Klitschko schlägt Hoffmann Enttäuschendes Comeback
Hannover - Die "Eisenfaust", wie der in Hamburg lebende ukrainische Profi-Boxer respektvoll genannt wird, wurde Samstagnacht im Duell mit dem deutschen Champion durch einen einstimmigen und verdienten Punktsieg zwar neuer Europameister im Schwergewicht, feiern jedoch ließ sich der Deutsche.
"Timo hat verloren, aber er ist der moralische Sieger", verkündete Jean-Marcel Nartz, technischer Leiter im Sauerland-Stall. Hoffmann blickte selbstbewusst in die Zukunft. "Ich will auf jeden Fall diese Europameisterschaft. Das nächste Mal hole ich sie mir", erklärte der gelernte Bäcker, "dann will ich Weltmeister werden."
Die rund 8000 Zuschauer in der Preussag-Arena trauten ihren Augen kaum, als der 26 Jahre alte Hüne aus Sachsen-Anhalt mit dem Kampfnamen "deutsche Eiche" dem unentwegten, aber stereotypen Trommelfeuer des haushohen Favoriten mit einer konsequenten Doppeldeckung standhielt und mit Einzelaktionen gefährlich zurückkeilte.
Der als K.o.-Künstler bekannte 29 Jahre alte Klitschko, der zum Schluss ausgepumpt nach Luft rang, musste eine ganz neue Erfahrung machen: Noch nie in seinen 28 Kämpfen zuvor war er über die volle Distanz von zwölf Runden gegangen. Bislang hatte er mit Ausnahme der verletzungsbedingten Niederlage gegen Chris Byrd (USA) jeden Rivalen vorzeitig in die Knie gezwungen. Sein Comeback nach achtmonatiger Verletzungspause war nicht überzeugend.
"Ich habe Fehler gemacht. Man sieht die Fehler in meinem Gesicht", meinte Klitschko, der erstmals Veilchen davongetragen hatte. Promoter Klaus-Peter Kohl ("Hoffmann steht höchstens drei Runden") gestand kleinlaut: "Witali hat den Hoffmann einfach nicht ernst genommen." Trainer Fritz Sdunek beklagte mangelnde Effektivität: "Witali hat sehr viel auf die Deckung geschlagen und dabei viel Kraft gelassen."
Nach dem wenig attraktiven Kampf der beiden 2,02-Meter-Kolosse wurde die Keilerei zwischen Sauerland- und Kohl-Stall auf verbalem Terrain fortgesetzt. "In der zehnten Runde stand Timo kurz vorm K.o.-Sieg", befand Promoter Wilfried Sauerland. "Das muss wohl ein anderer Kampf gewesen sein", höhnte Kohl. "Das nächste Mal wird Timo gewinnen", drohte Sauerland. "Der kann gar nicht gewinnen", zischte Kohl, "der stellt sich nur hin und wartet auf einen Glücksschlag. Der hat doch keinen K.o.-Punch. Seine boxerischen Qualitäten reichen nicht aus."
Hoffmann setzte nach: "Der Kohl lebt in einer Traumwelt. Der verkennt die Realitäten." Sauerland-Mann Nartz wollte da nicht abseits stehen und kanzelte den älteren Klitschko-Bruder ab. "Ich habe noch nie geglaubt, das er 'ne Eisenfaust ist. Sein Bruder Wladimir ist tausend Mal besser. Der hätte Timo heute ausgeknockt. Wladimir hat eine ganz große Zukunft vor sich, Witali nicht."
Von Frank Koitzsch, dpa