Bryants Karriereende Abschied von einem Umstrittenen
Bild von Kobe Bryant, gemalt von Sportstudenten in Shenyang, China
Foto: CHINA STRINGER NETWORK/ REUTERSBleiben wird dieses Foto, auf dem Kobe Bryant glücklich dreinschaut und zahllose Fans, die das Trikot der Los Angeles tragen, die Arme nach ihm ausstrecken: Der Mann, der die Nummer 24 trägt und 20 Jahre lang nur für eine Mannschaft spielte, macht sich langsam auf den Weg in die Kabine. Für immer. Deshalb genießt er jede Sekunde. "Meine Güte, das war unglaublich schön. Ich kann es mir noch gar nicht vorstellen, dass es vorbei sein soll", sagt er hinterher.
Ich mochte ihn nicht besonders, aber ich habe es ihm gegönnt, dass er noch einmal richtig aufdrehte und 60 Punkte erzielte. Die Utah Jazz waren ein dankbarer Gegner. Sie konnten die Playoffs aus eigener Kraft nicht mehr erreichen und ließen ihm Platz.
50-mal warf Bryant auf den Korb. Natürlich gaben seine Mitspieler ihm ständig den Ball und die Zuschauer feuerten ihn begeistert an. So schaffte er das fünfbeste Ergebnis seiner langen Karriere im allerletzten Spiel.
Bryants letztes Spiel: Abschied einer Legende
Die Fans in den USA lieben herausragende Leistungen, aber Bryant wurde nicht so verehrt wie Michael "Air" Jordan. Er war egoistisch und setzte etwa alles daran, dass Ko-Star Shaquille O'Neal 2004 aus der Stadt gejagt wurde. Was dazu führte, dass der 2006 mit den Miami Heat die Meisterschaft gewann. Erst als Phil Jackson, ein Trainerkünstler im Umgang mit schwierigen Superstars, 2005 nach Los Angeles zurückkehrte und die Lakers Pau Gasol 2007 verpflichteten, gewannen sie wieder Meisterschaften.
Das waren Kobes goldene Jahre. Da war er großartig, ein reifer Spieler mit Übersicht, der besser postierte Mitspieler nicht mehr ignorierte, weil er ihnen nichts zutraute.
Kobe Bryant (Kobe nannten ihn seine Eltern nach der japanischen Fleischsorte) geht als einzigartiger Spieler in die Geschichte des Basketballs ein. 1996 wechselte er direkt von der High School in die NBA, die Charlotte Hornets drafteten ihn an 13. Stelle.
Kobe Bryant: 20 Momente aus 20 Jahren
Bryant ist ein Großer, aber seine großen Zeiten sind lange vorbei. Irgendwann zahlen alle großen Spieler den Preis. Wenn sie ausgewechselt werden, sitzen sie nicht auf der Bank, sondern auf dem Fahrrad, damit die Muskeln warm und locker bleiben. Sie packen riesige Eisbeutel auf die Knie. Der Rücken macht ihnen zu schaffen. Sie müssen sich länger dehnen. Sie fangen früher mit dem Training an und hören später als die Jungen damit auf. Dirk Nowitzki erleidet diese Phase momentan. 82 Spiele pro Saison, danach die Playoffs, immer riesige Entfernungen: Man sollte solche Zahlen gelegentlich Fußballspielern vorhalten, die drei englische Wochen hintereinander kaum ertragen.
Bei Kobe begann es im Jahr 2011 mit Knieproblemen. Zwei Jahre später riss die Achillessehne. Trotzdem verlängerten die Lakers seinen Vertrag um zwei Jahre und zahlten ihm 48,5 Millionen Doller. So blieb der überfällige Umbruch der Mannschaft aus. Sie gönnten Kobe Bryant aus Dankbarkeit eine Abschiedssaison. Sie nahmen hin, dass die Lakers ihre schlechteste Saison aller Zeiten spielten: 17 Siege bei 65 Niederlagen. Jetzt werden sie daran gehen, eine neue Mannschaft aufzubauen. Und wenn sie den Abstand zu Golden State, San Antonio oder Oklahoma aufholen und serienweise gewinnen, sind sie auch wieder Hollywood.
Und Kobe Bryant? Zuerst erscheinen seine Erinnerungen als Buch, für das jetzt schon kräftig geworben wird. Außerdem könnte er TV-Experte werden oder Anteile an den Lakers erwerben.
Ich glaube, er kommt wieder. Weil Basketball das schönste Spiel auf Erden ist. Und weil die NBA einen wie Kobe Bean Bryant braucht.