Kommentar Der Ruf nach Jugend
Die Veranstalter zogen zufrieden Bilanz. Über 70.000 Zuschauer an vier Tagen, rund 3000 zufriedene Vip-Gäste, 500 Stunden Fernsehübertragung weltweit, der derzeit vielleicht beste Sportler des Globus' am Start und ein spannender Wettkampf unter den 156 teilnehmenden Golfern: Die Deutsche Bank/SAP-Open hat sich als feste Größe im Turnierplan des Profigolf etabliert. Und das nicht nur in Europa, sondern auch weltweit, was die Anwesenheit der Nummern 1, 3 und 4 der Weltrangliste in St. Leon-Rot bewiesen. Gratulation, kann man da nur sagen.
Dennoch. Selbst Hanns Michael Hölz, der Public-Relations-Chef von Co-Sponsor Deutsche Bank, kam nicht umhin, ungeachtet der guten Stimmung eine mahnende Bemerkung zu machen: "Es ist schade, dass - trotz dieser tollen Resonanz - die Deutschen im Golfsport keine sonderliche Rolle spielen."
Ausgezeichnete Resonanz nutzen
Damit waren weder Deutschlands Vorzeigegolfer Bernhard Langer, der in St. Leon-Rot zwar nicht ganz die Erwartungen erfüllen konnte, noch Tourneuling Tobias Dier gemeint, der im Badischen trotz des Weltklassefeldes den Cut schaffte. Hölz ging es um anderes: Die ausgezeichnete Resonanz, die das Turnier in St. Leon-Rot erhalten hat, muss für einen neuen Schub in Sachen Golf in Deutschland genutzt werden.
Dazu bedarf es Phantasie und Ideen. Die bisherigen Sportförderprogramme oder Sponsorentätigkeiten allein reichen längst nicht mehr aus. Die Rede vom Volkssport Golf muss endlich umgesetzt, die Jugend dafür begeistert werden. Die Skandinavier sind hier ein Vorbild. Dort wird Golf unter anderem auch als Schulsport angeboten.
Golf als Schulsport
Der Erfolg eines Landes wie Schweden, das in jedem Jahr Weltklassegolfer wie am Fließband produziert, spricht Bände. Von Henrik Stenson beispielsweise, dem jüngsten Golfexport aus Barsebak, hatte vor drei Wochen noch kaum jemand etwas gehört. Nun wird der 25-Jährige in seiner Heimat schon als der neue Jesper Parvenik gefeiert.
Dass Golf eines Tages in Deutschland als Schulsport angeboten wird, klingt derzeit noch wie eine Utopie. Wahrscheinlich bedarf es zu deren Umsetzung des Zusammengehens von Sponsoren, Verbänden und auch der Politik. Dann könnte mittelfristig ein solch positiver Schub wie der der Tage von St. Leon-Rot auch dazu nutzen, um aus Golf auch in Deutschland endlich einen Volkssport werden zu lassen.