Küppersbusch-Interview "Boris Becker ist mutig"
SPIEGEL ONLINE:
Herr Küppersbusch, was hat Sie dazu bewogen, eine Talkshow mit Boris Becker als Gastgeber zu produzieren? Mit Becker, der wie hier zu Lande sonst nur Edmund Stoiber für seine "Ähs" berüchtigt ist.
Friedrich Küppersbusch: Äh.
SPIEGEL ONLINE: Also Küppersbusch und Becker - die Kombination überrascht. Wie ist es dazu gekommen?
Küppersbusch: Wir hatten vorher bereits Entwicklungsarbeiten für das DSF erledigt. Als das Thema "Becker" auf den Tisch kam, hat Programmchef Oliver Reichert uns zusammengebracht. Das war im Januar dieses Jahres. Das war beeindruckend, wenn man, wie wohl jeder, ein Becker-Klischee im Kopf hat und dann einem sehr viel anderen jungen Mann gegenübersteht.
SPIEGEL ONLINE: Inwiefern hat der 36-jährige Becker Sie beeindruckt?
Küppersbusch: Man kann, was schwer, ehren- und würdevoll ist, eine solche Biographie wie etwa Max Schmeling oder Fritz Walter als eine Art Ehrenvorsitzender des eigenen Denkmalschutzvereines zu Ende leben. Oder man kann, gerade in Beckers jungem Alter, etwas riskieren - was mutig ist.
SPIEGEL ONLINE: Becker hat nach dem Ende seiner aktiven Tenniskarriere vieles ausprobiert, die meisten seiner Versuche aber scheiterten kläglich. In Deutschland hat er viel Kredit verspielt und wird mittlerweile sehr kritisch beäugt. Fürchten Sie, dass Ihr guter Ruf bei einem erneuten Becker-Flop leiden könnte?
Küppersbusch: Ich finde es sehr souverän, wie Becker diese Lesart seines Lebensweges nicht weiter kommentiert und lerne da gern von ihm.
SPIEGEL ONLINE: Was qualifiziert Becker zum Talkmaster?
Küppersbusch: Er setzt sich mit Biographien auseinander. Er ist von Jugend an dem Medium Fernsehen ausgesetzt. Er hat seine Matches als zur Hälfte von Psychologie entschieden erlebt. Als ich ihn fragte, ob er beim Gegenüber die schwächste Stelle sucht, sagte er: Nein, gut wird es nur, wenn ich mich seiner starken Seite stelle. Das wünsche ich mir von jedem Journalisten.
SPIEGEL ONLINE: Sie seien ein "sehr guter Mentor" gewesen, lobt Becker. Welche Tipps haben Sie dem Talkmaster Becker mit auf den Weg gegeben? Sehen Sie ihn schon als gleichwertigen Kollegen oder als Auszubildenden?
Küppersbusch: Die Arbeit hat grandiosen Spaß gemacht. Es gibt keinen Zaubertrank, keine Tricks - man muss den Menschen gezielt auf das hinweisen, was er ohnehin kann und ihn da stärken. Lernen tun wir hoffentlich alle.
SPIEGEL ONLINE: Erwartet die Zuschauer bei "Becker 1:1" Kumpel-Talk? Zur ersten Sendung hat Becker mit Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld ausgerechnet den Trainer seines erklärten Lieblingsvereins zu Gast.
Küppersbusch: Dass der erfolgreichste deutsche Fußballtrainer aller Zeiten, der sich nun nicht gerade aggressiv ins Fernsehen drängt, Becker vertraut, kann man getrost als Bezugsgröße nehmen.
SPIEGEL ONLINE: Welche weiteren Sportgrößen werden sich zu Becker trauen?
Küppersbusch: Wir haben quer durch den Garten trainiert und werden auch so besetzen. Inklusive gelegentlichem Blick über den Gartenzaun - interessante Biographien gibt's auch außerhalb des Profisports.
SPIEGEL ONLINE: Wenn alle Augen und Ohren vor allem auf Becker gerichtet sind, der selbst am liebsten im Mittelpunkt steht, droht dem Talkgast da nicht ein Statistendasein?
Küppersbusch: Nö.
SPIEGEL ONLINE: Was macht Sie da so sicher?
Küppersbusch: Becker.
SPIEGEL ONLINE: Der hat gesagt, er habe 18 Jahre lang das Gefühl gehabt, nie die richtige Frage gestellt bekommen zu haben. Was hätten Sie Boris Becker gefragt?
Küppersbusch: Woher er den Mut nimmt, es in Deutschland immer nochmal mit Selbstironie zu versuchen.
SPIEGEL ONLINE: Warum sehen wir denn Sie nicht mehr als Interviewer vor der Kamera?
Küppersbusch: Weil ich diese Frage so schweinegerne höre.
Die Fragen stellte Till Schwertfeger.
"Becker 1:1" - Talkshow. Dienstag, 27. April 2004, 22.15 Uhr im DSF