Lars Burgsmüller Der Bescheidene muckt auf
Schattenmann Lars Burgsmüller steht plötzlich im Rampenlicht. Nach seinem ersten Turniersieg auf der ATP-Tour in Kopenhagen strotzt der 26-Jährige vor Selbstvertrauen und will unter Beweis stellen, dass der 6:3, 6:3-Finalerfolg gegen den Belgier Olivier Rochus keine Eintagsfliege war. In der Weltrangliste wurden die hohen Erwartungen schon einmal vorweg genommen: Burgsmüller machte einen Sprung um 111 Positionen auf den 22. Platz.
Unmittelbar nach seinem Triumph in der dänischen Metropole machte Burgsmüller seinem Ärger über die Nichtberücksichtigung für das Daviscup-Team Luft: "Ich bin sehr enttäuscht vom Deutschen Tennis Bund und von Michael Stich. Ich verstehe nicht, warum er gegen Kroatien Alexander Popp mir vorzieht. Ich habe mich seit dem letzten Jahr stetig gesteigert." Forsche Worte für einen, der ansonsten so bescheiden wirkt. "Es ist eine Ehre, für sein Land zu spielen, welcher Spieler möchte es nicht", beschreibt er seine Motivation.
Der mehrmalige deutsche Mannschaftsmeister macht sich jetzt berechtigte Hoffnungen auf einen Einsatz in der Daviscup-Relegation. Unter den Augen von Daviscup-Teamchef Stich hatte er in Kopenhagen den Schweden Magnus Larsson mit 6:4, 5:7, 7:6 im Halbfinale besiegt. Ein Achtungserfolg.
Fast im Heer der Namenlosen untergegangen
Vor acht Jahren galt der damals 18 Jahre alte Jugendmeister als die größte deutsche Nachwuchshoffnung. Doch Verletzungen hemmten Burgsmüllers Werdegang, und der Rheinländer wäre fast im Heer der Namenlosen untergegangen. In bisher neun Profijahren hatte er gerade einmal vier Halbfinalteilnahmen sowie vergangenes Jahr Einzüge in die dritte Runde bei den Australian Open und den French Open zu verzeichnen.
Mit seinem Turniersieg in Kopenhagen hat Burgsmüller den Rettungsanker ausgeworfen. Lohn für sein Mühen: ein Siegerscheck über 48.850 Dollar - eine Prämie, die mehr als doppelt so hoch wie alle seine im vergangenen Jahr eingespielten Gewinnsummen ist.
Der neue alte Stern am deutschen Tennishimmel muss nun beim nächsten ATP-Turnier in Memphis zeigen, dass sein Coup kein Zufall war. Zum Auftakt geht es gegen den US-Jungstar Andy Roddick. Wenn Burgsmüller es schafft, seine Ansprüche mit der Wirklichkeit gleichzusetzen, ist das eine lösbare Aufgabe.