Kommentar Gold schützt nicht
In diesen Zeiten zwischen Uli Hoeneß/Christoph Daum, Dieter Baumann und nun auch Alexander Leipold kann den Sportfan eigentlich gar nichts mehr erschüttern. Und um die größte Sorge gleich zu Beginn zu nehmen: Im Medaillenspiegel behauptet Deutschland auch nach Aberkennung des Ringer-Golds weiterhin den Platz als beste europäische Nation. Die Anzahl der in Sydney errungenen Silbermedaillen sichert die kontinentale Vormachtstellung vor den dann goldgleichen Franzosen.
"Nandrolon", hat Alexander Leipold behauptet, "ist ein Mittel, das ein Ringer nicht nehmen würde." Der Kraftsportler schiebt die Schuld weg von sich. Wie Uli Hoeneß mit dem Verweis auf sein Zitat: "Wenn das alles Fakt ist, worüber geschrieben wurde, auch unwidersprochen über den verschnupften Daum...". Und schließlich klingt das alles nur noch wie die endlosen Zahnpasta-Verschwörungstheorien des Dieter Baumann.
Um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass im Spitzensport seit jeher geschnupft, gespritzt, beschissen wird und zeitgleich die Gerüchteküche brodelt, dazu brauchen wir den Fall Alexander Leipold nicht. Wir brauchen den Fall des ersten gedopt erwischten deutschen Olympiasiegers nur, um ein weiteres Indiz dafür zu erhalten, dass die erzieherische, die vorbildhafte Funktion von Leistungssport eine große Lüge ist. Davor schützt auch der Medaillenspiegel nicht.