Klitschko-Prozess Promoter Kohl vor dem Knockout
Hamburg - Vor dem Hamburger Landgericht gab Richter Kay Mückenheim heute bekannt, dass die vertragliche Bindung der beiden Klitschkos an Kohl "doch zum 30. April 2004 ein Ende gefunden haben" könnte. Noch am 15. April hatte das Gericht in einem ersten Hinweis-Beschluss befunden, die Verträge der Klitschkos müssten sich um deren Ausfallzeiten (Verletzungen, Krankheiten und Schutzsperren) verlängern.
Selbst die Anwälte der beiden Boxer, die Anfang dieses Jahres eine Klage eingereicht hatten, um das Ende ihres Vertrages bei Universum Box-Promotion feststellen zu lassen, gingen anschließend von einer Vertragsverlängerung ab dem 30. April 2004 aus. Dabei sollte Wladimir Klitschko bis zum 22. August 2004, sein Bruder Witalij, Weltmeister des Boxverbandes WBC, bis 20. Mai nächsten Jahres an Universum gebunden werden.
"Der Beschluss überrascht uns sehr", sagte Kohls Anwalt Björn Ziegler, "aber dass der Richter seine Auffassung ändert, ist sein gutes Recht." Mückenheim begründete den Meinungsumschwung damit, dass die Ausführungen der Klägerseite das Gericht bewogen hätten, seinen ursprünglichen Beschluss zu überdenken.
Beiden Parteien bleiben nun 14 Tage, um weitere Argumentate vorzubringen. Kohl-Advokat Ziegler will durch neue Zeugen eine neuerliche Beweisaufnahme erzwingen. Damit könnte sich der Prozess noch einmal um mehrere Monate verlängern. "Wir müssen diesen Beschluss erstmal schriftlich vor uns sehen und auswerten", war Kohl kleinlaut.
Klitschkos wollen wieder boxen
"Wir freuen uns über diese Entscheidung", sagte Wladimir Klitschko. Momentan steht noch nicht fest, ob die in Los Angeles lebenden Brüder während des schwebenden Verfahrens in den Ring steigen dürfen. "Leider ist das noch kein Urteil, so dass wir unsere Zukunft noch nicht richtig planen können", so Wladimir Klitschko. "Ich erwarte, dass die Klitschkos erst im September wieder aktiv werden können", sagte deren Anwalt Sebastian Cording.
Bei einer Niederlage im Prozess gegen Kohl drohen den beiden aus der Ukraine stammenden Schwergewichtlern hohe Schadensersatzforderungen. Die Organisation und Vermarktung ihre Kämpfe wollen die Klitschkos künftig selbst übernehmen, um höhere Kampfbörsen und Einnahmen zu erzielen. "Es macht ja keinen Sinn, von einem Promotor zum anderen zu gehen", kommentierte Wladimir Klitschko Vermutungen, er und sein Bruder könnten zum Kohl-Konkurrenten Wilfried Sauerland wechseln.