Leichtathletik: Baumann schafft die Olympianorm - DER SPIEGEL
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Leichtathletik Baumann schafft die Olympianorm

Dieter Baumann hat ein überzeugendes Comeback gefeiert. Beim Leichtathletik-Sportfest in Nürnberg konnte der Langstreckenläufer sich als Siebter sportlich für die olympischen Spiele qualifizieren. Ob er allerdings in Sydney starten darf, liegt nun in den Händen des Weltverbands.
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Nürnberg - Zwei Tage nach Aufhebung der Suspendierung hat Dieter Baumann beim Nürnberger Leichtathletik-Meeting in 13:18,78 Minuten die Olympia-Norm geschafft. Völlig ausgepumpt fiel der sieben Monate wegen Doping-Verdachts von der Laufbahn verbannte Olympiasieger im 5000-Meter-Ziel seiner Ehefrau und Bundestrainerin Isabell in die Arme, kniete nieder im Blitzlicht-Gewitter der Fotografen. Noch unsicher winkte er ins Publikum, begab sich etwas zögerlich auf die Ehrenrunde, während sich Äthiopiens Laufwunder Haile Gebrselassie als Star des 1,8 Millionen Mark teuren Meetings schon in Jahres-Weltbestzeit von 13:01,07 feiern ließ. "Ich habe seit Februar gesagt, dass ich in Sydney starten werde. Es ist für mich unvorstellbar, dass der Internationale Verband anders entscheiden wird als der Deutsche", meinte Baumann, der selbst dann noch etliche Hürden zu überwinden hat, wenn der Rechtsausschuss des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) vielleicht schon am Wochenende den Freispruch verkündet. Der durch drei Transparente im Stadion begrüßte Olympiasieger fühlte sich "voll aufgenommen. Es hat Spaß gemacht wie mit 18 bei den Kreismeisterschaften." Rein sportlich meinte Baumann: "Ich wusste, dass ich was drauf hatte und ich habe es umgesetzt. Ich bin vor Sydney voll im Soll."

Lächelnd war Baumann vor dem Rennen mit seiner schweren Sporttasche auf der Schulter im Stadion eingetroffen, schüttelte Mitgliedern der Nationalmannschaft die Hand. "Mir ist der ganze Fall herzlich egal. Jedenfalls wäre bei vielen anderen schon alles erledigt gewesen", meinte Diskus-Weltrekordler Jürgen Schult kritisch. Sein Rivale Stephane Franke gab sich generös: "Er hat mich vor zwei Jahren ohne Beweis des Dopings bezichtigt. Auf dieses Niveau will ich mich nicht begeben. Ich lasse Fakten sprechen." Kugelstoß-Olympiasiegerin Astrid Kumbernuss meitne dagegen: "Ich war immer pro Baumann."

Wenige Stunden vor Baumanns Start hatte Prof. Helmut Digel, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) als Lehre aus diesem Fall "weitreichende Konsequenzen" für den Anti-Doping-Kampf angekündigt und gleichzeitig seine Zukunft als Präsident darn geknüpft. Der Fall Baumann hab große Defizite vor Augen geführt. Die Beweislastumkehr müsse aufgegeben werden. Aber der Anti-Doping-Kampf sei nicht gefährdet. Digel forderte eine Juristen-Sonderkommission: Die Abwicklung solcher Fälle könne nur durch Profis erfolgen, entweder ausgelagert oder durch hauptamtliche Experten innerhalb des Verbandes.

Grünes Licht für den nach zwei positiven Dopingproben vom 19. Oktober und 12. November (Norandrostendion) über sieben Monate suspendierten 5000-Meter-Olympiasieger von 1992 hatte der DLV-Rechtsausschuss erst am Freitag gegeben. Für den Ansbacher Anwalt Wolfgang Schoeppe besteht "kein dringender Tatverdacht" mehr und er wird mit seinen Beisitzern möglicherweise noch Ende kommender Woche entgegen dem Antrag des DLV-Präsidiums (22. Januar) den Freispruch "wegen erwiesener Unschuld" verkünden. Generalsekretär Istvan Gyulai vom Weltverband IAAF kündigte für diesen Fall eine genaue Prüfung des DLV-Urteils und bei Beanstandungen eine Klärung durch das IAAF-Schiedsgericht an. Verweist das IAAF-Council den Fall an sein Arbitration Panel, wird Baumann sofort wieder suspendiert. Qualifikation für und Start bei Olympia sind also weiterhin unsicher. Vieles ging unter beim Rummel um Baumann - und auch im Regen. Grit Breuer lief beim 400-Meter-Saisondebüt als Dritte in 51,05 Sekunden knapp und Vize-Weltmeisterin Anja Rücker (Jena) als Siebte in 52,95 klar an der Olympia-Norm vorbei. Für weitere deutsche Saisonbestmarken sorgten Irina Mikitenko (Frankfurt) in 4:07,13 Minuten über 1500 Meter und Linda Kisabaka (LAZ Leipzig) in 2:00,16 (jeweils Dritte). Damian Kallabis (Berlin) schaffte als Zweiter in 8:18,41 die Olympianorm, doch offenbar fehlte ein Hindernis. Nils Schumann (Großengottern), ebenfalls Europameister, lief nach überstandener Angina als 800-Meter-Zweiter an der Olympianorm vorbei.

Olympiasiegerin Astrid Kumbernuss (Neubrandenburg) kehrte nach der Ellbogenverletzung als Kugelstoß-Siegerin mit 18,95 Meter zurück. Dagegen wurde die deutsche Diskus-Elite vom Olympiazweiten Virginius Alekna (Litauen) mit 69,41 Meter im Regen deklassiert. Vize-Weltmeister Schult wurde mit 65,48 Meter Dritter, Olympiasieger Lars Riedel (Chemnitz) mit 64,55 Meter nur Fünfter. Weltmeister Charles Friedek (Leverkusen) gewann den Dreisprung mit 17,21 Meter und der WM-Sechste Tim Lobinger den Stabhochsprung mit 5,75 Meter.