Lisickis Wimbledon-Aus: "Bum Bum" am Boden - DER SPIEGEL
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Wimbledon: Scharapowa knackt Lisickis Aufschlag

Foto: Clive Brunskill/ Getty Images

Lisickis Wimbledon-Aus "Bum Bum" am Boden

Aus der Traum vom Endspiel: Sabine Lisickis Niederlage gegen Maria Scharapowa im Halbfinale von Wimbledon war deutlich und schmerzhaft. Aber hinter der Deutschen liegt ein sensationelles Turnier. Und vor ihr eine erfolgreiche Zukunft - zumindest in London.
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Der Traum vom ganz großen Coup dauerte genau 14 Minuten. Da führte Sabine Lisicki im wichtigsten Spiel ihres Lebens 3:0 gegen Maria Scharapowa, hatte im Halbfinale von Wimbledon sogar einen Break-Ball zur 4:0-Führung. Doch die Magie dieses Blitzstarts war leider nur ein flüchtiger Zauber.

Mit einer 4:6, 3:6-Niederlage gegen die zunächst nervöse, dann aber cool agierende Turnierfavoritin Maria Scharapowa ging Lisickis Wimbledon-Märchen zu Ende. "Ich habe meine Chancen einfach zu leicht liegen gelassen", sagte die 21-Jährige. Scharapowa, die mit 17 Jahren sensationell ihren ersten Wimbledon-Titel gewonnen hatte, trifft nun am Samstag im Finale auf Petra Kvitová. Die Tschechin hatte im ersten Vorschlussrundenmatch Viktoria Azarenka (Weißrussland) 6:1, 3:6 und 6:2 bezwungen.

"Das ist kein Weltuntergang. Und die Enttäuschung hält sich auch in Grenzen", sagte Trainervater Richard Lisicki, "Sabine hat allen Grund, stolz zu sein. Sie ist wieder auf Tuchfühlung zur Weltspitze, hat frisches Selbstbewusstsein aufgebaut."

Lisicki baut zaudernde Scharapowa auf

Gegen Scharapowa nutzte Lisicki, von den englischen Zeitungen als "Fräulein Bum Bum" bezeichnet, erstmals nicht konsequent genug ihre Chancen. "Sie hat Scharapowa aus einem großen mentalen Loch wieder herausgelassen", sagte BBC-Kommentatorin Lindsay Davenport, 1999 selbst noch die Rasenkönigin im All England Club.

Kaum war die Chance zum 4:0 im ersten Satz gegen die zaudernde Russin vertan, drehte Scharapowa auf. 3:1, 3:2, 3:3 - ebenso wie Lisicki die Führung herausgespielt hatte, ging sie auch wieder verloren. Als dann auch der erste Aufschlag der Deutschen im Nervenspiel nicht mehr kam, war nach 43 Minuten ein Satz verloren.

Lisicki konnte nur noch den Kopf schütteln - über sich, den Spielverlauf und den unnötigen Rückstand. "Als Maria besser ins Spiel kam, hat Sabine die Körperspannung verloren. Man hat dann auch gemerkt, dass sie körperlich an ihre Limits kam", sagte Barbara Rittner, Teamchefin der deutschen Fed-Cup-Mannschaft, "das ist alles wirklich ganz blöd gelaufen." Umso mehr, da Scharapowa den Satz nach all den Doppelfehlern mit einem Ass beendete.

Mit der Führung im Rücken, war der stöhnenden und schreienden "Sirene von Wimbledon" allerdings nicht mehr ernsthaft beizukommen. Fortan diktierte Scharapowa das Tempo und den Takt. Wenn Lisicki an ein Comeback geglaubt hatte, dann hatte sie die Gnadenlosigkeit der Russin nicht bedacht, die schnell 3:0 in Führung ging. Lisicki konnte zwar hier und da ein Glanzlicht setzen, doch den Negativtrend in diesem Halbfinale konnte sie nicht mehr stoppen.

Scharapowa behielt am Ende auch ihre makellose Bilanz bei diesem Wimbledon-Turnier, bei dem sie in sechs Spielen noch keinen einzigen Satz abgeben und auch nur einmal in den Tie-Break gehen musste. Damit ist die 24-Jährige nun auch Titelkandidatin Nummer eins.

Und Lisicki? Sie konnte trotz dieser klaren Niederlage den Frieden machen mit einem Turnier, das sie nach monatelangen Verletzungsqualen wieder in die Weltspitze katapultierte. Die neue Rangliste, die am Montag von der Spielerinnengewerkschaft WTA veröffentlicht wird, führt sie auf Rang 27. Ein Fakt, der immer noch ein wenig unwirklich erscheint, wenn man an den März dieser Saison zurückdenkt. Damals war Lisicki 218. der Welt.

"Der ganz große Durchbruch ist ihr noch nicht gelungen, aber von dieser jungen Frau werden wir noch viel hören in den nächsten Jahren", sagte Tennislegende Billie Jean King (USA), "ganz besonders hier in Wimbledon. Sie hat das Talent und die Qualitäten, um hier eines Tages den Pokal in die Höhe zu halten". King übrigens war 1963 die einzige Spielerin, die ungesetzt das Finale erreicht hatte, ein Kunststück, das Lisicki an diesem Donnerstag verwehrt blieb.