Läuferinnen-Talente: Zwillinge auf dem Weg nach vorn
Leichtathletik-Zwillinge Doppelt läuft besser
Wer hätte gedacht, dass Joey Kelly einmal zum Glücksfall für die deutsche Leichtathletikszene werden würde? Als Anna und Lisa Hahner das ehemalige Mitglied der Kelly Family und den heutigen Extremsportler Joey Kelly über seine Abenteuer sprechen hörten, packte die damals 18-Jährigen das Lauffieber. Nicht einmal acht Monate nach diesem Erlebnis gewannen sie in 1:29 Stunden Seite an Seite ihren ersten Halbmarathon.
Mittlerweile gelten die Zwillinge als zwei der größten deutschen Leichtathletik-Talente. Anna, inzwischen 22 Jahre alt, lief im Oktober des vergangenen Jahres einen Halbmarathon in Köln in 1:13:38 Stunden - die drittschnellste Zeit einer Deutschen im Jahr 2011. Anvisiert waren eigentlich 1:15 Stunden. "Was sie dann rausgehauen hat, hat uns alle überrascht", sagt Coach Sascha Wingenfeld. Im November wurde sie zur Leichtathletin des Monats gewählt. Lisa ist Junioren-Vizemeisterin über 10.000 Meter, war die drittschnellste Frau bei den Deutschen Meisterschaften über 5.000 Meter. In Ostrava, bei den U23-Europameisterschaften, fehlten ihr im vergangenen Sommer nur zwei Sekunden zu einer Medaille über 10.000 Meter.
Eine gewisse Leidenschaft für den Sport hatten die beiden schon in der Schule. Wenn sie im Sportunterricht auf Zeit gelaufen waren, drängten die Klassenkameraden immer darauf, danach Fußball zu spielen. Nur die Zwillinge wollten immer noch mal laufen, weil sie das Gefühl hatten, es noch schneller zu können.
"Wir haben erst durch das Laufen richtig zusammengefunden"
Abseits der Schule waren die beiden in ihrem osthessischen 300-Seelen-Ort mit anderen Dingen beschäftigt: Tischtennis, Gitarrenunterricht, Musikgruppen. Später lernten sie auch noch Ju-Jutsu. Dass sie dann doch den Weg zum Laufen gefunden haben, verwundert auch Anna und Lisa: "Wir wissen selbst nicht genau, was uns damals so fasziniert hat", sagen sie. "Joey Kelly hat so viel Lebensfreude und Kraft ausgestrahlt, etwas, was er durch das Laufen erreicht hat und was wir auch wollten." In der Laufszene sind sie für ihre permanent gute Laune bekannt.
Die beiden Lehramtstudentinnen trainieren mittlerweile zwei- bis dreimal am Tag. Beide wohnen gemeinsam nahe ihrer Universität in Mainz - und gegenüber einer Tartanbahn. Ihren Studien-Zeitplan haben sie aufeinander abgestimmt, sie trainieren zusammen. "Wir haben erst durch das Laufen richtig zusammengefunden", sagen die beiden. Schon heute können die Schwestern ihren Lebensunterhalt ohne Hilfe der Eltern finanzieren.
Echte Ziele, sagen sie, hätten sie nicht, denn Ziele seien in gewisser Weise auch Grenzen nach oben. Nur zwei Dinge wissen die Schwestern: 2013 wollen sie ihren ersten Marathon laufen, schon 2012 bei den Leichtathletik-Europameisterschaften starten. Die Qualifikationsnorm über 10.000 Meter liegt rund eineinhalb Minuten unter ihren Bestzeiten. Eigentlich sind das Welten. "Aber die beiden sie sind so frisch im Sport, sie haben extrem viel Luft nach oben", sagt Trainer Wingenfeld.