Lauberhorn "Peppi" Strobl düpiert den "Herminator"
Wengen - Der "Herminator" strahlte über's ganze Gesicht, warf gönnerhaft Kusshändchen ins Publikum und freute sich am Ende doch zu früh. Als sich Hermann Maier schon auf seinen siebten Sieg in dieser Saison einzurichten begann, schlug ihm ausgerechnet sein Landsmann ein Schnippchen: Josef "Peppi" Strobl entriss Maier beim Klassiker in Wengen überraschend noch die Bestzeit und feierte auf der Lauberhorn-Abfahrt seinen sechsten Weltcup-Erfolg - den ersten seit zwei Jahren.
"Es wurde auch höchste Zeit, dass ich mal wieder gewinne", sagte der Sieger erleichtert: "Aber dass es hier am Lauberhorn sein würde, hätte ich nun wirklich nicht erwartet." Nach 4408 Metern auf dem längsten Kurs im Weltcup lag Josef Strobl (2:29,17 Minuten) um 0,16 Sekunden vor Maier. Den Sieg fuhr er dabei erst auf den letzten paar Metern heraus. Bei der letzten Zwischenzeit rund 15 Sekunden vor dem Zielstrich lagen die beiden noch bis auf die Hundertstelsekunde gleichauf. "Ich hab's im Ziel-S gewonnen", bestätigte Strobl.
Ein bisschen überrascht war auch der "Herminator", dem beim Anblick der Zeit seines Landsmanns das Grinsen schlagartig aus dem Gesicht wich. "Ich bin diesmal nicht das letzte Risiko gegangen", behauptete der 27-Jährige. Warum sollte er auch? Auch als Zweiter, mit deutlichem Vorspung vor dem Überraschungsdritten Ed Podivinsky aus Kanada (2:30,56), baute er seine Führung im Gesamtweltcup aus. Mit 1100 Punkten liegt Maier klar vor Norwegens Kjetil-Andre Aamodt (646), der am Sonntag im Slalom verkürzen kann. "Wichtig ist", bemerkte er deshalb, "dass meine Konkurrenten im Gesamtweltcup hinter mir waren". Ein deutscher Läufer war diesmal nicht am Start. Max Rauffer (Leitzachtal) war zu den Europacup-Rennen ins österreichische St. Anton abkommandiert worden. "Wir können ja nicht mit ihm von einem Weltcup-Rennen zum nächsten fahren, nur weil wir außer ihm keinen haben", begründete Abfahrtscoach Markus Anwander den Verzicht auf Wengen. Allerdings konnte Rauffer bei den Europacup-Abfahrten in St. Anton als Neunter und 23. auch nicht gerade überzeugen.