Langer-Interview: "Golf sollte Schulsport werden" - DER SPIEGEL
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Langer-Interview "Golf sollte Schulsport werden"

Mit dem historischen Sieg der von ihm geführten Ryder-Cup-Mannschaft hat Profi-Golfer Bernhard Langer seine Karriere gekrönt. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht der zweifache Major-Sieger über sein Image, verwöhnte Jungprofis und die Popularitäts-Probleme seines Sports in Deutschland.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Herr Langer, bei der kürzlich ausgelobten Wahl zum deutschen Jahrhundert-Sportler landeten Sie lediglich auf Platz 61. Hat Sie das enttäuscht?

Langer: Man überfordert uns Menschen damit, die Jahrhundert-Sportler zu wählen. Was wissen wir denn darüber, wie schwierig es vor 50, 60 oder mehr Jahren war, Sport zu treiben. Zudem gibt es Athleten, deren Sportarten in den Medien gar nicht vorkommen, wie sollen die sich einer Wahl überhaupt empfehlen? Das Votum zum Sportler des Jahres halte ich für machbar und interessant. Aber beim Sportler des Jahrhunderts bin ich skeptisch.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben kürzlich als Kapitän des europäischen Ryder-Cup-Teams einen triumphalen Sieg über die USA gefeiert. Im Vergleich zu Michael Schumacher sind Sie in Deutschland Medien trotzdem eine Randfigur. Wird der Sportler Bernhard Langer in Deutschland ausreichend gewürdigt?

Langer: Der Golfsport hat in Deutschland immer noch einen untergeordneten Stellenwert und das zieht sich durch alle Bereiche. Dabei geht selbst der historische Sieg Europas beim Ryder Cup in den USA mit einem deutschen Kapitän unter. Er fand in den Medien nur ein, zwei Tage statt. Im frei empfangbaren Fernsehen gab es überhaupt keine Bilder zu sehen. Das ist für diesen schönen Sport sehr bedauerlich. Ich persönlich sehe meine Leistungen in der Öffentlichkeit allerdings respektiert und gewürdigt.

SPIEGEL ONLINE: Von der britischen Presse wurden Sie nach dem Ryder-Cup-Triumph gefeiert wie selten zuvor. "Captain Sensible", "Captain Marvel" sind nur einige der vielen Bezeichnungen über Sie. In den Vorberichten mussten Sie sich dennoch einige Kritik gefallen lassen. Sie wurden als der ultrapenible und freudlose Deutsche beschrieben. Wie gehen Sie mit dieser Art der Berichterstattung um?

Langer: Man darf das nicht überwerten. Ich habe jetzt fast dreißig Jahre Erfahrung mit den Medien aus aller Welt und weiß das für mich persönlich gut einzuordnen. Trotzdem verletzen falsche, der "Story" wegen veränderte Fakten immer noch. Das muss nicht sein. Gängige Klischees zu benutzen scheint zur Oberflächlichkeit der Gesellschaft zu gehören und ist sehr bedauerlich.

SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie, dass das amerikanische Team den Ryder Cup zuletzt nicht richtig ernst genommen hat? Bei vier Niederlagen in den letzten fünf Begegnungen könnte dieser Eindruck entstehen.

Langer: Nein, die Amerikaner haben den Ryder Cup immer sehr ernst genommen. Bei dieser Veranstaltung geht es um Ehre, Stolz und Vaterland, und so etwas ist für Amerikaner sehr, sehr wichtig. Das war auch einer der Gründe, warum Sie unter einem enorm hohen Druck standen.

SPIEGEL ONLINE: Arnold Palmer hat kürzlich gesagt, amerikanische Golfprofis sollten sich vermehrt außerhalb der Landesgrenzen zeigen, um sich als Spieler weiterzuentwickeln. Palmer erklärt mit der Isolation der amerikanischen Profis auf Heimplätze und -bedingungen auch das enttäuschende Auftreten der US-Golfer bei den letzten Ryder Cups. Hat Palmer Recht?

