Louis Vuitton Cup: Das Rennen der Milliardäre - DER SPIEGEL
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Louis Vuitton Cup Das Rennen der Milliardäre

Es ist ein Spektakel ohne Grenzen. Am Dienstag beginnen in Auckland die Ausscheidungsregatten für den America's Cup. Eine dreiviertel Milliarde Dollar investierten die Syndikate in Hightech-Boote, Super-Computer und Wetterstationen.
Von Mathias Müller von Blumencron
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Auckland - Das Rennen um die älteste Segeltrophäe der Welt war schon immer etwas für Exzentriker mit entsprechendem Kleingeld. Erstmals staubte der amerikanische Reeder John Cox Stevens 1851 mit meilenweitem Vorsprung die von der Queen gestiftete Silberkanne ab und taufte sie nach seinem eigenen Boot. Fortan hieß das Ding nur noch America's Cup.

In den dreißiger Jahren bekriegten sich der britische Tee-Millionär Sir Thomas Lipton und der US-Tycoon Harold Mike Vanderbilt mit ihren bis zu 42 Meter langen Mega-Yachten. Später, 1977, gewann ein junger Medienmanager namens Ted Turner den Pokal - und kippte bei der Pressekonferenz im feinen New York Yacht Club betrunken vom Stuhl.

Noch nie allerdings steckten Verteidiger und Herausforderer so viele Millionen in den Kampf um den prestigeträchtigsten Pokal der Segelwelt wie in diesem Jahr. Noch nie wurde soviel Technologie zur Optimierung der Rümpfe genutzt. Und noch nie kämpften so viele Milliardäre um den Gewinn der Serie, die Seglern als die Formel 1 zu Wasser gilt.

Hinter den Syndikaten stehen Eigentümer mit Egos, so aufgeblasen wie die bunten Spinnaker ihrer Boote. Sie finanzieren ein Heer von Designern, Bootsbauern, Computerwissenschaftlern, Meteorologen und auch noch Seglern. Das Ergebnis sind Yachten, kaum schneller als ein Fahrrad, aber entwickelt mit Supercomputern, gebaut mit Weltraumtechnik, gesteuert mit Satellitenhilfe. Hunderte von Messfühlern unter Wasser, an Deck und im turmhohen Rigg füttern die Navigationscomputer mit Daten. Dutzende von Wetterstationen und -booten liefern Hilfestellung bei der Taktik. Noch die kleinste Winddrehung wird erfasst.

Wer gewinnen will, wie der Computer-Milliardär und Oracle-Chef Larry Ellison, investiert bis zu 120 Millionen Dollar in sein Team. Der Schweizer Milliardär Ernesto Bertarelli, Chef des Biotech-Konzerns Serono, ist mit 90 Millionen Euro dabei, ähnlich wie der amerikanische Telecom-Tycoon Craig McCaw (80 Millionen) oder das Team des italienischen Modekonzerns Prada (110 Millionen). Und selbst Low-Budget-Kampagnen wie die des viermaligen Cup-Gewinners Dennis Connor verschlingen noch über 25 Millionen Euro.

Mächtige Konzerne wollen das Spektakel als Marketingevent nutzen und kauften sich mit hohen Millionenbeträgen in die Teams ein. BMW investierte 18 Millionen Euro in die Kampagne des Computer-Tycoons Ellison, fortan heißt dessen Team Oracle BMW Racing. Ellisons Erzrivale, der deutsche SAP-Gründer Hasso Plattner, unterstützt dagegen das Team New Zealand, das den Cup vor zwei Jahren erfolgreich gegen die italienische Prada verteidigt hatte. Insgesamt investieren Konzerne und segelfanatische Milliardäre in den vergangenen zwei Jahren über 700 Millionen Dollar in ihre Anstrengungen zum Gewinn der Regattaserie.

Der Perfektionismus kennt keine Grenzen

Allein der Entwicklungsetat einiger Syndikate beträgt 30 bis 40 Millionen, der Perfektionismus kennt keine Grenzen. So kaufte Teamboss McCaw, ein Pionier in drahtloser Kommunikation, kurzerhand die gesamte Kapazität des örtlichen LAN-Netzwerkes auf. Seine Konkurrenten müssen sich nun mit so archaischen Geräten wie Handys oder UKW-Funkgeräten begnügen. Viele Millionen Dollar stecken die Teamchefs in den Aufbau eigener Wetternetze mit Dutzenden von Stationen an Land und auf dem Wasser. Materiallabors rund um den Globus testen noch leichtere, noch steifere Stoffe für Rumpf und Segel.

Insgesamt neun Teams aus aller Welt treten ab Dienstag vor der neuseeländischen Seglermetropole Auckland an, um den "Kiwis" den Cup zu entreißen, den sie seit 1995 in ihrem Besitz halten. Ihre Schiffe sind 24 bis 25 Meter lang, die Masten knapp 40 Meter hoch. Die aus Kohlefasern laminierten Rümpfe wiegen rund eine Tonne, weniger als ein Volkswagen-Käfer.

Hightech-Spektakel statt Seefahrerromantik

Das Gegengewicht zu den riesigen Segeln gibt eine Kielflosse, an deren unteren Ende, fünf Meter unter Wasser, 20 Tonnen Ballast in einer stromlinienförmigen Bleibombe hängen. Wie sehr die Konstrukteure mit den Grenzen der Physik flirten, zeigen etliche Zwischenfälle. Zwei Trainingsboote des Oracle-Teams verloren auf hoher See ihren Kiel und kenterten, McCaws Team verlor einen Mast, die Stars&Stripes von Dennis Conner sank, und immer wieder brechen, wie vor dem letzten Cup, die überzüchteten Schiffe einfach auseinander.

Mit Seefahrerromantik hat das Hightech-Spektakel nichts mehr gemein. Sicherheitsbeamte bewachen die Teamlager rund um die Uhr gegen Spionage, Videokameras zeichnen jede Bewegung auf. Wenn die Schiffe nach ihren Trainingsfahrten an Land gesetzt werden, verhüllen riesige Planen den Unterwasserbereich der Rümpfe, damit ja kein Konkurrent die Form ausspähen kann.

Neun Teams fordern Titelverteidiger Neuseeland heraus

Wie gereizt die Stimmung ist, zeigen etliche Gerichtsverfahren, mit denen sich die neun Konkurrenten bereits vor dem Start überzogen: Die Prada-Verantwortlichen etwa versuchten das Team Oracle BMW Racing wegen Spionage zu verklagen, weil sie angeblich einen Kahn zu nahe am italienischen Lager vertäut hätten. Die Klage wurde wegen eines Formfehlers abgewiesen, Prada selbst zu einer Strafzahlung von 10.000 Dollar verurteilt. Und das Team "One World" des Telecom-Moguls McCaw wurde monatelang von einem hässlichen Spionage-Streit gelähmt, dessen Folgen noch immer die Gerichte beschäftigen.

Topfavorit ist bei der 31. Cup-Auflage seit dem 22. August 1851 vor der britischen Isle of Wight die Schweizer Alinghi Challenge von Pharma-Milliardär Bertarelli, bei der mit dem dreimaligen Olympiasieger Jochen Schümann (Penzberg) und dem Hamburger Chefdesigner Rolf Vrolijk gleich zwei Deutsche dabei sind. Neben Alinghi zählen die US-Teams Oracle BMW Racing und OneWorld (McCaw) zu den aussichtsreichsten Konkurrenten. Krasser Außenseiter ist das französische Team Le Defi Areva, für das der Hamburger Segelprofi Tim Kröger antritt.