Lance Armstrong "Wie General Schwarzkopf in China"
Hamburg - Vor der Analyse seiner eingefrorenen Urin-Proben aus Doping-Kontrollen der vergangenen Frankreich-Rundfahrt hat Lance Armstrong keine Angst. "Ich bin sicher, sie werden nichts finden", erklärte der 29-jährige Texaner, der sich im Internet enttäuscht über den Wechsel seines Freundes Livingston zum Team Telekom äußerte. Das sei, als wechsele der Golfkriegs-Generalstab "Colin Powell oder General Schwarzkopf ins kommunistische China", so Armstrong verbittert.
"Das Beste, was uns passieren kann"
Die Pariser Richterin Sophie-Helene Chateau hatte die zur Vernichtung bestimmten Proben am 22. November 2000 beschlagnahmen lassen. Sie sollen im Rahmen des möglichen Verfahrens gegen das US-Postal-Team nach der vom IOC noch nicht anerkannten neuen französischen Methode untersucht werden. Sie kann das Blut-Dopingmittel Epo auch im Urin nachweisen. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen bis Ende Januar
bekannt gegeben werden.
"Die Analyse der Proben ist das Beste, was uns passieren kann. Wir haben nichts zu verbergen und warten gespannt auf das Ergebnis der Analyse. Danach kann das Kapitel geschlossen werden", erklärte Armstrong der Zeitung "USA Today". Obwohl der letztjährige Bezwinger Jan Ullrichs bemängelte, dass kein Vertreter seiner Mannschaft bei den Urin-Untersuchungen dabei sein wird, rechnet Armstrong nicht mit Unregelmäßigkeiten: "Die Franzosen sind darauf angewiesen, dass ihr Test glaubwürdig ist. Sie können die Resultate nicht frisieren, um uns zu kompromittieren."
Vom Freund enttäuscht
Den Wechsel seines treuesten Helfers Livingston an die Seite des vermutlich erneut härtesten Widersachers Ullrich hätte Armstrong "kaum glauben können". Livingston, den er als ersten Teamkollegen 1996 von seiner Krebserkrankung unterrichtete, hätte ihn "als Freund enttäuscht". Sportlich sei das Fehlen des Kletterspezialisten durch die Neueinkäufe Roberto Heras, José Luis Rubiera (beide Spanien) und Victor Hugo Pena (Kolumbien) mehr als ausgeglichen. Livingston, der kurzfristig bei Telekom noch Unterschlupf bekam, weil sein Engagement
beim Linda-Mc-Cartney-Team geplatzt war, nannte als Grund für den Wechsel indirekt finanzielle Hintergründe.
Armstrong, der 1996 an Hodenkrebs erkrankte, widersprach Meldungen belgischer Zeitungen aus der Vorwoche, dass er Frankreich aus Verärgerung über die Ermittlungen bis auf die Tour meide. Wahrscheinlich wird es bei der Murcia-Rundfahrt vom 7. bis 11. März zum ersten Aufeinandertreffen mit Ullrich kommen. Beim Gipfeltreffen der Toursieger in Südspanien will auch Marco Pantani (Italien) sein erstes Saisonrennen bestreiten.