Langer: Das sehe ich anders. Auch auf der US-Tour wird auf vielen verschiedenen Golfplätzen unter sehr unterschiedlichen Bedingungen gespielt. Zudem gibt es eine große Anzahl von hervorragenden Spielern. Es gibt einige andere Gründe, warum Sie beim Ryder Cup versagen: beispielsweise der große Druck und die riesige Erwartungshaltung in der Öffentlichkeit als Favorit anzutreten.

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Bernhard Langer: The Ultimate Grinder in Golf

Foto: AP

SPIEGEL ONLINE: Mit drei Turnieren auf der European Tour erweist sich Deutschland als guter Standort für das Profigolf. Dennoch gibt es mit Ihnen, Alex Cejka, Marcel Siem und Sven Strüver im nächsten Jahr nur vier Profis, die auf der European Tour spielberechtigt sind. Was fehlt den deutschen Golfprofis, um sich auf höchster Ebene wirklich durchzubeißen?

Langer: Man braucht eine ausgefeilte Technik, ein extrem gutes kurzes Spiel und muss mental sehr stark sein. Leider gibt es diese Kombination sehr selten, und man lernt eben mehr, wenn man Woche für Woche gegen die Besten spielt. Was in den USA bereits im Amateursport auf den Colleges beginnt, wird dort auf Profi-Ebene fortgesetzt.

SPIEGEL ONLINE: Sie selbst haben Ihre Karriere ohne Unterstützung des Verbands aufgebaut. Stimmt das Vorurteil, dass Jungprofis hierzulande zu verwöhnt sind?

Langer: Zum Start meiner Karriere war die gesamte Situation in Deutschland weitaus schwieriger als heute, deshalb war ich auch nie Amateur. Alex Cejka hatte einen ähnlichen Karrierebeginn wie ich. Spieler wie Strüver, Dier, Siem und die Jungen auf der Challenge Tour hatten schon den Vorteil der jahrelangen Betreuung durch die verschiedenen Kader im DGV. Der Begriff "verwöhnt" kann auch als "gut betreut" dargestellt werden. Es ist grundsätzlich entscheidend, was jeder Einzelne aus sich macht. Golf ist ein Individualsport, man kann sich nie hinter einer oder innerhalb einer Mannschaft verstecken. Mit den Möglichkeiten durch eine erfolgreiche Golfsportkarriere bekannt, berühmt und wohlhabend zu werden, ist der Zuspruch im Profi-Golf aber immens groß geworden und dementsprechend sind die Plätze an der Sonne hart umkämpft. Und man sollte nicht vergessen, dass wir unsere Profis aus einer Golfgemeinde von lediglich 500.000 Spielern beziehen. In anderen Ländern gibt es seit Generationen schon mehrere Millionen von aktiven Golfern.

SPIEGEL ONLINE: In den USA, Großbritannien und Skandinavien ist Golf teilweise Schulsport. Ist so etwas für Deutschland utopisch?

Langer: Nein, warum nur! Genau da müsste man ansetzen. Golf sollte auch in Deutschland Schulsport werden. Auch Golf kann man langfristig nur über Kinder und Jugendliche fördern.

SPIEGEL ONLINE: Wie sieht die Zukunft des Golfers Bernhard Langer aus? Welche Ziele haben Sie für die kommende Saison?

Langer: Mein erstes Ziel ist die Spielberechtigung für das Jahr 2006 auf der US Tour zu schaffen und vielleicht mal wieder ein Turnier zu gewinnen. Weiterhin werde ich an meiner Technik, Kraft und Flexibilität arbeiten, um als Golfer noch recht lange Zeit Spaß und Erfolg zu haben.

SPIEGEL ONLINE: Sie arbeiten auch als Turnierveranstalter und Golfplatzarchitekt. Was macht der Golfer Bernhard Langer, wenn er nicht golft?

Langer: Nachdem bei der Linde German Masters im Jahr 2005 einige Sponsorenverträge auslaufen, gibt es auf diesem Gebiet sehr viel zu tun, um den Bestand des mittlerweile 19 Jahre alten international renommierten Turniers zu gewährleisten. Im Golfplatzdesign arbeiten wir an mehreren Standorten im Ausland (Portugal, Spanien, Moskau und Budapest) sowie einem hoch interessanten Projekt in Bayern.

Die Fragen stellte Andreas Lampert