Körperkult Nackt für Olympia
Sydney - Der fünfte Kontinent gilt gemeinhin als ein lockerer Erdteil. Vielleicht ist es deshalb nicht verwunderlich, dass ein Teil der australische Olympia-Teilnehmer der Sommerspiele in Sydney keinerlei Hemmungen hatte, seinen Körper im Vorfeld freizügig zu präsentieren. Bereits zu Olympia 1996 hatte es eine Ausgabe mit dem Titel "The Atlanta Dream" gegeben. Wegen des großen Erfolges verdoppelten die Herausgeber jetzt die mit "The Sydney Dream" titulierte Auflage auf 100.000 Exemplare.
Unter den 29 Athleten befinden sich unter anderem Hoffnungsträger wie der Schwimmweltmeister über 1500 Meter, Grant Hackett, Stabhochspringerin Tatiana Grigorieva, Sprinterin Tania Van Heer und das australische Damen-Softball-Team.
Die Herausgeberin Karen-Jane Eyre hatte im Vorfeld rund 50 Athleten befragt, wovon die meisten keinerlei Probleme damit hatten, ihren Körper im Adams- oder Evakostüm zu präsentieren. "Im Großen und Ganzen kann man davon ausgehen, dass die Sportler nicht allzu schüchtern sind. Sie sind eher richtig stolz auf ihren Körper."
Die "Atlanta Dream"-Edition hatte vor vier Jahren einen Run auf die Hefte ausgelöst und war innerhalb von Stunden ausverkauft. Deshalb fiel es den Produzenten der aktuellen Ausgabe nicht allzu schwer, die Sportler für ihr Anliegen zu gewinnen. Denn, obwohl ihnen nur ein kleines Honorar zukommen sollte, eines ist ihnen gewiss: Aufmerksamkeit für ihre Person und ihre Sportart.
Dennoch waren die Aufnahmen nicht für jeden das reine Vergnügen. Grant Hackett beispielweise musste seinen hünenhaften Körper in ein winziges mit Wasser gefülltes Aquarium quetschen, um den künstlerischen Ansprüchen des Fotografen gerecht zu werden. "Bisher dachte ich immer, es gibt nichts anstrengenderes als Training", beichtete der 20-jährige Weltrekordler. "Am Anfang irritierte das Nacktherumlaufen doch etwas. Ich muss zugeben, dass mir nicht 100-prozentig wohl dabei war", so der Schwimmer. Das schlimmste allerdings sei der 20-minütige Aufenthalt im kalten Wasser gewesen, als er immer wieder für 30 Sekunden untertauchen musste. Am Ende der Fotosession fühlte sich Hackett nach eigenen Worten "wie eine eingelegte Pflaume".
Doch nicht nur die Modelle des "Sydney Dreams" zeigen im Vorfeld der Olympischen Spiele viel Haut. Schon zum Ende des Jahres sorgten die "Matildas", die australische Damen-Fußballnationalmannschaft, mit einem Nacktkalender für weltweites Aufsehen. Nur einige Tage später präsentierten sich US-amerikanische Leichtathletinnen in einem etwas bedeckteren Almanach.