorbereitung auf den großen Fight. Dabei griffen De Leon und sein Schützling auch zu eher unkonventionellen Methoden, klebten Fotos der Klitschko-Brüder auf die Sandsäcke. So wollte man sich schon einmal an den Gegner gewöhnen.

Klitschko-Fotos auf den Sandsäcken

Immer wieder betont Wach, der mit Tyson-Bezwinger Kevin McBride bisher nur gegen einen international bekannten Kämpfer boxte, wie sehnlich er auf die Chance gewartet habe, gegen Klitschko antreten zu dürfen. Er sei zu "100 Prozent vorbereitet" und werde einen Kampf liefern, "der lange im Gedächtnis bleibt", sagt Wach.

Um Bestform zu erreichen, nimmt der Pole regelmäßig lange Trennungen von seiner Familie in Kauf: Er trainiert in North Bergen im US-Bundesstaat New Jersey, seine Verlobte und der zweijährige Sohn müssen in der Heimat bleiben, sie bekommen keine Aufenthaltsgenehmigung. "Wenn ich sehe, wie der Kleine heranwächst und ich das nicht mitbekomme. Das ist das Schwerste am Boxer-Dasein", sagt Wach.

Klitschko musste im Vorfeld des Kampfes ebenfalls mit einem Verlust fertig werden, allerdings einem für die Ewigkeit. Sein Trainer Emanuel Steward verstarb vor wenigen Wochen. Klitschko widmet ihm seinen 22. Titelkampf. "Ohne Emanuel, aber mit seiner Präsenz werde ich in den Ring steigen und die Titel, die ich mit ihm gesammelt habe, verteidigen", sagt Klitschko.

Das wird Mariusz Wach trotz aller Höflichkeit aber dennoch verhindern wollen.

Mehr lesen über

Verwandte Artikel