Lakers-Star: Besessener Bryant - DER SPIEGEL
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Lakers-Star Besessener Bryant

Kobe Bryant ragt selbst unter den vielen Stars in der NBA noch heraus. Doch um Sympathien musste er lange kämpfen. "FIVE"-Autor Jan Hieronimi erklärt, warum der Titelgewinn 2009 den entscheidenden Wendepunkt in seiner Karriere markierte.
Lakers-Profi Bryant: Er ist da, wo er hinwollte
Lakers-Profi Bryant: Er ist da, wo er hinwollte

Lakers-Profi Bryant: Er ist da, wo er hinwollte

Foto: LUCY NICHOLSON/ REUTERS
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Lakers-Shooting-Guard Kobe Bryant beseitigte 2009 mit seinem ersten Titelgewinn ohne Shaquille O'Neal den letzten Makel seiner glanzvollen Karriere. Anschließend ist seine Akzeptanz bei den Fans größer als je zuvor. Grund genug für das Basketball-Magazin "FIVE", zu entschlüsseln, wie dieser Wandel zustande kam. Die Analyse von André Voigt und Jan Hieronimi ist nun auch in dem Buch "Planet Basketball" erschienen.

Kobe Bryants Leidenszeit dauerte bis 2009. Dann endlich - nach zahlreichen Playoff-Niederlagen, einem Jahr ohne Endrunde sowie der Finalniederlage 2008 gegen Boston - kam die Erlösung in Form seiner vierten Meisterschaft, der ersten ohne Shaquille O'Neal. 32,4 Punkte im Schnitt im Finale trug er zu seiner Erlösung bei. "Diese Herausforderung beantwortet zu haben, nachdem so viele Leute sagten, ich könnte es nicht ohne Shaq schaffen - das fühlt sich so gut an, weil ich diesen Leuten das Gegenteil bewiesen habe", sagt er am Tag seines Triumphes. Wie befreiend der deutliche 4:1-Erfolg der Finalserie gegen Orlando wirklich war, lässt er erst später erkennen. Vor dem Triumph hatte er immer abgestritten, dass ihm dieser erste Solotitel wichtig sei. Doch danach gewährte er den Fans Einblick in sein Innenleben: "Ich konnte es kaum erwarten, dass die Uhr ablief, damit dieser eine Moment endlich da war", sagte Bryant.

Der heute 32-Jährige ist da, wo er hinwollte: Champion ohne Shaq. Nach seinem Triumph über Orlando fehlt seinen Kritikern erstmals die Munition. Stattdessen ist es en vogue, sein Spiel und seinen Wandel zum Anführer zu feiern.

In der öffentlichen Wahrnehmung hat er die bereits lange zurückliegende Dauerfehde mit Exkollege Shaq, die sein Image einst so beschädigte, "gewonnen". Kobe wuchs aus der Rolle des Schurken heraus, Shaq in diese hinein. Denn dessen Ruf hat - nach Trades aus L.A., Miami und Phoenix sowie diversen Scharmützeln mit seinen vorherigen Arbeitgebern oder dem Verhöhnen von Bryant (der "Kobe, how does my a** taste?"-Rap) - in den letzten Jahren gelitten, während Kobes Vergehen nur noch wenig Erwähnung finden.

"Selbst auswärts bejubeln sie seine Punkte und rufen 'MVP, MVP'."

Wie weit weg scheint der Aufruhr ob seiner Trade-Forderung 2007, als er lieber auf einem anderen Planeten spielen wollte als bei den Loser-Lakers? Wer kennt noch das Skandalvideo, in dem er sagte, die Lakers sollten "Andrew Bynums Arsch traden", um Jason Kidd zu holen? Wie war das mit der Wurfverweigerung im entscheidenden siebten Playoff-Spiel gegen Phoenix 2006? Was war mit dem Attribut "untrainierbar", das ihm Phil Jacksons 2004 in seinem Buch verpasste? Wer erinnert sich daran, dass er als Free Agent 2004 öffentlich auf einen Wechsel zu den Clippers oder Bulls drängte, dass er einst als Rotzlöffel galt, nachdem er beim All-Star-Game Karl Malone zur Seite winkte, weil er auf dessen Pick-and-Roll keine Lust hatte?

Das haben viele vergessen. Heute füllt Bryant die Hallen von Oakland bis Miami, selbst auswärts bejubeln sie seine Punkte und rufen "MVP, MVP". Dabei ist er nicht anders als zuvor. Verrückt, damals wie heute. Derselbe erfolgsgeile, egoistische, sozial auffällige, inselbegabte Ausnahmespieler, der er immer war.

"Er will der beste Spieler sein, der je gespielt hat"

Der wenige Wochen nach dem Titelgewinn 2009 mit Center-Legende Hakeem Olajuwon neue Bewegungsabläufe pauken ging. Und der noch heute ein Foto eines beliebigen Wurfversuches aus einem beliebigen Spiel ansehen und sofort sagen kann, in welcher Partie und in welcher Situation dieser Wurf war. "Kobe ist geisteskrank", sagt Phillys Andre Iguodala, der regelmäßig mit Bryant trainiert - er meint das als Kompliment.

Würde Kobe morgen so wie Michael Jordan die Sneakers gegen Baseball-Cleats - oder in seinem Fall eher Fußballschuhe - eintauschen, er würde wohl schon jetzt als einer der bisher zehn besten Spieler in die NBA-Geschichte eingehen. Er hat so viele individuelle Auszeichnungen feiern können wie kaum ein anderer - 81 Punkte (Platz zwei hinter dem ewigen Wilt Chamberlain) oder zwölf Dreier in einem Spiel. Insgesamt 104 40-Punkte-Partien. Er hat zwei Scoring-Titel und zwölf All-Star-Nominierungen, acht NBA-First-Teams und All-Defensive-First-Teams. Er war dreimal MVP des All-Star-Games, MVP des Rookie-Spiels, gewann den Slam-Dunk-Contest 1997, wurde 2008 Liga-MVP, 2009 und 2010 wertvollster Spieler der Finals (Stand Dezember 2010).

Die wichtigste Zahl für Kobe ist jedoch die Fünf. Fünf Titel aus sieben Finalauftritten hat Kobe errungen. Das ist viel, Bryant hat gleichgezogen mit Rollenspielern wie Steve Kerr und Stars wie Magic Johnson oder George Mikan. 13 Spieler indes haben mehr Ringe gesammelt als er - der Großteil davon allerdings Vertreter der Celtics-Dynastien aus den Fünfzigern und Sechzigern, einer kaum vergleichbaren Ära. Jordan, Pippen oder Kareem Abdul-Jabbar gewannen sechs Titel. Das will auch auch Bryant schaffen.

Dafür lebt er. "Er will der beste Spieler sein, der je gespielt hat", sagt sein langjähriger Kollege Derek Fisher. Alles in seinem Dasein ordnet er diesem Ziel unter. "Ich werde mich weiter pushen. Ich will so gut werden, wie es eben geht. Ich will sehen, welche Aspekte ich verbessern kann", sagt er. Bis er den Schlussstrich unter seine Karriere zieht, wird er so weitermachen. Er ist weiter in seinem selbst gebauten, persönlichen Gefängnis eingesperrt - errichtet aus diesem Traum, der Beste zu sein. Nur mit Augen für das nächste Ziel, den nächsten Sieg. Getrieben, hungrig. Mit einem Wort: besessen.