Kommentar Die Operation Baumann ist gescheitert
Wer an einem Tag wie heute entsetzt ist, hat die Signale der letzten Wochen ignoriert: die vergleichbaren Fälle der Briten Linford Christie und Doug Walker, die Andeutungen aus Kreisen des Internationalen Leichathletik-Verbandes, die Schlimmes ahnen lassenden Aussagen des deutschen Verbandspräsidenten Digel als auch die des Athleten selbst.
Niemand außer Dieter Baumann weiß auch am 18. September 2000, ob er gedopt oder ihm eine böse Macht dereinst das Nandrolon in die Zahnpastatube hineingedrückt hat. Was aber bleibt, sind zwei positive Dopingproben, und der Eindruck, dass es einen "Fall Baumann" nie gegeben hätte, wenn Dieter Baumann die Statur eines Diskuswerfers hätte, er den dazugehörigen Sport tatsächlich auch ausüben und am besten noch aus einem ostdeutschen Sportverein kommen würde.
Baumann aber ist schmächtig, Langstreckenläufer, und wenn er redet, fällt einem alles, aber eben niemals Karl-Marx-Stadt ein. Es sei denn, Baumann stellt, wie er es in den letzten Jahren in schöner Regelmäßigkeit getan hat, die Staatsdopingsysteme des Ostens Europas oder eben Doping grundsätzlich an den Pranger. Insofern verwundert es nicht, dass sich vor allem ostdeutsche Athleten und Funktionäre jetzt erleichtert über das vorläufige Ende des "Fall Baumann" äußern. Einen öffentlichkeitsträchtigen Akt gilt es jedoch noch auszuhalten: Den Gang der Baumann-Gang vor ein ordentliches Gericht.