Land & Leute: Durchs Land der Katharer - DER SPIEGEL
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Land & Leute Durchs Land der Katharer

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Zwölfte Etappe

- Kontraste bestimmen die heutige Etappe. Mittelmeerflair herrscht in Perpignan, der Stadt mit dem Beinamen "la Catalane", weil sich hier französische und katalanische Lebensart mischen. Von der alten Hauptstadt des Roussillon, in der heute rund 110.000 Einwohner leben, sind es nur noch 30 Kilometer bis zur Grenze nach Spanien. Hier residierten die Könige von Mallorca im 14. Jahrhundert, ihr Palast gehört noch heute zu den Attraktionen Perpignans, jener Stadt, die als heißester Ort Frankreichs gilt.

Die Route führt zunächst parallel zur oder direkt entlang der Nationalstraße 116, ehe das breite Asphaltband in Prades nach rechts verlassen wird. Hier beginnt der 28 Kilometer lange Anstieg hinauf zum Col de Jau, dessen Passhöhe auf 1530 Meter liegt (Kilometer 68). Natürlich hat keiner der Pedaleure Zeit, den Blick ins Land schweifen zu lassen - Touristen sollten dies hier oben aber auf keinen Fall versäumen: Weit ausgebreitet liegen die Vorberge der Pyrenäen unter dem fast immer gleißend blassblauen Himmel. Wer genau hinsieht, erkennt auf manchen der schroffen Zacken verfallene Burgen und Zitadellen, ehemalige Festungen der Katharer oder Albingenser: Wir sind im "Pays Cathare".

Die Bewegung des "reinen Christentums"

Bei den Katharern - das deutsche Wort Ketzer lässt sich davon herleiten - handelt es sich um eine vermutlich um das Jahr 1000 entstandene Religionsbewegung des "reinen Christentums", die sich von der päpstlichen Kirche abspaltete, die Sakramente ablehnte und die Göttlichkeit Christi leugnete. Die Sekte fand vor allem im Süden Frankreichs eine große Anhängerschaft, aber auch Gegner.

Im Juni des Jahres 1209 begann der von Papst Innozenz III. ausgerufene Kreuzzug gegen die Katharer, in deren Verlauf die Bergfestungen, in die sich die Häretiker zurückgezogen hatten, belagert und geschleift wurden. Die letzte der Trutzburgen fiel im März des Jahres 1244: Es war die kühn auf einen Spitzkegel gebaute Festung Montségur.

Ax zwischen 1400 und 2300

Die heutige Strecke über das Plateau de Sault (ab Kilometer 113) führt dicht an Montségur heran, das während der Ferienzeit jeden Tag von einigen hundert Besuchern besichtigt wird. Kurz hinter Camurac (Kilometer 136) zweigt ein Stichsträßchen links hinauf zur Burg Montaillou ab, deren Bewohner in enger Verbindung mit denen von Montségur standen. Allerdings blieb Montaillou von den Verwüstungen des Albingenser-Kreuzzuges verschont.

Nach dem Passieren des 1431 Meter hohen Col de Chioula (Kilometer 146) geht es hinab nach Ax-les-Thermes. Das traditionsreiche Heilbad wurde bereits von den Römern besucht, und im Mittelalter hofften leprakranke Kreuzfahrer im Bassin des Ladres auf der Place du Breilh auf die heilende Wirkung des Wassers. Der malerische Ort ist aber noch nicht der Zielpunkt der Etappe, denn die Fahrer müssen noch einmal rund 600 Höhenmeter überwinden, um auf das Plateau de Bonascre, das Skizentrum von Ax, zu kommen. Von dort bringen die Seilbahnen im Winter die Schneesportler hinauf auf die Pisten "Ax 1400" und "Ax 2300", wie die Skigebiete am Bergstock Tute de l'Ours wenig phantasievoll benannt sind.