Los Angeles Lakers: Eine Niederlage mit System - DER SPIEGEL
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Los Angeles Lakers Eine Niederlage mit System

Nach der deftigen Niederlage der Lakers in Indianapolis kratzten sich nicht nur die Basketballexperten den Kopf. Dabei scheint das Debakel der Kalifornier durchaus gewollt. Ein Kommentar.
Von Tobias Pox
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Mit 87:120 ließen sich die Los Angeles Lakers Freitagabend im fünften Finalspiel von den Indiana Pacers nach allen Regeln der Kunst vorführen und auseinandernehmen. Ohne jegliche Gegenwehr. 33 Punkte Unterschied. Das ist in etwa mit einem 7:0 im Fußball zu vergleichen. Wie ist ein solches Debakel der Lakers zu erklären? Besonders in Anbetracht der Dominanz der Kalifornier im bisherigen Verlauf der Finals und der Anwesenheit so schillernder Persönlichkeiten wie Shaquille O´Neal, dem überragendsten Spieler der NBA, Kobe Bryant, dem neuen Michael Jordan in spe, oder Phil Jackson, dem renommiertesten Basketballlehrer der Liga.

Die Erklärung ist simpel. Die Lakers wollten Spiel fünf gar nicht wirklich gewinnen und sich frühzeitig auf den NBA-Thron setzen. Nein, der weltbekannte Showtime-Verein zog es vor, den Pacers auf deren Parkett das Feld kampflos zu überlassen, um nächsten Montag, oder spätestens Mittwoch, in der eigenen trauten Umgebung von Los Angeles den Meistertitel triumphal zu feiern.

Was wäre das auch für eine triste Meisterfeier im Conseco Fieldhouse geworden? Unter dem gellenden Pfeifkonzert der knapp 19.000 Korbfans der Indiana Pacers hätten die Lakers die Trophäe des "World Champion 2000" von David Stern, dem Liga-Commissioner, entgegen nehmen müssen. Anschließend hätte der frisch gekürte Meister durch die menschenleeren Strassen von Indianapolis zu seinem Flieger fahren müssen, um erst dann, vier Flugstunden und 3358 Kilometer Luftlinie später, auf die eigene Anhängerschaft zu treffen und von dieser endlich geliebkost zu werden. Keine schöne Feier.

Daheim im stets sonnigen Kalifornien wird das Zelebrieren indes wesentlich mehr Spaß machen. Nachdem L.A. entweder im sechsten oder siebten Spiel endlich den zwölften Titel der Vereinsgeschichte eingefahren hat - und dass die Lakers trotz ihres Totalausfalls gestern noch immer auf Meisterschaftskurs liegen, dürften nur Oberpessimisten bezweifeln - wird das Westküstenparadies unmittelbar Kopf stehen: Am Strand von Malibu werden die Surfhymnen der Beach Boys lautstärker als sonst ertönen, aus den schrill hupenden amerikanischen Schlitten der Autokorsen werden die fulminanten Beats des West-Coast-Raps noch intensiver erklingen, und als Oberinsignie des schrillen Treibens wird in den Bergen von Hollywood das jedermann bekannte Hollywood-Schild glänzender erstrahlen als jemals zuvor. Welch Fest!

Und in der Heimarena der Lakers, dem supermodernen, erst letzten Jahr eröffneten Staples Center in Downtown L.A.? Dort werden exakt 19.282 frenetische Zuschauer minutenlang ihrem geliebten Team tosende Standing Ovations zujubeln und den Platz stürmen - darunter so bekannte Promis wie Jack Nicholson, Dustin Hoffman, Will Smith, Tom Hanks, Pamela Anderson, Leonardo DiCaprio und wie sie nicht alle heißen. Schade nur, dass Bill Gates es eher mit den Trail Blazers von Detlef Schrempf hält und sich lieber in Portland herumtreibt als in Los Angeles. Der reichste Mann der Welt würde gut reinpassen in den Glamour-Kosmos der Lakers. Jenem Team, welches mitunter mit Kalkül verliert. Der Feier wegen.