Lars Riedel "Ich muss dem Körper Erholung gönnen"
Sie haben mit Ihrem fünften WM-Gold ein weiteres Stück Leichtathletik-Geschichte geschrieben. Wie ordnen Sie den Sieg von Edmonton ein?
Riedel:
Es war der schwierigste Titel, weil der Sydney-Olympiasieger Virgilijus Alekna doch extrem gut drauf war. Es war mein schwierigster Wettkampf, und ich hatte das nötige Quäntchen Glück. Im vierten Durchgang konnte ich vor Alekna werfen und sagte mir: Jetzt musst du den Wurf lang ziehen. Das hat geklappt und bei ihm Wirkung gezeigt.
An welches Gefühl erinnern Sie sich, wenn sie an ihren ersten WM-Triumph vor zehn Jahren in Tokio zurückdenken?
Riedel: Als ich 1991 den Titel gewann, dachte ich, es wäre das Allergrößte ...
Inzwischen sind Goldmedaillen für Sie zur schönen Gewohnheit geworden. Was haben Sie noch vor?
Riedel: Es ist einfach ein geniales Gefühl, das ganze Jahr auf etwas zuzuarbeiten und es dann zu erreichen. Solange dieses Gefühl da ist, mache ich weiter.
Also mindestens bis Olympia in Athen?
Riedel: 2004 noch einmal eine Medaille zu gewinnen, ist der größte Traum. Gerade wegen der klassischen Umgebung in Griechenland.
Welche Rolle spielt auf dem Weg dorthin die Europameisterschaft 2002 in München?
Riedel: Für mich wird das kommende Jahr eine Zwischensaison, in der ich es ruhiger angehen lasse. Ich werde das Training zurückschrauben, um dem Körper eine Erholungsphase zu gönnen. Wenn es jedoch einigermaßen gut läuft, werde ich mitmachen.
Reizt Sie der EM-Sieg im eigenen Land denn nicht besonders?
Riedel: 1998 in Budapest war ich nur so heiß darauf, weil mir dieser Titel in meiner Sammlung noch fehlte. Außerdem ist eine EM im Diskuswurf genauso schwer wie eine WM oder Olympia. Ich muss aber mit meinen Kräften haushalten.
Aufgezeichnet von Berthold Mertes, sid